Seite - 155 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Stehlik-Stietka, Band 38
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Steinsberg Stemsberg
lungen unmittelbar aus der Quelle selbst
kennen und griff ungesäumt zur Feder,
um die Ehre des schwer gemaßregelten
Grafen Kolowrat zu schuhen. Er ver«
öffentlichtö eine Schrift unter dem Titel:
,Prllie55 des Kais. k'än. Oammissarin« Philipp
ucin Kllllllllrllt-NraKllVsKq, bei Gele-
genheit der Nllnnenankhlbnng zn Naxun. Nebst
Vertheidigung" ohne Angabe deS Druck-
ortes mit der Jahreszahl t782 und dem
Motto: „I^at Mstitia". Bald erfuhr
man. daß der Verleger dieser Schrift
der Nürnberger Buchhändler Lochner
sei, welcher während der hauvtjahr»
markte in Prag einen offenen 3aden
hielt und in Prag viele Kunden hatte.
Kaum war das erste Exemplar nach
Prag gekommen, als eS auch confiscirt
wurde; aber schon die Nachricht von
dem Vorhandensein der Schrift brachte
die ganze Prager Bevölkerung in Auf'
regung, insbesondere aber die beiden
Referenten des Processes, den Kreis»
hauptmann B i e n e r von Bienen»
berg und deffen Mithelfer Philipp
Grafen C la ry . Alleö versuchte, sich in
den Besitz eines Exemplares dieses Bu«
ches zu setzen, für daS man mehrere Du»
caten anbot und deffen Abschriften mit
hohen Summen bezahlt wurden. Als
dann gar Lochn er zum Jahrmarkt
wie gewöhnlich erschienen war, wurde er
sogleich verhaftet. Am folgenden Tage
bereits nannte er dem ihn inquirirenden
Untersuchungsrichter. Appellationsrath
Escherich, den Ritter von S t e i n s -
berg als Verfasser der Schrift, welche
Graf C l a r y verbrannt wissen wollte,
wogegen jedoch Franz Anton Graf N o
stiz IBandXX, S. 397) einwendete,
»des Grafen C l a r y Excellenz wolle
erwägen, daß. nachdem deren Name in
dieser Schrift so oft genannt worden,
der Henker auch deren Namen mit ver» brennen würde". So wurde denn Cla»
r y's Autodafö-Ploject fallen gelassen,
hingegen nach dcm Autor der Schrift,
nach G u o l f i n g e r von Ste ins«
berg , gefahndet. Dieter jedoch, recht-
zeitig gewarnt, hatte sich aufgemacht
und durch die Flucht über die Grenze
seinen Häschern und einer gottweiß
wie langen Untersuchungshaft entzogen.
3ochner, dem man nichts als die
Einschmuggelung etlicher Exemplare nach»
weifen koinlte. wurde nach wenigen Wo-
chen auf Befehl des KailerS entlassen,
hingegen nahm die Untersuchung gegen
S t e i n s b e r g ihren weiteren Ver-
lauf. Da richtete S t e i n s b e r g aus
dem Auslande eine Bittschrift unmittel»
bar an den Kaiser, in welcher er jede
böse Absicht bei der Drucklegung jenes
Processes läugnete und angab. sein
Zweck sei lediglich gewesen, die Ehre
eines Cavaliers zu retten, dessen Vor»
fahren sich um daS Vaterland unsterb-
lich verdient gemacht hätten. Ste ins«
b e r g's Bittschrift hatte ihre Wirkung
auch nicht verfehlt und in den Kolo>
wra t'schen Proceß selbst eine glückliche
Wendung gebracht. Denn der Kaiser
verlangte nun von Prag die Kolo»
wra t'schen Acten zur Einsicht und diese
wurden aucb am 3. December 1782 zur
Revision nach Wien eingesendet. Ehe
aber noch die ganze Angelegenheit ent-
schieden war, ließ S t e i n s b e r g eine
neue und vermehrte Auflage seiner cben
erwähnten Schrift über den K o l o<
w ra t'schen Proceß erscheinen. Diese,
heute ebenso selten wie die erste, führt
den Ti tel : ,Vollständiger Prure« und Ver-
theibignnff dez Graten Philipp nun Nalomrut-
Rrak l lN5kq, als ein Veqtrag zu den nach
mächtigen Prälutenkniffen in Oesterreich. Neblt
einem wahren dramatischen Scharmützel: Ni>
ük, Prälaten nnd Nonnen" (Amsterdam
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon