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Stulli. Gioachino 491 Stulli, Gioachino
Stllllj. Gioachino (Lexikograph
und Franziskaner, geb. zu R a>
gusa im I . 1729. nach Miklosich
11. April 1730, n. A. erst 1734, gest.
ebenda 12. April 1817). Ein Bru
der des Arztes Luca Stu l l i s^iehe den
Folgenden^. Frühzeitig in den Franz's
kanerorden eintretend, widmete er sich
neben seinem klösterlichen Berufe vor>
nehmlich dem Studium seiner Mutter-
spräche, der illyrischen, dessen Zweck die
Schaffung eines Werkes war, welches
ihn in die Reihe der vortrefflichsten Leri
kographen stellt. Zur Ausführung deS
selben scheute er keine Mühe und keine
Kosten. Er übersiedelte 1782 von Ra
gusa zum bleibenden Aufenthalt nach
Wien, wo er vom Kaiser Joseph I I .
zur Vollendung seiner Arbeit eine
Iahrespension erlangte. Auch machte er
behufs seiner sprachlichen Forschungen
Reisen in Ungarn, Böhmen und
Preußen. Ehe der Druck deS WerkeS auf
Staatskosten begann, berief der Monarch
eine besondere Commission, welche die
Rechtschreibung prüfen sollte. Diese
Commission, bestehend auS dem zum
Vorsitzenden ernannten Erzbifchof Man-
dic. aus den Gelehrten Lanosoviä
und Kermpot io und dem Verfasser,
war mit der Orthographie deS Letzteren
nicht einverstanden, und dieser mußte nun
sein Werk völlig umarbeiten, um dem»
selben die damals in Slavonien übliche
Orthographie zu Grunde zu legen. Nach
dem Tode des Kaisers Joseph I I .
unterstützten dessen Nachfolger Leo-
pold I I . und Franz I I . den gelehrten
Mönch in seiner Arbeit auf liberalste
Weise, so daß er sich uneingeschränkt dem
begonnenen Unternehmen widmen konnte.
Das Werk erschien in drei zweiban«
digen Abtheilungen. Die erste führt
den Titel; aa F?-ovs7-öia«. 2 Theile (Ofen 1801,
4o. ^—^s 800 Seiten, I.—2 810 Sei-
ten); die zweite, illyrisch.italienisch'latei.
nische Abtheilung hat den Titel: „H/soo-
6?ov/s«, 2 Theile (Ragusa 1806, 4".
^.—0, XXXII und 727 S., und I>—2
674 S.) und die dritte: « ^oeabo^T-lo
Ha^ e'ano «'^ ?-lao ?ai/no", 2 Theile (Na«
gusa 1810. H.— s^. XI . und 838 Seiten,
I,—2 862 Seiten). Die erste Abtheilung
seines Lexikons — die eigentliche Haupt-
arbeit, worauf S t u l l i nahezu ein
halbes Jahrhundert verwendete — hat er
dem Kaiser Franz I. gewidmet. I n der
Widmung dankt er für die Gasifreund-
schaft, welche ihm vom Jahre 1782 ab in
Oesterreich geworden, gedenkt der kaiser-
lichen Theilnahme für die illyrische 3ite-
ratur und der Liebe des Monarchen für
den ungarisch.slavischen, den dalmatischen
und überhaupt für jeden Zweig deS
illyrischen Volksstammes. Die der zweiten
Abtheilung vorangeschickte Vorrede Ap«
pendinis erläutert die Vorzüge und
daS Alter der illyrischen Sprache. Die Her.
auSgabe der dritten Abtheilung, welche
dem von Napoleon zum Herzog von
Ragusa ernannten Macschall Marm 0 nt
gewidmet ist, wurde nur dadurch er»
möglicht, daß S tu l l i diesen französi-
schen Gewalthaber in Dalmatien für sein
Werk zu interessiren verstanden hatte.
Dem ersten und zweiten Theile ist ein
Verzeichniß der lateinischen und illyri«
schen Autoren angehängt, welche der
Verfasser zu seinem Werke benüht hat.
Ueberdies schöpfte er Einiges aus dem
Ruthenischen, hat aber manches Wort
unrichtig gelesen oder falsch nach«
geschrieben; auch kommt eS hie und da
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Streeruwitz-Suszncki, Band 40
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Streeruwitz-Suszncki
- Band
- 40
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 394
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon