Seite - 198 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Stehlik-Stietka, Band 38
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,Wer seid Ihr?", fragte in Lechische'
Sprache der nickt minder verwundert«
Missionär. „Ach'", erwiederte in öech
scher Sprache der Pseudo-Indianer, „ei
kennen Eie mich denn nicht, Herr Ste l -
zig? Ich bin Wenzel Przihoda au
Chrudim; ich war ihr Wichfier in Prag.
— Der Missionär, über diese Entdeckuni
nicht wenig erstaunt, fragte nun den
Wilden, „was er hier treibe". „Nun
entgegnete dieser genug naiv: „Was ich
hier treibe? Sie sehen es ja, geistliche
Herr, ich bin ein Indianer, ich bin eili
Wilder geworden und", fügte er in
einer Weile hinzu, „ich bin verheirathe
und habe schon zwei Kinder." — Der
Missionär reichtedaraufdem alten Stiefel»
putzer die Hand und bat und beschwor
ihn, allen seinen Einfluß aufzubieten um
dem entsetzlichen Morden und Kämpfer
Einhalt zu thun. Indessen waren auch
die Kämpfenden herangekommen und
von der vor ihnen sich abspielenden
Scene nicht wenig erstaunt stehen geblie»
ben, den fremden Lauten des Pseudo»
Indianers und des Missionärs horchend.
Als dann Stelz ig und der falsche
Indianer jeder zu seinen Kriegsgefahr»
ten wieder zurückkehrte. war es ihren
Vorstellungen auch wilklich gelungen,
den Kampf einzustellen. Nun wurden
die üblichen Fciedenszeichen gegenseitig
kundgegeben, die Häuptlinge traten
vor und es begannen die Unterhand«
lungen. Missionär Stelz ig wendete
alle Ueberredungskunft an, um eine
Verständigung zu erzielen, und wurde
darin von seinem ehemaligen Wicbsier
erfolgreich unterstützt. Die Roth häute
gaben den Vorstellungen Gehör, mach»
ten Frieden und ehe noch die Sonne
untergegangen war, saßen S t e l z i g
und sein ehemaliger Wichsier inmitten
des Kreises beider Indianerstämme. mit ihnen die Friedenspfeife rauchend. Nur
einige Jahre verblieb Ste lz ig in Ame-
rika, dann kehrte er nach Europa zurück
und nahm dann für längere Zeit seinen
Aufenthalt in Prag, wo der Abbö —denn
so wurde er allgemein genannt — seines
leutseligen Benehmens und seines milden
Wesens wegen bald allgemein gekannt
und beliebt war. Nach einiger Zeit ging
er als Caplan nach Klinghart, später
nach Wildstein bei Eger. Er war sehr
fleißig als geistlicher und Iugendschrift-
steller thätig, arbeitete viel für den in
Wien erscheinenden „Oesterreichischen
Volksfreund", dessen Redaction er in
der Folge ganz übernahm und deßhalb
auch nach Wien übersiedelte. Wir lassen
hier eine Uebersicht seiner schriftstelle-
rischen Thätigkeit folgen, deren Zusam-
menstellung um so schwieriger war. als
daS Kayser'sche „Bücher« Lexikon" im
Puncte der Stelzig'schen Schriften sehr
ückenhaft ist. Die Titel der von S t'e l'
zig herausgegebenen Werke sind: „Ner
llkentillld. Gin Md ans dem Veben, kür das
lebe Vülk in Nahmen gelasst" (Regensbura.
1853; dritte verbesserte Aufl. 1863, mit
Titelk.)' — „Riltlrr ullin Ueben nnd Sterben,
N^2 verschiedenen Sprachen" (Dritte Auflage,
Regensburg 1833); — „Ner Student, ein
Zeitgemälde" (dritte Aufl., RegenSburg
833. 8".),' — „Nie barmherzigen «Schme-
tern. Nach l>em Englischen" (zweite Aufl.,
Negensdurg 1833); — „Der Grenzbaner
nd der Nuhllutani in Amerika. Gin Nilt> ans
ein Neben der Anzmanderer tnr Solche, melche
daheim sind" (Regensburg l833;
weite verb. Aufl., ebd. 1867, Manz,
mit 1 Stahlst.. 8<>.); - „Das Aken dez
,eil. Petrus ulln Alcantara" (Regensburg
837)',— „Führungen znr Menschheit. Gr<
!bni35e ant dem N5ege der Relchrnng" (dritte
Aufl.. Regensburg 1837, s<>.) - -> ^ g
er Fremde in die Heimut. Inyendgeschichje
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon