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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Streeruwitz-Suszncki, Band 40
Seite - 221 -
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r, Ludwig 221 ) Ludwig Sparvereine u. dgl. m. Die Erfolge waren in jeder Hinsicht ungemein gün» stige und zufriedenstellende. Und als im „Orol iHtranL^" auch die ideale Rich- tung in verständiger Weise gepflegt, die Sagen. Lieder und Bräuche des Volkes in sinniger Weise dargestellt wurden, da fühlte sich das biedere Völklein alsbald so recht angeheimelt und immer mehr und mehr gehoben, wozu besonders der slovakische Dialekt mitwirkte, in welchem die Zeitung geschrieben wurde. SS war dieS bei dem Umstände, daß die Slovaken bis dahin fick vornehmlich des öechischen als Schriftsprache bedient hatten, von nicht geringer Wichtigkeit' denn war die öechische Syntax, Wort» bildung, ja selbst die öechische Rhetorik und Poetik bereits ganz und gar von deutscken Elementen durchdrungen, so stellte sich die slovakische Mundart, wenn» gleich in ihrer Rauhigkeit, doch aber wieder in ihrer alterthümlichen, eigen« artigen, urwüchsigen Reinheit und Na> turkraft dar, was den Stolz des Volk« leins, daS diese Sprache redete, nicht wenig hob. 8 tür selbst that seinerseits Alles, um seinem Volke diese gramma» tikalische Errungenschaft recht nahe zu legen, und gab aus diesem Anlasse die zwei folgenden Schriften heraus: „Z/a- ") d. i. Slovakische Orthographie oder über die Nothwendig« keit, in derselben zu schreiben, dargestellt von L. s tu r (Preßburg 18-36, Wigand, 8".), und „Hhznka 5-s<55 s/oVsnsH^'", d. i. Lehre der slovakischen Sprache (ebd. 1346). Fand er nun hiermit wohl bei seinen Landsleuten die freundlichste Auf- nahme, so wurde er dagegen von Seite der öechoslaven. welche dem Ablehnen ihres Schriftthums Entrüstung über solches Wagniß entgegenstellten, auf das heftigste angegriffen. Doch ließ er sich dadurch nicht irre machen, sondern schritt seinen Weg weiter, immer mehr Boden gewinnend und bedacht, denselben zu bebauen. So richtete er denn sein näckstes Augenmerk darauf, für das Volk Bücher, und zwar gute Bücher zu schaffen. Zu diesem Zwecke gründete er mit den Pre» digern Hodza und Hurban die Ge« sellschaft „Katrin" zur Unterstützung slo- vakischer Schriftsteller und zur Veröffent- lichung entsprechender Volksbücher. Mit manchem Nützlichen und Guten fegte das Sturmjahr 4848 leider auch diesen Ver» ein hinweg. AlS im Jahre 4847 die Wahlen in den ungarischen Landtag statt» fanden, wurde begreiflicher Weise auch 3tur , dessen Popularität mit jedem Tage wuchs, in denselben gewählt, und nun fand er Gelegenheit, seine Stimme am rechten Platze für sein gemaßregeltes Volk zu erheben. Und da geschah ein Ungewöhnliches: so lange er für Erleich» terung des LooseS der Armen sprach, widerhallte der Sitzungssaal von allen Ecken und Enden vom Beifall, wenn er aber daS schlichteste in die Augen sprin- gende Recht, die Einführung der slovaki» schen Sprache in den Volksschulen der Slovaken auf dem Lande, zum Antrag brachte, da wurde seine Rede nicht beach- tet, eS war, als ob gar Niemand gespro« chen hätte. Endlich nahmen die Dinge im Landtage eine Wendung, von welcher er keine Berücksichtigung seines Volks« stammes, keine Aenderung der Uebel» stände mehr erwarten durfte. Er trat demnach aus demselben aus, und als die Vergewaltigung von Seite der Magya» ren alles Maß überstieg und selbst sein Leben nicht mehr sicher war. verließ er das Land und begab sich zunächst nach Wien, darauf nach Prag. Sein Blatt hatte er früher schon aufgeben müssen.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Streeruwitz-Suszncki, Band 40
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Streeruwitz-Suszncki
Band
40
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1880
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
394
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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