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Male fertig da in Gestalt der Kirche der
beiden Slaven-Apostel Cyrill und Me>
thod im Karolinenthale bei Prag. Ein
anderes Mittel zur Förderung seines
Gedankens war auch der von ihm im
Jahre 1830 herausgegebene katholische
Kalender „?outnik 2 ? lÄ^" , d. i. Der
Wanderer aus Prag. der ihm so recht
Gelegenheit bot. seine nationalen Ideen
dem Volke mundgerecht vorzutragen und
bis in die untersten Schichten desselben
wirken zu laffen. Sonderbarer Weise
erreichte der Kalender nur drei Jahr«
gange. Als dann 1836 die tausend-
jährige Feier zu Ehren der Slaven«Apo-
siel Cyrill und Method angeregt wurde,
gründete er zum Gedächtniß dieser beiden
Heiligen eine Erbstiftung (äsäiotvo
o^rilo inotkoäbHLk.^) und eröffnete die
von derselben herauszugebenden Schrif»
ten mit einer Biographie der genannten
Heidenbekehrer. Im Jahre 1839 reiste
er nach Warschau, mit keinem geringeren
Plane, als eine engere Verbindung der
öechen und Polen anzubahnen. Nocb
entschiedener aber trat er in seinen Be-
strebungen auf, als mit dem Umschwünge
der politischen Verhältnisse im Jahre
1861 sich auch in Böhmen das poliliscbe
Leben reger zu entfalten begann. Nun
gab er die politische Zeitung „ko2or"
heraus und brachte es durch seine oppo-
fitionelle Haltung unter dem Ministerium
Schmerl ing bald dahin, daß er wegen
des Verbrechens der Störung der öffent»
lichen Ruhe zu einjährigem Kerker, zum
Verfall der Caution im Betrage von
10W st. ö. W., zur Entfernung von der
Redaction der genannten Zeitung und
zum Ersatze der Kosten deS Strafoer«
fahrenS vecurtheilt wurde. Die Haft.
welche auf zwei Monate Arrest ermäßigt
wurde, überstand s t u l c im Frühling
1863 bei St. Georg auf dem Pra- ger Schlosse. Ein nicht unwesentliches
bleibendes Verdienst, welches sich der
Domherr nebenher erwarb, war die
Gründung einer höheren Mädchenschule
in Prag. Von ihm nämlich stammt der
Gedanke; er legte denselben dem Bürger»
meister Pst roß s'öd. XXIV, S. 37)
ans Herz, und dieser brachte ihn auch.
von 8t ul>c im Wesentlichen dabei geför-
dert. zur Ausführung. Indessen setzte der
Domherr seine schriftstellerische Thätig«
keit ununterbrochen fort: er war in dieser
Zeit einer der fleißigsten Mitarbeiter der
öechischen „Zeitschrift für die katholische
Geistlichkeit" (öaLOpiZ katolio^ko äu-
okovOQstva.); veröffentlichte gegen Re»
nan's „Leben Jesu" eine polemische
Schrift, betitelt: „Ksnan, a praväa")
d. i. Renan und die Wahrheit, in wel»
cher er den französischen Juden mit Ent-
schiedenheit bekämpfte; vollendete die —
ungedruckt gebliebene — Uebersetzung des
herrlichen WerkeS „Oraä^na," von Mic«
kiew icz; hielt im wissenschaftlichen Ver»
eine „UrQOlsokg. I)65sä9." öfter Vorträge
über Iungmann. Pr 0 chazka, Mic«
kiewicz u. A. und ließ in der kritischen
Beilage der politischen Zeitschrift „Aa-
roäni list" Probestücke der polnischen
Literatur in oechischer Bearbeitung er»
scheinen. Seine umfassende und vielseitige
Thätigkeit auf schriftstellerischem Gebiete
wird erst auS der umstehenden Ueber»
sicht seiner Schriften in ihrem ganzen
Umfange ersichtlich. Aber nicht blos
eigene Werke gab er herauS; er ist auch
Anderen bei Veröffentlichung ihrer Werke
behilflich und mit seinen ganzen Kräften
thätig, wo eS die Förderung der natio«
nalen Idee gilt. Unter den älteren
Schriftstellern der öechischen Nation, denn
er zählt gegenwartig bereits 65 Jahre,
ist er noch immer einer der rührigsten,
der seine bestimmten Ziele im Auge be
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Streeruwitz-Suszncki, Band 40
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Streeruwitz-Suszncki
- Band
- 40
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 394
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon