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Steins berg 184 Zteinsberg
Bestimmtheit genannt Aegyd Chladek
(geb. 1743. gest. 29. Jänner 1806). ein
gelehrter Prämonftratenser des Stiftes
Strahow, damals Professor der Pasto
raltheologie an der Prager Hochschule.
Ferner galten der k. k. Bibliothekar Ra
phael Ungar und der berühmte Sla«
vift Joseph D o b r o w s k y Mand I I I ,
S. 334) als heimliche Mitarbeiter an
der „Predigtenkritik". Letzterer nahm
fich SteinSberg's auch an, als der
selbe in Folge der Herausgabe dieses
periodischen Pamphlets mit einer Fluth
von Entgegnungen und Schmähschriften
überschüttet ward. Der Curiufitat halber
führen wir in den Quellen S. 138 die Titel
der wichtigeren von den zahlreichen Flug
schriften an, welche in jener Zeit gegen
S t e i n s b e r g erschienen waren. An
läßlich dieseS eigenthümlichen und höchst
unerquicklichen Federkrieges schrieb D o>
browsky über Steinsberg: „Der
leicht bewaffnete Ritter wußte fich meist
so geschickt aus dem Gefechte herauszu
winden, daß man von allen Seiten auf
ihn zurannte, aber ihn nicht treffen
konnte. Das eitle Bemühen verdroß nun
Manche und sie traten in der Stille vom
Kampfplatze ab,' Ucbrigens muß auch
D o b r o w s k y eingestehen: „Nutzen
mag nun freilich diese ganz originelle
Unternehmung einen sehr geringen ge«
stiftet haben; denn wenn man bessern
will, muß man eine sanftere Spracde
führen." (Und doch führten die deut-
schen Schulmeister im Reich die Prügel»
strafe in den Sckulen wieder ein.) Unter
den Kämpfern, die mit offenem Visir
gegen S t e i n s b e r g aufgetreten wa-
ren, sind vor allen zu nennen: Johann
Chr. Pannick. der eine „Geißel der
unberufenen Geißler^unfi" herausgab,
dann Johann W e rn er, Mitglied des
KreuzherrenordenS und damals Dechant zu Karlsbad, und ^in gewisser Johann
Kraus . Der Kampf wurde schon in
ziemlich großer Erbitterung geführt, man
wog nicht mehr die Worte, von der
Satire ging man in den Ton des ge»
meinen Pamphlets über und wer weiß,
welchen Ausgang endlich der ganze
Scandal genommen hätte, wenn nicht
ein unvorhergesehener Zwischenfall ein«
getreten wäre. der den Hauptkämpfer
plötzlich vom Schauplatz abzutreten nö>
thigte, und dadurch eine Unterbrechung
im Erscheinen der „Predigtenkritik" ver<
anlaßte. Die Sache aber war diese.
Der Rakonitzer Kreishauptmann Phi-
lipp Graf Ko lowrat .KrakowSky
M . X I I , S. 334, Nr. 42) war am
16. März 1782 als landesfürstlicher
Commissär zur Aufhebung des Prämon»
straienstr« Nonnenklosters Doxan abge»
ordnet worden. Der Graf hatte im
Verein mit dem KreiScommissär Baron
Eber die Sache rasch und mit einer
Energie vollzogen, welche den Nonnen
und ihrem Probst, dem Landesprälaten
Ritter von W i n k e l b u r g , äußerst un-
bequem war. Gegen Grafen K o l o»
wra t wurde nun die Beschuldigung
amtlicher Ueberschreitung erhoben und in
Folge dessen eine strenge Untersuchung
eingeleitet. Der Kaurzimer Kreishaupt»
mann, der als Archäolog bekannte I .
iener Ritter von B iene nber g
d. I, S. 393), wurde mit Durchfüh«
rung dieser Untersuchung betraut. Der
Erfolg derselben war, daß gegen den
Grafen K o l o w r a t der Proceß ein-
geleitet und derselbe sofort seiner Kreis-
hauptmannsftelle enthoben wurde. B i e-
n e n b e r g's nichts weniger als unbe-
fangenes Boscbwerdenprotokoll (datirt
vom 17. April 1782) war in Steins-
berg's Hände gerathen, und so lernte
dieser die parteiisch geführten Verhand«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon