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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Stehlik-Stietka, Band 38
Seite - 243 -
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Stern, Max Emanuet 243 Stern, Max Emanuel demie der Wissenschaften hatte ihn ja selbst einen „Stern der hebräischen Wif. senschaft" genannt. Ja, wenn ich nicht irre, hat die Akademie der Wiffenschaf« ten auch eineS seiner Werke subventionirt. Als er 46 Jahre alt war, erschienen seine Dichtungen im Drucke und etwa zwei Decennien spater besorgte er die Heraus« gäbe einer Sammlung jugendlicher Erst» lingsversuche in der Poesie, die unter dem Titel , Dichtungsblüthen" erschien und gar sonderbare Dinge enthalt; so z. B. kamen darin Gedichte vor mit der Aufschrift: „Auf die Madchen in der Pro- menade" (sie) u. dgl. m. Die oben erwähnte erste Ausgabe feiner Dichtun« gen aus dem Jahre 1827. wovon der alteGräffer jahrelang ein Exemplar als Curiosum und Unicum aufbewahrte, enthielt ein emphatisches Gedicht an Saph i r als Einleitung und an diesen übertriefenden Lobsalm war folgende Note angehängt: „Ich habe Herrn Sa- phi r vor einem Jahre ein Buch geliehen, ich habe ihn wiederholt um Rückstellung desselben gebeten und wiederhole hier meine Bitte." Durch daS Wohlwollen d'eS Grafen Moriz Dietrichstein, damals Oberstkammerer Seiner Maje» stäi, ward ihm die Auszeichnung zu Theil, seine Werke Seiner Majestät dem Kaiser vorlegen zu dürfen. Dafür wurde ihm mit Schreiben des Oberstkammerer» amtes ääo. 27. März 4846 bekannt gegeben, daß Seine Majestät ihm als Beweis ah. Wohlwollens die goldene Medaille (Iitteri8 6t artibus) zu verleihen geruht haben. Da war es nun komisch zu sehen, wie S t e r n , da er streng» orthodox war, sich darüber den Kopf zer> brach, auf welche Weise er. ohne mit seinem Iudenthume in Conflict zu gera- chcn. diese Auszeichnung anlegen solle. waS im Grunde nicht vonnöthen war, da man ja diese Medaille nie äußerlich wie ein anderes Ordenszeichen tragen kann. Nach Anderen wäre in ihm dieser Ge» dankenzwiespalt auS geb rochen, als ihm für seine literarischen Verdienste das Ver. dienftkreuz mit der Krone verliehen wor< den sein soll. Dem Verfasser dieses 3exi. kons ist jedoch von einer solchen Verlei» hung nichts bekannt und pflegt für lite- rarische Verdienste nie das Verdienstkreuz, fondern der Franz Joseph.Orden ver« liehen zu werden. Als er für die ihm' gewordene Auszeichnung dem Kaiser seinen Dank aussprach, that er es mit den Worten: «Eure Majestät haben nicht mich, sondern die hebräische Literatur ausgezeichnet!" (authentisch). Er suchte sein ganzes Leben hindurch nach einem Stoffe für eine Tragödie im großen Style und hatte auch selbst in früherer Zeit schon ein großes biblisch.dramatifchcs Gedicht, „Kömg Lauls Glück und Ende", geschrieben, daS unbeachtet geblieben und ihn selbst nickt befriedigt hatte, da er nach Packenderem, Gewaltigerem suchte. Mit dem Schmerze, einen solchen nicht gefun« den zu haben, starb er im Alter von 62 Jahren und ließ sich auf sein Grab auf dem Währinger Friedhofe nachfol- gende Grabschrift setzen: „Hier ruhet Der rühmlichst bekannte Dichter j Max Emanuel Stern,! Redacteur deS „Tooli>v^ ^obak«, geb. 1811, gest. 9., beerdigt 11. Februar 1873. Seine ganze 3ebenS« zeit j Weihte erder Wissenschaft, j Reich- lich hat er ausgestreut j Früchte seiner Geisteskraft, j Ihn umgab der Dichter- kränz s Und der höhere Menschenglanz (8io) Friede seiner Asche!" Alles in Allem war S tern ein Original, wie es nur die Uebergangsperiode des orthodoxen in das Reformjudenthum zu erzeugen vermag. Von Herzen ein seelenguter, trefflicher Mensch, ward er nur lächerlich in seinem 16*
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Stehlik-Stietka, Band 38
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Stehlik-Stietka
Band
38
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1879
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
398
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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