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Stephanie, Gottlieb 223 Stephanie, Gottlieb
Elisabethimim in Breslau und sollte eben
die Universität in Halle beziehen, um sich
dem Studium der Rechtswissenschaften zu
widmen, als er bald nach AuSbruch deS
siebenjährigen Krieges, 1737. da König
Friedrich Soldaten brauchte, in das
preußische Huszaren » Regiment Mala«
chowSki eintreten mußte. Das Jahr vor»
her war sein älterer Bruder Christian
Got t lob , durch Familienvechaltnisse
gezwungen, zum Theater gegangen. In
der Schlacht bei Landshut am 23. Juni
5769, in welcher Loudon daS preußische
Corps deS Generals Fouquä aufge«
rieben hatte, gerieth S. in österreichische
Gefangenschaft und wurde mit noch ande-
ren Kriegsgefangenen nach Villach trans»
portirt. Neun Monate später trat er in
daS kaiserliche Infanterie» Regiment
Botta als Cadet ein, ging mit demselben
nach Siebenbürgen, wu^de Feldwebel und
verrichtete dann Rechnungsführerdienste.
Nach geschlossenem Frieden erhielt er
seinen Abschied und kam nach Wien.
Durch Vermittlung einflußreicher Gönner
wurde er mit Lieutenants-Charakter nach
Augsburg auf Werbung geschickt. Nach
einem Jahre kehrte er zurück und da er
wahrend dieser Zeit vergeblich versuchte,
eine neue Anstellung zu erhalten, trat er
zufällig in einem Privattheater als C om«
thur in Diderot 's „Hausvater" auf.
Nun beredeten ihn seine Freunde, welche
in ihm ein schönes Schauspielertalent zu
entdecken vermeinten.zurBühnezu gehen,
und verschafften ihm einen Platz bei der
National. Schaubühne in Wien, welche
damals Baron Bend er dirigirte. So
betrat er denn am 1. April 1769 als
StorenfelS in „Graf Olsbach" zum
ersten Male öffentlich die Wiener Bühne.
Er spielte das Fach der komischen Allen.
Poltrons, wozu ihn sein rauhes, trotziges
Wesen vor Allem.befähigte, alte Bediente im Lustspiel und Tyrannen im Drama.
Als Schauspieler stand er im Anbeginne
ganz und gar nicht auf der Seite seines
alteren Bruders, der mit Nachdruck den
Hanswurst und die ertemvorirte Komödie
befehdete; ja. vielmehr trat er gegen
Sonnenfe ls , der ihm bei dem Ueber«
tritte in die theateralische Laufbahn behilf»
lich gewesen sein und auch sonst noch'sich
ihm liebreich erwiesen haben soll, mit
einer Sonnen fels schimpflich verletzen»
den Parodie, dem berüchtigten Stücke
„Der Gallier nach der Alllür", einem nichts'
würdigen Pasquill, auf. mit welchem
Stephanie sich selbst gerichtet und ein
bleibendes Brandmal aufgedrückt hatte.
^Hier sei eö gestattet, einen Druck«
fehler zu berichtigen, der sich im
XXXV. Bande, im Artikel Sonnen,
fels. S. 323. eingeschlichen hat Durch
deniclben wird Step hanie's Pasquill
auf Sonnenfels ,Der Taoler nach
der Mode" zum .Jodler nach der Mode"
verwandelt.)- I n der Folge scheint
wohl Gott l ieb von seiner Ansicht über
den Hanswurst abgekommen, zu sein,
denn er stand, als Kurz Bernardon
das Gedeihen einer besseren Richtung
auf der Bühne durch sei:ie zweideutigen
Spaße zu hindern suchte und den nicht
auf Hebung des Geschmacks, wohl aber
auf Füllung seines Sackes sorgsam be«
dachten Director Af f l ig io in sein In-
teresse zu ziehen verstanden halte, seinem
alteren Bruder hilfreich zur Seite. Die
nähere Darstellung des Conflictes und
der AuSgang desselben ist in der Biogra»
phie deS alteren Stephanie mitgetheilt
worden. Kls dramatischer Dichter war
Stephanie der Jüngere writ frucht-
barer als sein Bruder und hat eine ganz
ansehnliche Menge von Theaterstücken,
theils einzeln, theils in dramatischen Sam-
melwerseit erscheinen lassen. Die Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon