Seite - 256 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Stehlik-Stietka, Band 38
Bild der Seite - 256 -
Text der Seite - 256 -
Sternberg) Caspar 266 Sternber^ Caspar
ständiger Arzt bewältigten das Uebel, so
daß ich nach sechs Wochen im Stande
war, Münzen zu besuchen". Im Iuhre
t790 starb der Biscrof von Freising und
die Wahl seines NackfolgerS erfolgte in
Form einer reinen Komödie, da der
protegirte Candidat noch vor der eigent<
lichen Wahl vom Bisthume Besitz er>
griff. Nack dem kurz darauf erfolgten
Tode deS Kaisers Joseph, wurde der>
selbe Bischof auch noch zum kaiserlichen
Wahlgesandton erwählt. S t e r n b e r g
war wahrend dieser Zeit zur Stärkung
seiner Gesundheit nach Karlsbad gegan»
gen. doch hier traf ihn die Hiobspost
von der lebensgefährlichen Elkrankung
seiner Mutter. Er eilte an ihr Kranken»
lager, fand sie aber schon dem Tode
nahe. Am zweiten Tage entschlief sie in
seinen und deS trostlosen Vaters Armen.
Der nun folgende Zeitpunct war ein
sehr unruhiger. ,Die böhmischen Stände
waren in einem ziemlich lauten Landtag
versammelt. Kaiser Leopold, der bei
dem Antritt der Regierung der Erblande
vor allem diese zu beschwichtigen sucht,.',
hatte die letzten Verordnungen Kaiser
J o s e p h s zurückgenommen". Bald
darauf fand die Kaiserkrönung in Frank«
fürt statt, welcher S t ern b e r g bei-
wohnte. Als er spater nack Wien kam.
um die Reichslehen zu empfangen, wurde
er vom Kaiser L e o p o l d kühl aufge«
nommen > weil ihn letzterer in Folge
einer Namensverweckslung für einen
Illuminaten hiell, doch klärte sich das
Mißverstandniß bald auf, und Stern-
berg reiste noch im selben Jahre nach
Prag zur böhmischen Krönung. .Hier
hatte der Druck«, schreibt er, „welchen
Kaiser Joseph dieStände hatte empfin»
den lassen, einen Nationalismus geweckt,
der lange geschlummert hatte. Kaiser
Joseph, der alles centrolisiren wollte, suchte auch die öechische Zunge zu unter»
drücken; dieses Palladium der Natio«
nalität laßt sich aber kein Volk rauben.
Unverabredet hörte man in den Vor«
sälen bei Hofe alle, die der Mutter«
spräche mächtig waren. böhmisch spre«
chen". Kaiser L e o p o l d starb am
l. März; sein schneller Tod war auf-
fallend; eS erfolgten Verhaftungen meh>
rerer Verdächtiger in Wien. Kaiser
Franz trat in die Regierung der Erb«
lande ein. und Ende April erklärten die
Franzosen dem Könige von Ungarn und
Böhmen den Krieg. Von da an begimu
die lange Kette der kriegerischen Be»
gebenheiten, welche so verhängnisvoll
für die Geschicke Deutschlands, ja ganz
TuropaS werden sollten. Sternberg
verfolgt dieselben in seinen Mcnroiien
mit großer Aufmerksamkeit, verliert aber
dabei den Sinn für Wissenschaft und
Kunst nie auS dem Auge. Indessen nah-
men die Ereignisse im Westen, einen im«
mer drohenderen Verlauf. Die Durch,
märsche mehrten sich in Regensburg mit
jedem Tage. Millionenweise wurden die
österreichischen Kronenthaler, die noch
allgemeiner in Deutschland circulirten,
den Armeen zugeführt, die am linken
Rheinufer standen. Ehe aber etwas Ent>
scheidendes voigenommen wurde, hatten
die Greuel in Paris ihren Gipfelpunet
erreicht. König Ludwigs XVI. Haupt
war unter der Guillotine gefallen. Die
Nachricht über diese Unthat wurde, wie
der Graf in seiner Selbstbiographie be-
richtet, in einer Gesellschaft bei Graf
hohenth al verbreitet. Alle Anwesen«
den waren darüber empört, nur der Bi»
'chof von Bristol rief mit einem Anschein
von Befriedigung aus: „Voilg. 1a xrs-
kois HU6 les I'ranya.iZ ont 6tä
". Die Entrüstung der Um-
stehenden über diesen Cynismus war
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Band 38
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Stehlik-Stietka
- Band
- 38
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1879
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon