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Stephanie, Christian Gotclob 217 Stephanie, Christim! Gottlob
gen zu leben, und so wollte er sich denn
ganz den schönen Wissenschaften widmen.
Doch sollte ihm dieß nicht so leicht ge-
macht werden, da ebenso seine. Vormün»
der, wie die zahlreiche Verwandtschaft,
darauf bestanden, daß er sich der Be-
stimmung seines VaterS gemäß auch jetzt
dem Handlungsgeschäfte widme. Aber
alle Vorstellungen prallten an seinem
festgefaßtm Entschlüsse ab, und selbst als
man ihm die Innrefsen seines valer«
' lichen Erbes entzog, beharrte er dabei,
und sann auf Mittel, sick der Tyrannei
seiner Angehörigen zu entziehen. So
gerieth er auf den Gedanken, zur Bühne
zu gehen, und trat im Jahre i?36 bei
der damals in Br<slau spielenden kön.
preuß. privilegirten Gesellschaft des Di°
rector S ch u ch ein. Doch auch jetzt noch
traten seine Verwandten dazwischen, und
bewirkten, daß ihm der Magistrat unter«
sagte, mit seinem wählen Familiennamen
die Bühne zu betreten. Dem half der
junge Schauspieler auch sofort ab, in-
dem er seinem Familiennamen S t e-
pH an die beiden Selbstlaute ie bin-
zufügte, und als Stephanie auftrat,
welchen Namen er nunmehr auch beibe»
hielt. Gleich sein erstes Auftreten in der
Rolle des Gusman in Vol ta i re 's
„Alzire" war ein glückverheißendes; er
gefiel und zu (5nde oeS Stückes trug er
einen Epilog in Versen vor. worin das
damals gegen den Schauspielerstand all»
gemein herrschende Vorurtheil bekämpft
und gezeigt wurde, wie Mitglieder die«
ses Standes, welche sich durch Talent
und Sittlichkeit auszeichnen, bei anderen
Nationen Achtung genießen. Mit glei-
chem Glücke trat er in seiner zweiten
Rolle als Wa i twe l in Less ing 's
„Miß Sara Sampson" auf und legte
durch das Geschick, mit welchem er. der
22jährige Jüngling, diese Rolle eines alten rreuen Dieners zur Geltung brachte,
einen endgiltigen Beweis für das Talent
zu dem selbstgewählten Berufe ab. Mit
der Schuch'schen Gesellschaft wanderte
nun Stephanie von Bühne zu Bühne,
und trat in Magdeburg, Potsdam. Ber-
lin, Stettin, Frankfurt a. d. Oder und
Küstrin auf; dabei war er vornehmlich
bedacbt, auch der Sch uch'scben Gesell,
schaft jenen besseren Ruf zu verschaffen,
dessen sich die Koch'sche, Ackermann'«
sche und Schönem ann'scke Gesellschaft,
deren Streben nach Veredlung und He»
bung der deutschen Bühne unverkennbar
war, allgemein erfreuten. Aber damit
ging es bei einem Unternehmer, wie eS
Schuch war. nicht so leicht. Schuch
^Bcmd XXXII, S. N6). so begabt er
sonst war und auch in regelrechten
Stücken seine Rollen mit Verständniß
spielte. zog doch die Harlekinsjacke
jedem anderen Costume vor und bevor»
z'^ gte die ^rtemporirle Komödie vor jl>
dem anderen regelrechten Stücke. Wenn
auch das Spiel eines Eckhof, Kirch.
Hof, Stephanie die Veredlung der
Bühne wirksam anbahnte und das Pu»
blicum für bühnengerechte Darstellungen
wacdsei'.de Theilnahme zeigte, Schuch
selbst, seinen eigenen Vortheil außer Acht
laffend, fand solche Stück«: abgeschmackt,
nannte sie trotz des entgegengesetzten Ur»
theils de5 siä> immer zahlreicher einfin«
denden Publicums „Jesuiten-Komödien
und Scbmarn" und hielt mit einer, einer
besseren Sache würdigen Ausdauer und
Zähigkeit an seinem Hanswurst und sei«
nen unfiathigen Possen fest, worin na»
türlich meist er die Hauptrolle spielte
und auch den Beifall deS theatralischen
Janhagel einheimste. So blieb es denn
auch nicht aus, daß er sich mit den
edleren Kräften seiner Truppe zuletzt
überwatf. und die Mitglieder Eck b of,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon