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Stephanie, Christian Gottlob 249 Stephanie, Christian Gottlob
ter in seinen Briefen über die Wiener
Schaubühne. An diesem Schritte S on
nenfels' hatte auch S t e p h a n i e
einigen Antheil, da er in vertrauterem
Verkehre mit demselben ihm die Ergeb
nisse seiner Erfahrungen auf der Bühne
mittheilte und dadurch wesentlich die
praktische Seite der So nnenfel s'schen
Reformen förderte, und überhaupt die
gründliche Behandlung eines Gegenftan»
des, über den man in Wien bisner nicht
weiter nachgedacht hatte, ermöglichte.
Die Folge dieser vereinten Bestrebungen
wor keine geringere, als daßPrehau»
ser sBand XXI I I , S. 246^ selbst für
ewige Zeit für das regelmäßige Lust»
spiel gewonnen wurde und Charakter»
rollen nicht ohne Geschmack spielie. Na»
ren bisher für die Woche ein Trauer,
spiel und ein regelmäßiges Lustspiel fest-
gesetzt gewesen, so wurden von 1768 an
wöchentlich nur mehr zweimal ertem»
porirte Stücke gegeben. So gestalteten
sich die Dinge für die Entwicklung der
Bühne in Wien in wirklich natur«
gemäßem Gange, ohne Ueberftürzung
und Gewaltmittel, immer günstiger. Im
Jahre 4769 übernahm Baron B end er
die Direction des deutschen Theaters,
und erklärte, er werde keine ertempo-
rirten Stücke mehr aufführen lassen. So
hatte diese abgeschmackte Richtung end«
lich den Todesstoß erhalten; freilich war
der kurz vorher erfolgte Tod Prehau«
ser's und Weißkern's, als der beiden
Hauptvertreter dieser Richtung, die nber«
dieß noch einen großen Anhang im Volke
besaßen, dazu mitbehilflich gewesen. Ste>!
phanie hatte nach neunjährigem uner«
müdlichen Ringen für das Bessere end«
lich sein Ziel erreicht. Im Jahre 4760
war er nach Wien gekommen, zu wel.
cher Zeit die ertemporirte Komödie noch
in voller Blüthe stand; im Jahre 1769 war von Seite der Direction die Erklä»
rung abgegeben worden, sie werde kein
ertemporirtes Stück mehr zur Auffüh«
rung bringen. Zur Verwirklichung dieses
für jene Zeit so machtigen Fortschrittes
halfen aber, oußer Stephanie's und
Sonnenfels'Bestrebungen, auch noch
andere Umstände mit, unter denen jener,
daß immer neue und edle Kräfte für die
Wiener Bühne gewonnen wurden, nicht
der geringste war. Denn schon im Jahre
1763 wc>r I . H. F. M ü l l e r l^and
XIX, S. 382, Nr. 40) an das Wiener -
Hoftheater gekommen, und nun folgten
Stephanie's jüngerer Bruder Gott .
l ieb ss. d. Folgenden, S. 222), Ma-
dame Ad amb erger sBand I , S. 3).
K u mm erSderg, Stei gent esch ss. d.
S. 13 d. Bds.). Teutscber und noch
mehrere andere tüchtige, des Ernstes ihrer
Aufgabe sich bewußte Darsteller, welche
Bender's Absichten auf das deste f'ör»
derten. Seit Ostern 1769 war das
extemporiere Stück von der Wiener
Bühne verschwunden. Nur einen Augen»
blick war diele Richtung noch bedroht,
als irn Herbst 1769 Af f l ig io , welcher
daS Burgtheater behalten hatte und in
demselben französische Stücke und ita«
lienische Opern gab. dem Baron B e n-
der das deutsche Schauspiel unter dem
Vorwande wieder abnahm, daß er ohne
das Nlltionaliheater die französische und
italienische Bühne nicht fortzuführen im
Stande sei. Dabei halte Af f l ig io den
Plan. den alten Hanswurst, für den
der Wiener Mob noch immer sä-warmte.
als Zugkraft wieder zu benutzen und in
seiner ganzen Herrlichkeit auferstehen zu
lassen. Schon suckle die Badner Truppe
unter Director Karl M e n n i n g e r,
welche Eilaubniß hatte, in einer Vorstadt
Wiens zu spielen, ertemporirte Stücke
im Theater am KänUhnerthor zu geben
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon