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Steinle 153 Steinle
städtischen Museum zu Köln, für welches
Steinle fofort die Tntwürfe machte
und 1860 die Cartons zu zeichnen be-
gann. I n vier großen und zehn klei«
neren Bildern sollte die Kunstgeschichte
KölnS von der römischen Zeit an bis
auf die Gegenwart dargestellt werden.
Da die maßgebenden Personen im Kreise
der Auftraggeber mit den Ansichten und
der Auffassung nicht übereinstimmten,
wonach Ste in le eine Darstellung der
friedlichen Kunstgeschichte Kölns in Far-
ben zu geben sich entschlossen hatte, so
wurde diese Arbeit von Schwierigkeiten
mannigfacher Art durchkreuzt und man
dachte bereits daran, den Vertrag wie«
der zu lösen. Da aber dieß nicht zu
bewerkstelligen war, blieb der Künstler
Herr des Unternehmens, und diese
großen Fresken wurden während der
Jahre 1861. 1862 und 1863 auSge-
führt. Die Urtheile über dieses Monu«
mentalwerk lauten verschieden, manche
dem Künstler abträglich, viele von den«
selben begeistert. Gewiß ist eS, daß die
Differenzen, welche während der Arbeit
sich entspannen, nicht fördernd auf den
Künstler einwirkten und störend in seine
Arbeit, in seinen Gedankengang eingrif.
fen; aber alle Urtheile stimmen darin
überein, daß, wenn man auch hie und
da im Einzelnen anderen Sinnes fein
könne, man doch im Großen und Gan>
zen ein herrliches Monumentalwerk vor
Augen habe, in welchem, wie nament-
lich im letzten Bilde, dem die moderne
Tracht eine nichts weniger als eine für
ein Geschichtsbild dienliche Unterlage bie«
tet. die großen Schwierigkeiten mit
künstlerischem Geschicke überwunden find.
An die Fresken im Treppenhause dcs
Kölner Museums schloffen sich nacheilt»
ander drei große Aufträge; so für die
Capelle auf der fürstl. Löwenstein«
o. Wurzbach , biogr. Lerikon. XXXVIII. > Werthei m'schen Herrschaft Kleinheu,
bach in Unterfranken, ein Bildercyklus
aus dem Leben der Mutter des Erlösers :
dann für sieben Nischen in der Marien-
kirche zu Aachen ein Bildercyklus, in
welchem das Dogma der unbefleckten
Empfängniß darzustellen war. und zuletzt
die größte, die Ausmalung der roma-
nischen Apside im Straßburger Münster,
mit welcher Arbeit der Künstler noch zur
Stunde beschäftigt ist. Wenn man be-
denkt, welche Menge großer monumen-
taler Werke, welche immer mehrere Jahre
in Anspruch nehmen — wie dieß bei den
FreSkencyklen in Aachen, Münster, Klein-
Heubach, Straßburgund an dem Treppen«
haus in Köln auch wirklich der Fall war —
S. geschaffen, so überrascht es unS nur
noch mehr, wenn wir die stattliche Reihe
mitunter großer Staffeleibilder, seine
Cartons, Aquarellen und mannigfaltigen
Zeichnungen überblicken. Die Summe
dieser Arbeiten übersteigt weit ein hal«
beS Tausend. Herausgeber war bemüht,
ein möglichst vollständiges Verzeichniß
dieser weitum zerstreuten Werke zusam-
menzustellen, gesteht aber freimüthig,
daß er wohl ein möglichst vollständiges,
aber noch immer nicht vollständiges Ve»
zeichniß zu entwerfen vermochte, welches
aber den Vorzug besitzt, das erste zu
sein. AuS einer näheren Prüfung die-
seS Verzeichnisses entnehmen wir. daß
Ste in le nahezu 70 Madonnen in Oel,
Aquarell und in Zeichnung, 30 Chri-
stusbiloer. 104 Darstellungen auS der
Legende und dem Jeden der Heiligen,
34 Historien» und Märchenbilder, zehn
große Gedenkblätter und über 80 Ear«
tons zu Kirchenfenstern, an ein halbes
hundert Bildnisse, darunter wiederholt
sich selbst und seine sämmtlichen Kinder,
viele kleinere Gelegenheitsarbeiten unge-
rechnet, ausgeführt hat. Am meisten
Kedr. l(>. Nov. 1878.) 8
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon