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Solms-Zraunfels 234 Solms-Zraunfels
kommen. Hingegen sollte er beiSolferino
die Schrecken des Krieges in ihrer gan-
zen Grauenhaftigkeit kennen lernen. Auf
dem Schlachtfelde schlug er sich so tapfer.
daß er mit dem Militär-Verdienstkreuze
ausgezeichnet wurde, aber eine feindliche
Kugel durchbohrte seine Brust unter der
Schulter gerade in dem Augenblicke, als
er seinenZug zum Sturme auf ein Haus
sammelte. Zu Tode verwundet, fast be>
wußtlos, gerieth er auf dem Verband-
platze in französische Gefangenschaft und
wurde unter unsäglichen Schmerzen nach
Brescia gebracht. Der Prinz litt insbe-
sonderebei der im Juni 1839 herrschenden
Hitze schwer, aber unter der sorgfältigen
Behandlung des Leibarztes des Königs
von Hannover wurde eg möglich, daß er
nach mehreren Wochen in ein frischeres,
stärkendes Klima nordwärts geschafft
werden konnte. Aber die Wunde wollte
sich noch immer nicht schließen und zehrte
an semer Gesundheit. Beinahe ein Jahr
war nachdem Schlachttage von Solferino
vorübergegangen und es wurde bereits
der fünfunddreißigste Knochensplitter aus
seiner Wunde gezogen. Er suchte nun
Heilung in Wildbad im Schwarzwald,
im Herbste im südlichen Frankreich. Da»
selbst lernte er in Toulon. Marseille und
anderen Städten unter Führung franzö«
sischer Officiere die Einrichtungen der
französischen Armee kennen. Ein längerer
Aufenthalt in HyöreS am Mittelmeer
wirkte besonders kräftigend auf seinen
Körper. Anfang 1861 begab er sich nach
Algier, wo er bei General Iussuf und
Marschall Pelissier freundlichste Auf-
nähme fand, neue Verhältnisse, neue
eigenthümliche Länder und Menschen
kennen lernte, über welche Eindrücke sich
seine Briefe in die Heimat ausführlich
ausliehen. Nach mehrmonatlichem Auf-
enthalte daselbst kehrte er, wesentlich ge» kräftigt, wenngleich mit noch immer offe«
ner Wunde, nach Oesterreich zu seinem
Dienste zurück, aber nicht mehr in daS
Kaiserjäger-Regiment, da er mittlerweile
zum Oberlieutenant im Kürassier«Negi«
mente König Max von Bayern Nr. 2
befördert worden war. Ihn traf die Be<
stimmung nach Kecskemet, einer im Her-
zen Ungarns gelegenen Station, mitten
in der zwölf Meilen fassenden Heide, in
welcher sich die ganze Eigenthümlichkeit
des Ungarlandes in der sattesten Färbung
kundgibt. So anstrengend der Dienst
war, S. schritt in der Genesung entschie.
den vorwärts und auch ließ ihm der
Dienst noch immer Zeit zu ernsten Stu-
dien. Unter diesen nahm Kriegswifsen«
schüft in ihren verschiedenen Richtungen
den ersten Platz ein, dann las er die
besten Geschichtswerke der Deutschen und
Franzosen, wobei er auch bedeutendere
Erscheinungen der Tagesliteratur nicht
unbeachtet.ließ. Mit Vorliebe aber be>
schäftigte sich der 23jährige Krieger mit
Schriften religiöS'philosophischec Betrach«
tung. Seine schwere Verwundung und
die derselben gefolgte langwierige Krank»
heit. die eine völlige Genesung iinmer
noch zweifelhaft sein ließ. mochten zunächst
diese ernstere Lebensrichtung wachgerufen
haben. Aber nicht blos geistig genießen
wollte der junge Prin;, auch selbst zu
schaffen, drängte es seinen gebildeten, viel.
seitig unterrichteten Geist, .und so entstan»
den bereits damals einzelne schriftstelle'
rische Versuche, die jedoch erst später den
Weg in die Oeffentlichkeit fanden. Zm
Jahre 1864 wurde der Prinz zum Ritt-
meister im Kürassier«Regimente Kaiser
Franz Joseph Nr. 1 befördert, und kam
als solcher in die Stationen nach Güns,
Szathmär und in andere kleinere Ortschas»
ten Ungarns. Um seine militärische Aus«
bildung möglichst zu fördern, wozu sich
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Band 35
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Sinacher-Sonnenthal
- Band
- 35
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 388
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon