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Steinringn 451 Steinringer
1840 die Philosophie, den Lehren de
G ü n t h e r'schen Schule sPand VI,
S. lO) folgend. Im Jahre 1840, in
der Vollkraft seines Lebens, wurde e
von seinen Ordensbrüdern zum Abte
gewählt, und entfaltete nun als solcher
wahrend der Dauer eines vollen Vier
teljahrhunderts und in einer Zeit, in
welcher das Alte stürzte, um aus den
Ruinen neues Leben ersteigen zu lassen,
eine segensreiche Wirksamkeit. Seine
langjährige lehramtliche Thätigkeit hattö
ihn die Wissenschaft liebgewinnen lassen
und ihn selbst zum consequenten Denker,
wovon er als Schriftsteller Proben gege-
ben. herangebildet. Somit betrachtete
er es nach Uebernahme der Abtswürde als
eine seiner ersten Aufgaben, auf dic Er«
füllung der seinem Stifte gestellten wissen»
schaftlichen Aufgaben sorgsamst Bedacht
zu haben. Hiermit entsendete der Abt,
von dem den geistlichen Kongregationen
eingeräumten Privilegium des söge»
nannten „Hausstudiums" weiter keinen
Gebrauch machend, sorgfältig ausge.
wählte Ordensbrüder zur streng wissen»
schaftlichen Ausbildung an die höheren
Lehranstalten nach Gratz und Wien, wo
sie sich für das Lehramt vorbereiten und
den vorgeschriebenen öffentlichen Prü«
fungen unterziehen sollten. Die Förde»
rung der Wissenschaft ließ er sick in
mehrfacher Weise angelegen sein. Die
Geschichte seines Stiftes in lateinischer
Spracke, nämlich die „NiLtori
sterii Oiä,. 3. Lorieäioti 2.6. 8.
tina/, von don Ordenscapirular
Trudpert N e u g a r t nach Quellen
in zwei Theilen bearbeitet, wurde auf
Stiftskosten zu Klagenfurt bei Leon
(1848 und 1834) gedruckt. Es wird
hier dieses Ümstandes ausführlich Er-
wähnung gelhan. weil in dem Werke selbst, das mit dem Abte Berthold Rott-
l e r (1826) abschließt. Steinr inge r's
auch nicht an einer Stelle Erwähnung
geschieht. Die nicht geringen archivali«
schen Schatze des Stiftes wurden auf
besondere Anordnung deS Prälaten den
Forschern zuganglich gemacht, und die
wissenschaftlichen Sammlungen des Stif»
teS ließ er in einer den Mitteln des
Stiftes und dem Bedürfnisse der Zeit
entsprechenden Weise vermehren. An den
Bemühungen des österreichischen Mu»
seums für Kunst und Industrie, das
eben damals ins Leben trat, wie auch
an dem Wirken des eben um diese Zeit
ins Leben gerufenen Altertbumsvereins.
nahm er werkthätigen Antheil, indem
er beiden selbst nicbt selten Mittheilun-
gen machte, dann aber auch zu den
von ersterem veranstalteten öffentlichen
Ausstellungen die werthvollsten Alter,
thümer des seiner Leitung anvertrauten
Stiftes bereitwillig herlieh. Ferner fand
unter ihm und auf seine Anordnung
die Ausschmückung deS CollegiumS in
Klagenfurt statt, wurde die Stiftskirche
n St. Paul in stylgemäßer Weise restau»
rirt und mit Gemälden wie mit Schnitz-
werken der besten einheimischen Künstler
bereichert. Aber nicht nur nach dieser
einen Seite, nach der höheren geistigen,
Kunst und Wissenschaft fördernden, war
der Abt erfolgreich thätig, auch seine
praktiscderseits gemachten Unternehmun«
gen waren vom Erfolge begleitet. Unter
'einer Leitung haben ficd die materiel«
!en Verhältnisse des Stiftes sichtlich ge.
hoben. Die landwirtschaftlichen Fort-
schritte der Neuzeit ins Alige fassend,
eredelte er die Rebencultur in den
Siiftsweingarten bei Marburg, hob er
ie Viehzucht im Lavantthale und wurde
u^m Segen der ganzen Umgebung der
este und glücklichste Ovst^ücbter des Lan-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon