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Stur, Karl (Maler) 216 Stur, Karl (Maler)
nen, als Frau heim, und lebte nun
ganz seiner Kunst, welche er gegenwärtig
auch von einem höheren Standpunkte zu
üben beginnt. Im Jahre 1872 verließ er
den „Kikeriki" und übernahm die Illustra«
tionen des Witzblattes „Die Bombe",
welches zu. jener Zeit dem »Floh" Con«
currenz zu machen begann. I n diesem
Verhältnisse blieb er bis zum Herbst 1873,
wo er zum „F loh" übertrat, bei welchem
er dritthalb Jahre arbeitete, bis er 1876
von dem neu ins Leben gerufenen illu-
striiten Volksblatte „Wiener Luft" ge-
Wonnen wurde, für welches er noch heute
den illustrativen Theil besorgt. Aber, wie
oben bemerkt, auch höhere Aufgaben
stellte sich S tu r ; er versuchte sich zu-
nächst im historischen Künstler-Porträt.
Sein erstes Product in dieser Richtung
war ein lebensgroßes aus der Erinnerung
gemaltes Brustbild: „Ernesto Rossi als
Ludwig XI." . welches den berühmten
Mmen. trotzdem derselbe dem Maler
nicht dazu gesessen, mit großer Wahr-
heit darstellt. Längere Zeit war es in
der Wiener Kunsthandlung Neumann
zu sehen und fand allgemeinen Beifall.
Der Maler, der durch die Meisterschaft,
mit welcher Rossi Ludwig XI. zur
Darstellung brachte, zu seinem Bilde
angeregt wurde, schenkte dasselbe dem
dramatischen Künstler. Der freundschaft.
liche Verkehr, der sich nunmehr zwischen
Maler und Schauspieler entspann, rief
eine kleine Folge von lebensgroßen Kunst«
lerbildnissen hervor, wclche alle einen
und denselben Mimen, nur immer in
anderen Rollen darstellen, und zwar
Rossi als „Hamlet". „Othello", Mac-
beth" und „Lear". Welche nicht gewöhn«
liche künstlerische Begabung S tu r be«
sitzt, läßt sich aus seinen Bildnissen und
Chargen im „Floh" und in der „Bombe"
erkennen. Die Manier , welche er in seinen Witz» und Spottbildern im „Kike-
riki" und in „Wiener Luft" festhält,
möchten wir lediglich als ein Zugestand,
niß an den nicht eben geläuterten Ge«
schmack jenes PublicumS betrachten, für
welches die gedachten Blatter geschrieben
sind, und das sich in Sachen des Ge.
schmackes nur schwer und ganz allmälig
erziehen läßt, wie dies ja aus der Ver«
edlung der Gestalten in „Wiener Luft",
wenn wir selbe jenen deS „Kikeriki" ent.
gegenhalten, leicht zu erkennen ist.
Uebersicht einiger Arbeiten .Karls von
Stur. Stur's künstlerische Thätigkeit con«
centrirt sich bisher meist in Zeichnungen von
Bildnissen, Chargen und Caricaturen für
die Wiener Witzblätter „Kikeriki", „Floh",
„Bombe", „Wiener Luft", ferner in Zeich,
nungen für die Leipziger „Illustrirte Zei«
tung" und für Hackländer's „Ueber Land
und Meer". Die Zahl seiner Arbeiten geht
in die Tausende. Der größte Theil derselben
befindet sich im „Kikeriki", und einzelne
davon, wie seine Chargen Dawison's: „Ich
wünsche wohl gespeist zu haben" („Kikeriki",
1863, Nr. 2) oder „Der große Künstler Da«
wison hat durch seine merkwürdigen Be»
wegungen immer gleich im Vorhinein bekannt
gegeben,, mit welchem Buchstaben der nächste
Satz anfangen wird" („Kikeriki", 1863,
Nr. 8), oder jene Lewinsky's: „Eine kleine
Unterrichtsscene in der Reichskanzlei" („Ki«
keriki", <87l. Nr. 28) geben köstliche Proben
seines urwüchsigen Humors. Man kann sagen,
Stur schrieb in den Jahren, während deren
er für den „Kikeriki" gearbeitet, die Geschichte
Wiens in Witzen. Interessanter aber sind
seine Blätter im „Floh" und in der „Bombe",
in welchen fich auch bereits der gewandte
Zeichner kundgibt und die saloppe, flüchtige
Behandlung in den Zeichnungen drs „Kike,
riki" einer gewandteren. kunstgemäßeren
weichen mußte. Einzelne seiner Chargen in
den genannten zwei Blättern geben den
besten Pariser Leistungen in diesem Genre
nichts nach. Durchwegs edel aber sind seine
Frauengestalten, worin wir ihn den Canon
des Zeichenstifteö nennen möchten. Wir
theilen nun eine Auswahl seiner besseren
Blatter mit und scheiden dieselben der leich-
teren Uebersicht wegen in verschiedene Kate«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Streeruwitz-Suszncki, Band 40
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Streeruwitz-Suszncki
- Band
- 40
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 394
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon