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Steinle Steinle
dem Gebäude nicht nur in seiner äußeren
Gestalt und seinen Räumen nach, sondern
auch in Beziehung auf die mystische Bedeu-
tung völlig anschließen. Die Cherubim, Se»
raphim und Thronen umgeben zunächst das
Heiligthum, den Altar. — Die Cherubim
flammend roth. die Seraphim blau licht, wie
es der traditionelle Typus vorschreibt. Es
sind großartige Köpfe von wunderbarem
Ausdruck, ohne Leiber, mehrftĂĽgelig, von
einer ergreifenden Wirkung, das GefĂĽhl von
der Heiligkeit des Ortes mächtig erregend.
An die mittleren sieben Felder schlieĂźen sich
zu beioen Seiten in dem groĂźen vorderen
Gurtbogen groĂźe Engelsgestalten an. die der
KĂĽnstler so angeordnet hat, daĂź die der
christlichen Vorstellung näher stehenden und
gleichsam vertrauteren, die Erzengel Gabriel,
Michael und Raphael mit den lebenden At<
tributen, so wie die Schutzengel, welche die
Kirche lehrt, letztere mit ermahnender, loh»
nender, wehrender, schĂĽtzender Stellung, an
beiden Seiten des Chores sich der Gemeinde
nähern. In der Ausführung dieser Cornpo»
sitionen hat S t e i n l e einen eminenten
Schönheitssinn bekundet. Reichthum der Er»
findung in Formen und Motiven, Präcision
und klarer Vortrag und ein tiefes frommes
GefĂĽhl, wie man es nur in Werken der
begabtesten und begnadetsten Männer der
christlichen Kunst antrifft, reihen diese Engel»
chöre dem Bedeutendsten an. was in dieser
Richtung vorhanden ist. Um in einer Höhe
von 80 FuĂź deutlich zu erscheinen, sind diese
Gestalten in mehr als doppelter Lebensgröße
(11 rheinische FuĂź) ausgefĂĽhrt und zwar
auf gepreßtem Goldgrund, während die Bo»
genräume von farbigen Bändern von Blau,
Gold und Roth begränzt werden, Farben,
welche in allen Verzierungen des hohen Cho«
res wiederkehren. Die Cartons zu diesen
Fresken befinden sich zum Theil noch im Be<
sitze des KĂĽnstlers selbst, zum Theil in der Gal.
lerie zu Karlsruhe. — 1854. 4) Wandbi l -
der imHausedesHerrn von Guai ta.
Nach Dichtungen von Clemens Bren.
tano: l) „Der weiße und der rothe Main
mit den anderen dem Rheine zuströmenden
Flüssen" (Rheinmärchen); — 2) „Ameleya
mit den Müller Radlauf" (Rheinmärchen);
— 2) „Ameleyas Landung zu Mainz" (Rhein.
Märchen);—5) ,Der Zug. die Schenke ver»
lassend" (Aus den „mehreren Wehmüllern");
— 5) ^)er vor dem Muttergottesbilde bei
Straßburg betende Schüler" (aus dem ,,fah» renden Schüler"): — «) „Appone. Biondetta
Meliore am Brunnen" (aus den Romanzen,
vom Rosenkranz). Diese sechs Bilder, colo.
rirte Cartons, schmĂĽckten im Hause des Herrn
von Gua i t a das sogenannte Clemens«
Zimmer, in dessen Wände sie eingelassen
wurden. Gegenwärtig befinden sie sich im
Besitze der Frau von Handl zu Almegg bei
Lambach. — 1857—1858. 3) FreSten in
der St . Aegydikirche zu MĂĽnster.
Hauptb i ld : „Die h. Liturgie", — als
Sockel: „Der Mannaregen". — I m Kreuz«
gewölbe des Chors: „Die vorbildlichen
Opfer". — An den Sei tenwänden:
„Die zwölf Apostel". — Auf dem Tri»
umphbogen: „Die vierzehn Nothhelfer
um das Lamm Gottes". — Auf den bei»
den Sei tenal tären: „Die h. Mutter
Gottes und der heilige Aegydius". — I m
Schif f der Kirche: „Die Geschichte deS
h'. Sacramentes". in welcher von Steinle
gemalt sind: „Thomas von Aauino", — „Die
h. Julia von Falconiere". — „Der h. Wen»
zel" und „Die Messe des h. Gregorius". —
Hinter dem Chor dieCapelle des
Kreuzweges: Vierzehn Stationsbilder; —
die Cartons siud sämmtlich von Ste in l e ent<
worfen und gezeichnet. Veit 's Schwieger»
söhn Nikolaus Settegast führte die Haupt»
wand aus. Motler und Welsch die Sei»
tenwände und den Triumphbogen, Steinle
selbst aber malte die beiden Seitenaltarbil«
der. „Die h. Mutter Gottes" und „Der
h. Aegydius". — 18S0 —1863. 6) D i e
Wandgemälde im Treppenhause
des städtischen Museums in Köln.
Zu Ende der FĂĽnfziger-Jahre begannen die
Unterhandlungen fĂĽr die Ausmalung des
Treppenhauses im Kölner Museum. Im
Jahre 1860 vollendete S te in le die ersten
Cartons und im Herbst 1863 war das groĂźe
Werk beendet. Auf vier Bildern war die
Kunstgeschichte der Stadt in der römischen
Periode, im Mittelalter und in der Re»
naisscmcezeit darzustellen. Unter jedem groĂźen
Bilde befinden sich vier kleinere Sockelbil»
der, die in freier Beziehung zu dem groĂźen,
dessen Sockel sie bilden, stehen. Bei dem
Reichthum an Gestalten und Scenen eineS
jeden dieser vier Bilder kann hier bei der
durch den Zweck dieses Wertes gebotenen
Beschränkung nur eine ganz kurze Skizze
entworfen werden. Das erste groĂźe B i ld
umfaĂźt den Zeitraum von Constant in,
dem ersten christlichen Kaiser, bis etwa ĂĽber
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon