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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Stehlik-Stietka, Band 38
Seite - 188 -
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Seite - 188 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Stehlik-Stietka, Band 38

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Ste^hamer, Franz 188 ) Franz unvergleichlichen Gedickte „'s Mahrl von Toad", welches mit der niederländerischen Schilderung vom Kranken und Landwund, orzt anhebt und. immer steigend mit einem Bilde des Weltgerichtes sckließt. wie es nur ein Cornel ius mal^n kann. Man sieht, seine Welt ist breiter geworden, als sie früher war- aber nur die innere, die äußere bleibt daS Innviertel, dem er in Räumlichkeit und Idiom bis zur Scrupulosität treu bleibt. Sein Stoff bleibt, wie früher, das volle, warme Leben in feiner nationalsten Charak» teristik. Oft auch wird sein eigenes Lied und Leben aufs rührendste zum Marmor, aus dem er bildet. Ueber Farbe und Sinn drang sich uns die Bemerkung auf: wie doch eine Gesinnung und Denkart, als ob sie's verab» redet hätten, alle wahrhaften Lyriker charak« lerijirt: Anakreon. Horaz. Hafis. Veranger. Robert Burns — überall dieselbe hinter leichtem Sckerz versteckte Lebensweisheit, dieselbe Lust an der Gegen» wart, derselbe schmerzliche Zug. der den Frobsinn des Augenblickes nur reizender macht, dieselbe Telbstironie! und diese Fa» milien« Physiognomie finden wir auch an unserem Stelzhamer wieder." — Hiero« nymus Lorm, nachdem er in Kürze des Dichters Lebensgang geschildert, schreibt: „Ueber Htelzhamer's Lieder als solche läßt sick nicht viel ästhetisirrn; sie sind eben. wie sie nach ihrem Ursprünge sein müssen- natui frisch, gemüthvoll, keck und gesund, manchmal etwas derb und grobkörnig. Ein gesunder, gerader Bauerlwcrstand und die Anschauung eines ungetrübten Blickes Herr» schen in allen vor. Nur manchmal, wenn der civilisirte und studirte Mensch Fr. Stelz» hamer mit Bedacht naiv ist, steht ihnen diese'Naivität wie aufgetragene Schminke und verstimmt auf Momente den unbefan» genen Leser Dock ist das nn Fehler, den man dem Dichter nur selten vorwerfen kann. während er seine Nachahmer, zumal die im Lande unter der Enns durchaänaia charak« terisirt. Weichlichkeit, die Gefühl, Assecta» tion. die Naivität und Natur sein soll, sind ibre vorzüglichen Merkmale. Freilich dat Stelzhamer vor seinen Wiener Nach- abmern den kernigen, männlichen Dialekt des Landes ob der Enns voraus." Dieser aber, nämlich der Vollsdialekt. verhält sich zu dem. der sich in unmittelbarer Nahe großer Städte, in idrer nächsten Umgebung bildet, wie der kräftige, von der Arbeit iin Felde und unter freiem Himmel getnäunte Iandmanne zum blassen abgelebten Sohne 5er Stadt." Schade, daß Stelzhamer seine ihm eigensten Ge» fühle und Gedanken nur in srinem Dialekte zu singen versteht, denn wo er sich in hoch' deutscher Mundart versucht, ijl er Fisch im Trockenen und macht den Eindruck eines kleinen, unfertigen Poetleins. Ohne diesen Mangel, der übrigens dem Volke zu Gute kommt, besäßen wir an St e lzd a m er einen Dichter, den man wohl manchmal mit Ro» bert Burns vergleichen könnte." — Adolph Menzel schreibt im „Literaturblatte": „Die längeren und sentimentaleren unter Stelz« hamer's Liedern erinnern mehr an Heb el's alemannische Gedichte, die kürzeren und lustigen mehr an die von Tschischka und Schotky herausgegebenen österreichischen Volkslieder. Mit billiger Bescheidenheit hat der Verfasser seine Productionen nur Lieoer in der Volks- mundart und nicht unmittelbar Volkslieder genannt. Es sind nämlich keine echten Volks, klänge; der Dichter ist nur ein als Land» mana verkleideter Städter und verräth sich als solcher überall. Es thut aber nicht wohl, in der vertraulichen, naiven, dem Herzen schmeichelnden Sprache das Unnatürliche, Assectirte und Gekünstelte hören zu müssen. In den echten Volksliedern, so derb sie oft sind, wird doch nie ein Naffmement vor» kommen. In den sentimentalen Liedern finden wir ebenfalls Empfindungen und Phrasen, die nur d?n gebildeten Ständen zukommen und dem eigentlichen Volke iremd sind, cin Fehler, den auä) Hebel nicht ganz vermieden hat. Zuweilen wird die Senti- mentalität, statt naiv zu sein, nur kindisch. Da, wo es dem Dichter nicht jückl, bäueri» scke Freuden und bäuerischen Schmerz aus« drücken zu wollen, wo er sich in einer ge« mäßigteren Zone der Empfindung hält und irgend ein einfaches Bild aus 2er Natur sinnreich auffaßt, fällt nuch jene Äffectation ganz weg und mehrere Lieder in dieser Art sind vortrefflich." — 'Adalbett S t i f te r schreibt über S t elzb am er: „Als mir die ersten Klänge der S t e lz h am er'scken Voe» sien zu Ohren kamen, drang solches Ent« zücken in mein Herz, wie es uns dann ist, wenn wir nach langen Jahren wieder die GloctVn unseres Heimatsthales hören, den Rauch aus den Essen des Vaterhauses auf» steigen sehen. Da ich meine ganze Jugend im Lande ob der EnnS verlebte, so muß dahingestellt bleiben, wie viel oder wenig
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Stehlik-Stietka, Band 38
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Stehlik-Stietka
Band
38
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1879
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
398
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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