Seite - 116 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Stehlik-Stietka, Band 38
Bild der Seite - 116 -
Text der Seite - 116 -
Steinle Zteinle
dem barmherzigen Samariter auf der
Kunstausstellung zu München noch in denv
selben Jahre zu sehen waren; auch voll>
endete er mehrere Aquarellzeichnungen zu
den darauf sich beziehenden Darstellungen,
wovon er in Frankfurt die größeren Ca»
ions ausführte. Diese Capelle hat im In»
neren die Form eines im Halbkreis oben
abgeschlossenen Fächers oder eines Nehge.
wölbes. von einer einzigen in die Mitte
gestellten Säule und von acht Bogen getra«
gen. I n den größeren Feldern über den bei«
den Eingängen und in den fächerartigen
Räumen stellte der Künstler die ,Bergpre<
digt", ihre Seligpreisungen und ihre Wir«
kung dar, u. zw. in folgender Weise: Ueber
dem einen Eingang predigt Christus dem
versammelten Volke und über der zweiten
Thüre erblicken wir ihn sitzend, gleichsam ver»
klärt und umgeben von den acht Haupt-
gestalten der in Den oberen Räumen Varae»
stellten Begebenheiten. Diese aber sind:
') »Selig sind die Armen am Geiste,
denn ihrer ist das Himmelreich". Der
Engel erscheint Marien und verkündet ihr,
daß sie die Mutter des Messias werden solle.
(Evangel. Luc. I. 20 ff.) — -) „Sel ig
sind, die da Leid tragen, denn sie
sollen getröstet werden." (Christus er<
scheint nach seiner Auferstehung der Maria
Magdalena- Eoangel. IohanniS 20:
Maria!" .Rabbuni!" „Rühre mich noch
nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefah»
ren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu
meinen Brüdern und sage ihnen: „ich fahre
auf zu Gott, meinem Vater, und zu eurem
Vater, zu meinem Gott und zu eurem
Gott!") — ') „Sel ig sind die Sanft«
müthigen. denn sie werden das
Erdreich besitzen." (David im Zelte des
schlafenden Saul. I. Samuel is. 26: „Wer
will die Hand an den Gesalbten des Herrn
legen und ungestraft bleiben?" Sein Feind,
der König Saul, mit dem er gezwungen
kriegt, ist in seiner Hand; aber er vergreift
sich nicht an dem, der ihm nach dem Je«
ben gestellt hat, sondern überläßt die Rache
dem Herrn; Becher und Spieß des Feindes
nimmt er zum Zeugniß, daß Saul in seiner
Hand gewesen.) — 5) „Sel ig sind. die
da hungert und dürstet nach der
Gerechtigkeit, denn sie sollen satt
werden." (Moses eifert, als er mit den
Gesetzestafeln vom Berge Sinai kommt, bei
dem Anblick seines abgöttischen Volkes, das um daS aoldene Kalb tanzt. 2. Moses, 32:
«Als er (Moses) aber nahe zum Lager kam
und das Kalb und den Reigen sah, er<
grimmere er mit Zorn und warf die Ge»
setzeStafeln aus seiner Hand und zerbrach
sie unten am Berge.") — 5) „Sel ig sind
die Barmherzigen, denn sie werden
Barmherzigkeit erlangen." (Die Pa«
rabel vom barmherzigen Samariter. Evang.
Lucae l0. 30. ff.) — «) „Sel ig sind.
die reinen Herzens sind. denn sie
werden Got t schauen." (Simeon er»
kennt im Tempel Jesum als den verheißenen
Messias. Evang. Luc. 2, 27 ff... „Herr
nun lässest Du deinen Diener in Frieden
fahren, denn meine Augen haben dein Heil
gesehen.") — ?) „Sel ig sind die Fried»
fert igen, denn sie werden GotteS
Kinder heißen." (Joseph gibt sich seinen
Brüdern zu erkennen, l . Mos. 43: „Ich
bin Joseph! Lebet mein Vater noch?") —
2) »Selig sind, die um der Gerech,
t igkeit wi l len verfolgt werden,
denn ihrer ist das Himmelreich."
(Johannes der Täufer wird im Gefängnisse
enthauptet, Evang. Mat th . 14). Die
colorirten Cartons und kleineren Zeichnun«
gen zu vorgenannten Fresken hat das Stä«
del'sche Kunstinstitut in Frankfurt a. M.
angekauft. ^. 1843—1846. 3) Die Fres-
ken im Chöre des Kölner Domes
und die Restaurati o nen daselbst. I m
Jahre t843 begann S t e i n t e die Ausfüh«
rung der Fresken im Chöre des Kölner Do-
mes . womit er von König F r i e d r i c h
Wi l he lm IV. von Preußen betraut wvl>
den. Die Eigenthümlichkeit des Raumes, in
welchem die Freslen auszuführen waren,
legte dem Künstler einigermaßen Schranken
in der Bewältigung seiner Aufgabe. Die
Gurtbogenfenster des hohen Chors sind von
verschiedener Größe. Die größten Felder be<
finden sich an den Langseiten; an diese rei»
hen sich zwei kleinere an. Die kleinsten
Felder umschließen im Sechseck den Altar.
Durch diese architektonische Anordnung ge»
währt das Presbyterium einen von den
übrigen Kirchen sehr verschiedenen Ausdruck.
Der Raum um den Altar erscheint viel lich»
ter. durchsichtiger, als die übrigen Räume
der Kirche. Diese verschiedenen Flächen in
den Gurtbogen hat S t e i n l e mit einer
bewunderungswürdigen Geschicklichkeit und
Sinnigkeit zu seinen Comvositionen zu be<
nützen gewußt, so daß sich seine Engelchüre
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon