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StelHamer, Franz 180 ) Franz
blick war geholfen. Nachdem er die
Hälfte dieses Geldes der Mutter gege«
ben. mit welcher er jedoch nicht zum
zürnenden Vater heimkehren wollte,
nahm er Abschied von ihr, und schlug
seinen eigenen Weg ein, der ihn zunächst
nach dem Kloster ReicherSberg führte,
wo er neue Subscribenten gewann. Nun
begann ein kurzes Wanderleben, was den
deutschen Literaturhistoriker H. Ku rz
zu folgender Mittheilung über S te l z -
hamer veranlaßte: „Stelzhamer
durchzog die schönen Gaue seiner Hei-
mat mit der Zither unter dem Arm;
kehrte in jedem Dorfe ein. wo er seine
fröhlicken 3ieder sang." Stelzhamer'S
Biograph I . Gng l erklärt darüber:
.Es ist dieß eine Fabel. . . . Ste lz-
hamer war nie weder Musiker noch
Sänger, wenn auch immer ein warmer
Musik» und Gesangsfreund. das erklä«
ren wir auf das bestimmteste". Nun,
wenn auch S. schon damals als Rhap«
sode, wie es ja heute auch von Anderen
und mit Glück versucht wird. herum-
gezogen wäre. der Uebel größtes wäre
es nicht gewesen. Wie er aber nach
Wien gekommen, wo er in dem Buch»
handler Peter Nohrmann einen Ver«
leger seiner Gedichte gefunden, die dann
im Jahre 4837 erschienen sind, darüber
berichten sämmtliche Biographen nicht.
Indessen dauerte die Spannung mit dem
Vater fort. Als er aber eines Tages dem>
selben den Contractbrief der k. k. Hof-
buchhandlung, welcher den mit dem Ver<
leger, betreffs des Verlags seiner Ge«
dichte geschlossenen Vertrag enthielt, vor»
wies, hatte er den Vater, mit dem er
seit Jahren entzweit war, versöhnt, und
S. verlebte nun einige Zeit im Vater»
hause zu Piesenham. Um den Druck sei»
ner Gedichte zu überwachen, kehrte er
wieder nach Wien zurück. wo er sich mit schriftstellerischen Arbeiten befchäf.
tigte, viel im Dichterkreise des söge«
nannten „silbernen Kaffeehauses" in der
Plankengaffe. in welchem damals die
ganze geistige Aristokratie Wiens ver»
kehrte, zu sehen war und ab und zu
bald öffentlich, bald in Freundeskreisen
Vor t rage — nicht „Vorlesungen" —
hielt. I n seinem Ur-Oberösterreickthum
konnte er letzteres Wort nicht vertragen.
Wenn man sich vergaß und 'in seiner
Gegenwart von seinen „Vorlesungen"
sprach, da wurde er bitterböse und
rief: „Das g'hört fürs Federv... ich
aber kann mich auf meinen Kopf ve»
lassen." Auch hatte wahrend seines Wie»
ner Aufenthaltes sein Herz ein liebes
Madchen gefunden, das er spater als
Gattin heimführte. Wahrend seines da»
maligen Wiener Aufenthaltes waren
zwei Bandchen seiner volksnmndartigen
Lieder erschienen. Im September <842
ergriff er nun den Wanderstab und
machte kleine Reisen im Lande, auf
denen er wiederholt in Städten und auf
dem Lande in Oberösterreich. Salzburg
und Bayern Vortrage und trotz seines
Abscheues gegen das Wort, wie einer
seiner Biographen eS selbst zugibt,
doch auch wohl „Lesungen" hielt. Es
waren deren elf vom 3. October bis
28. December 1842: zwei im Theater
zu Linz. zwei in Wels, je eine zu Krems-
münster, Kirchdorf. Gmunden, Lambaco,
Ischl. Vocklabruck und Salzburg' im
Jahre l843 vom 7. Jänner bis 6. Mai
neun: in Salzburg. Kondsee, Brau-
nau, Mattighofen; fünf in München,
und zwar bei Herzog M a x . drei im
k. Odeon und eine bei den Künstlern in
Stubenvoll. Wo er las oder vortrug,
überall erntete er reichen Beifall und
auch klingende Erfolge. Aber was er
einnahm, ging bei seiner Weise, zu leben.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon