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t) Karl (Schriftsteller) 212 Stur, Karl (Maler)
und verstand es, die slovakische Jugend
für denselben zu begeistern. Unter seinen
Schülern befanden sich damals Schulet
und Ho lub , welche spater in der unga«
rischen Revolution ihren Patriotismus
mit dem Leben bezahlten. I n der Folge
Mitglied der von dem Grafen Zay zur
Regelung der ungarischen Schulen einbe«
rufenen Versammlung, widersetzte er sich
gemeinschaftlich mitLichard ^Bd. XV,
S. 68 j^ den Magyarisirungs - Gelüsten
dieses Grafen. Als im October 1846
der Pfarrer D o lezal von Modern mit
Tod abging, kam er an dessen Stelle und
verblieb in derselben bis zu seinem Ab.
leben. Er wirkte daselbst auf der Kanzel
und in der Schule als würdiger Priester,
als Freund und Rathgeber seiner Ge>
meinde und in politischen Dingen als
Patriot. Im bewegten Jahre 1848 hatte
er für sein treues Beharren bei der Sache
des Kaisers, bei seinem entschiedenen
Widerstände gegen die magyarischen An»
maßungen, wobei er alle Bemühungen
der Aufrührer, die Slovaken zum Auf-
stände gegen die österreichische Regierung
zu verführen, vereitelte, von den Ma»
gyaren alle nur denkbaren Unbilden zu
erdulden und obgleich mit dem Tode
bedroht, hielt ihn doch nichts ab, treu
für die gerechte Sache seines Kaisers ein«
zustehen. Nach Bewältigung der ungari»
schen Revolution begab er sich mit 3i»
chard, Haj ik und anderen Karteige,
nofsen nach Olmütz, wo der kaiserliche
Hofstaat sich befand, und förderte dort
die Interessen seines Volksstammes. Nach
Modern zurückgekehrt, wirkte er als von
der Regierung ernannter Vertrauens«
mann der slovakischen Nation bei dem
dortigen Stadtrath und vertrat mit Ent»
schiedenheit die Interessen derselben auf
wiederholten Sendungen nach Preßburg,
zu denen die Bewohner von Modern ihn erwählt hatten. I n späteren Jahren
widmete er sich neben seinem priesterlichen
Berufe der Erziehung seiner Kinder,
welche ihm seine Gattin Rosa. Tochter
des Stadtrichters Johann Emres,
geschenkt hatte. Außer den bereits obcn
erwähnten schriftstellerischen Arbeiten ver-
faßte er noch mehrere, welche in Heimat»
lichen Journalen, im „Hausschatz" (vo>
lnovi p0ki2.änios), in der „Slovakischen
Zeitung" (slovsnsk^ naioäno novin?)
und im „Adler von Tatra" (0io1 tg.-
tianZk^) u. a. erschienen. Anfänglich
schrieb er in oechischer Sprache, später
aber nahm er die Schreibweise an. welche
sein Bruder Ludwig und der berühmte
Slovake I . M. Hurban Md. IX,
S. 436) vereinbart hatten.
l». ütsratüru. Ksäaktoi' kl. «s. NurbHu,
d. i. Slavische Schätze für Wissenschaft,
Literatur u. s. w. (Skalic. 4«.) 183 l. S. IN :
«. Von M. I. Hurdan.
Stur. Karl Edler von (Maler , geb.
zu Wol fsberg in Kämthon 10. Fe«
bruar 1840). Sein Vater Kar l Edler
von Stur , ein geborener Ungar, aus
Pesth, aber von einer schwedischen Fa«
milie stammend, welche zur Zeit des
dreißigjährigen KciegeS nach Ungarn ein«
wanderte, bekleidete in Wolfsberg das
Amt eines Bezirksphysikus. Die Mutter,
eine geborene Wienerin, war aus einer
guten, wohlhabenden Bürgerfamilie.
Ka r l , das einzige Kind dieser Ehe,
erhielt die erste Erziehung im Eltern«
hause; wenn er als der Einzige begreif«
licher Weise sehr verzärtelt wurde, ist eS
um so sonderbarer, daß sein ausgesproche»
nes Talent zum Zeichnen, welches sich
durch Ausgeburten seiner zügellosen Phan«
tafie auf Schreibheften und Lehrbüchern,
besonders durch Caricaturen auf seine
Lehrer, deutlich genug aussprach, ohne
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Streeruwitz-Suszncki, Band 40
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Streeruwitz-Suszncki
- Band
- 40
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 394
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon