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) Angelo 250 imaN) Angelo
derselben 20.000 Gulden. Am folgenden
Tage wollte er dem Bankier Revange
geben, gewann aber wieder 24.000 Gul
den. Nun wußte eS Angelo, indem er
dem Bankier nochmals Revange bot,
es so einzurichten, daß der Bankier die
24.000 Gulden zurückgewann. Alles,
auch der Bankier, hatte Sol iman's
Absicht durchgeblickt und sah voll tiefer
Bewunderung auf den Neger. Sol i -
man aber. von so ungewöhnlichem Glücke
unverfühct, spielte nie wieder um boheS
Geld und überhaupt meist nur Schach,
worin er es zu großer Fertigkeit gebracht
und so den Ruhm eineS der ersten Schach.
Spieler erworben hatte. I n späteren Iah»
renverheirathete stchSoliman mit einer
verwitweten Frau vonChrist iani ge»
borenen Keller mann, einer aus den
Niederlanden gebürtigen Dame. Vordem
Fürsten hatte er seine Ehe verheimlicht.
Er mochte, wie es sich aus dem Folgen»
den herausstellt, seine Gründe dazu ge-
habt haben. Da verrieth eines Tages
der Kaiser Joseph ohne Abstcht das
Geheimniß. Denn der Kaiser nahm gro-
ßcn Anlheil an Sol iman's Geschick,
zeichnete ihn öffentlich aus, hing sich,
wenn er ihn auf dem Spaziergange be»
gegnete. an seinen Arm. Zufällig er»
wähnte der Kaiser in einem Gespräche
mit dem Fürsten der Frau seines Schütz«
lings. Der Fürst ließ nun So l iman
rufen, stellte ihn darüber zur Rede, und
als Angelo seine Ehe eingestand, ver.
bannte er ihn sofort auS seinem Haufe
und strich ihn gleichfalls auS seinem Te.
stamenle, worin er ihn reichlich bedacht
hatte. Angelo, der so oft für Andere
seine Fürbitte eingelegt, fand für sich kein
Wort. Er verließ gleich das Haus des
Fürsten und zog sich in fein Häuschen.
daS mit einem dazu gehörigen Garten in
einer der kleineren Vorstädte Wien'S ge. legen war und er längst gekauft hatte,
zurück, wo er in ländlicher Abgeschieden«
heit feinem häuslichen Glücke und der
sorgfaltigen Erziehung seiner einzigen
Tochter ^siehe zu Ende j^ und der Pflege
seines Gartens lebte. Nur mit wenigen
geistig bedeutenden Menschen unterhielt
er geselligen Verkehr. Indessen war
der Fürst Joseph Wenzel gestorben
(1772). Zwei Jahre nach dessen Tode
begegnete sein Neffe Fürst Franz Io -
seph Liechtenstein ^Bd. XV, S. 123,
Quelle Nr. 17^ So l iman auf der
Straße. Der Fürst rief ihn in seinen
Wagen, sagte ihm, daß er von seiner
Schuldlosigkeit völlig überzeugt und ge»
sonnen sei, die ihm von seinem Oheim
widerfahrene Unbill wieder gutzumachen.
Er setzte auch So l iman sogleich ein
Iahrgehalt aus, das nach So l i m a n's
Tode die Pension seiner Frau sein sollte,
verlangte aber, daß S. eine Art Aufsicht
über die Erziehung seines Sohnes, des
nachmaligen regierenden Fürsten Alo is
Iofept) sBd. XV, S. 139), führen
solle. Angelo S. kam pünctlich dieser
an ihn gestellten Aufgabe nach und er»
schien täglich im Palaste des Fürsten, biS
dieser ihm eine Wohnung in demselben
anwies, worauf So l iman zum zweiten
Male das fürstliche Palais bezog. Er
lebte nun fortan in demselben still und
eingezogen, nur im Verkehr mit wenigen
Freunden und mit ernsten Studien be-
schäftigt. Als er nach einiger Zeit seine
seit Jahren kränkelnde Frau durch den
Tod verlor, schränkte er seinen Haushalt
vollends ein und war fortan nur darauf
bedacht, seiner Tochter ein kleines Ver>
mögen zu ersparen, in Folge dessen er sich
selbst manche Genüsse, so z. B< den Wein,
entzog. So l iman machte mehrere Rei«
sen, theils in eigenen Angelegenheiten,
theils im Auftrage des Fürsten. Auf
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon