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Sternberg) Caspar 234 Sternberg, Caspar
Unterthanen klar, daß da ihres Blei«
bens nicht lange mehr sein werde, und
>n der That erschien im Frühling 1782
das kaiserliche Edict. wodurch dem deut-
fchen Collegium, die im Mailändifchen
gelegenen Güter entzogen und die öfter»
reichischen Theologen abberufen und zur
Fortsetzung ihrer Studien in Pavia an-
gewiesen wurden. Sternberg hatte
nur noch ein Jahr zu studiren. ging
aber nicht nack Pavia, sondern ver«
schaffte sich nach abgelegter Disputation
ein Attest als i^eoloFUs absolutus und
reiste nach Neapel, wo er im reichsten
Genusse der südlichen Natur und ihrer
classischen Reize einige Zeit verlebte. Von
dort kehrte er nach Rom zurück und
machte daselbst die Bekanntschaft sehr
vieler Künstler und Kunstfreunde, unter
anderm auch der berühmten Angelica
Kaufmann sBd. X I , S. 44^. Ende
December 1782 erhielt er einen Brief
aus Negensburg, worin ihm angezeigt
wurde, daß am dortigen Capitel eine
Domherrnstelle erledigt sei, er also schleu»
mg dahin kommen möge. Trotzdem er
nun Rom sehr ungern verließ, folgte er
doch diesem Rufe, fand aber. in Regens»
bürg angelangt, sehr wenig Aussicht, die
vacante Domherrnstelle zu erhalten, da
er daS 24. Lebensjahr nock nicht erreicht
hatte und zueist die sogenannte rigorose
Residenz von neun Monaten abthun
mußte. Natürlich blieb ihm nun nichts
anderes übrig, als sich zu fügen und
diese rigorose Residenz anzutreten. Nun
beginnt die ungleich wichtigere Epoche
seines Lebens, daS bisher nur zwischen
Smdien und Genuß getheilt gewesen,
nunmehr aber einen bestimmenden poli»
tischen Anstrich gewann. Die alte freie!
deutsche Reichsstadt RegenSburg, war!
damals der Tummelplatz scharfer politi- I
scher Intriguen. da doit der Reichstag ! mit seinen steifen Formen aus dem west«
phälischen Frieden seinen Sitz hatte, und
der Antagonismus zwischen Oesterreich
und Preußen und ihren beiden Parteien,
dem Oorous oatboliooruw. et svanAsli»
oonim, schon damals in vollster Blüthe
stand. Sternberg bewahrte als Do«
micellar eine utraquistische Stellung und
besuchte vornehmlich das HauS des böh«
mischen Gesandten Grafen T r a u t t-
mansdorf f , so wie jenes des säch«
fischen Grafen H o h e n t b a l, welcbe
damals die Sammelpuncte der ange«
nehmsten Gesellschaft waren. Seine freien
Stunden benutzte er zu eifrigen Studien
über Kunst, Alterthum und Naturwiffen»
schaft. wobei ihm die Bekanntschaft mit
dem hochgebildeten Baron Gleichen
trefflich zu statten kam. AuS Neugierde
trat er auch der Regensburger Freimau»
rerloge bei, ohne jedoch sonderlich viel
von ihr zu halten. Im October 1783
kehrte er zu seinen Eltern zurück, las
dort Voltaire's Theater. Montes-
quieu und die älteren französischen
Klassiker und machte im Carneval 4784
einen Abstecher nach Prag, später auck
nach Wien und Ungarn. Von dort kehrte
er. nacbdem ihm Minister C o b e n z l
die diplomatische Carriere, resp.'ctive das
Prakticiren bei der böhmischen Gesandt«
scvaft widerratken hatte, zu seinen El-
tern zurück, vertrieb sich die Zeit mit
Waldcultur und Botanik. und kehrte
endlich nach nun vollendetem 24. Lebens»
jähre nach Regensburg zurück, wo er
daS Subdiaconat nahm und in das Ka-
pitel, eingeführt wurde. Von einer spater
nach Böhmen gemachten Reise zurück»
gekehrt. trat er zu Anfang 4786 als
unbesoldeter Hof« und Kammerrath in
die Dienste deö Bischofs von Regens«
bürg und übernahm das Referat in
Forftsachen. Inzwischen ereignete sich
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon