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StelHamer, Franz 183 Ste^hanrer, Franz
rathete er Anna Barbara (Betti)
Reyß (geb. zu Iachnitz in Böhmen, gest.
zu Salzburg am 16. März 4856), er hatte
sie 4842 in Wien kennen gelernt; das
einzige Kind aus dieser Ehe, eine Tochter
L in i , starb bereits im Alter von sieben
Jahren. Am 23. November 1868 schloß
S. seine zweite The mit der Lehrerin The
rese Böhm«Pammer. Alls dieser
Ehe stammen zwei Kinder, ein Knabe,
Zucian. und ein Mädchen, Rosalia.
Nach dem Ableben des Dichters beschloß
der oberösterreichischc Landtag: eä sei
der Witwe des Dichters Franz Stelz-
hamer, Theresia Stelzhamer,
eine jahrliche lebenslängliche Subvention
von 300 fl. und je W0 fi. als Erzie-
hungsbeiträge dessen Kindern 3 uc ian
und Nosa l i a bis zu deren 20. Jahre
aus dem Landesfonde auszubezahlen.
Bald anck trat ein Comito zusammen.
um die Grabstätte des Dichters durch
ein Denkmal zu schmücken. Vergleiche dar«
über wie über seine Bildnisse u. d. m. das
Nähere Seite 486 in den Quellen. WaS
Stelz harner den Dickter und Menschen
betrifft, so haben sich competente Stirn
men über ihn ausgesprochen und ebenso
seine Eigenart als Mensch wie als Poet
anerkannt. I n den Quellen folgen einige
Aussprüche der Kritik von Fachgen offen
über ihn. Wer Stelz hamer dem Men»
schen näher stand, konnte in ihm neben
dem großherzigen Poeten auch den warm»
herzigen Menschen achten und lieben
lernen und ließ sich von dem hoch.
gradigen Selbstbewußtsein des Schrift-
stellers nicht beirren. Hochgradig aber
war dasselbe. Nahm er doch keinen An»
stand, als daS Vorhaben, vor König
Ludwig I. von Bayern einen Vortrag
zu halten. auS einer geringfügigen Ur«
fache an des Dichters Eigensinn scheiterte.
in Gegenwart seiner Freunde den AuS- spruch zu thun: „Könige gibt es mehr,
Ste lz harn er nur Einen!" Indem er
sich in seinem Werthe nicht unterschätzen
ließ, war er auch rasch mit den Leuten
fertig, die sich gegen seine geistige Ueber«
legenheit auflehnen wollten; dabei war
seine oberösterreichische Naturwüchsigkeit
nie um einen Ausdruck verlegen und
in dieser Hinsicht erinnerte er an Moriz
Schw ind , den Maler, der auch nicht
lange nach Worten kralnte, wenn ihm
der Kamm geschwollen war. Ohne in
den alle Schranken überfluthenden Local-
Patriotismus, der dadurch leicht zum
Iocaloarorismus wird, einzustimmen,
muß man einräumen, daß er unter allen
Umstanden ein „Dichter von Gottes
Gnaden" war, und derlei Menschen sind
denn doch. man möge wollen oder nicht,
nickt nach dem Maßstabe der Werkeltags»
Philister zu messen. Seine Eigenthümlich
keiten und Schrullen ließen ihn für den
ersten Moment nicht immer liebenswür-
dig erscheinen, aber der echte, biedere,
warmmüthige Charakter, der immer und
überall bald hervortrat, ließ dergleichen
bald und gern vergessen. Der Verfasser
dieses Lexikons gedenkt noch immer der
ersten Begegnung mit dem Dichter, der
ihm souverän wie ein Fürst gegenüber»
trat, aber schon nach wenigen Augen-
blicken so gemüthlich wurde, als hatte
er sich mit ihm seit Jahren gekannt.
S t e l z h a m e r schadete wie anderen
bedeutenden Menschen immer nur das
Häuflein Bewunderer, das si.'b um ihn
schaarte, um die eigene Kleinheic im Lichte
des Dichters strahlen zu laffen. Der ewige
Weihrauch, der ihm von dieser Seite in
die Nase getrieben wurde, machte ihn für
Momente übermüthig. S t e l z h a m er,
der verschiedene Disciplinen durckge«
macht, ein paar Jahre Rechte. ein
paar Jahre Theologie stndirt hatte, ein
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon