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är, Ludwig 222 stur, Ludwig
Ms aber der Ausbruch der Revolution
seinen Volksstamm schwer bedrohte, da
erschien er mitten in den Wogen des hoch»
Verrätherischen Aufstandes im Vereine
mitHodza und Hurban, um die slo<
vakischen Freischaaren zu organisiren und
der Insurrektion die Spitze zu bieten.
Ueber den Gang dieser Ereignisse ist
bereits in der Biographie Hurban's
sBd. IX, S. 437) ausführlicher berichtet
worden. Im März 1849 begaben sich
8t i i r . Hurban. Kuzmany. Zach
und andere aus verschiedenen Comitaten
Ungarns berufene slovakische Vertrauens-
männer nach Olmütz. wo sie am 2l). März
Sr. Majestät dem Kaiser in einer Audienz
die Bitte um Anerkennung der slova«
kischen Nationalität vorbrachten. Am
22. August d. I . überreichte aber 8tür
in Gemeinschaft mit Daniel Bor ik dem
Minister des Innern ein Promemoria,
in welchem die Grundzüge einer Ver»
fassung für die Slovaken verzeichnet
waren. Eine ihm angebotene Anstellung
lehnte er ab, er kehrte nach Modern zu«
rück. wo er mit dem Wenigen, waS er
sich durch Schriftstellers erwarb, noch für
die Witwe seines verstorbenen Bruders
und ihre vaterlosen Kinder sorgte. Von
seinen aus dieser Zeit stammenden Schrif-
ten sind bekannt: „0 na^oHn/oH F/sniok
aF0l?6Htss^I>/6?nsn s/ovans^oH", d. i.
Ueber Volkslieder und Volkssagen slavi»
schen Ursprungs (Prag 1833, 8<>.); diese
Schrift bildet das 16. Heft des von dem
böhmischen Museum herausgegebenen
Sammelwerkes „NovoöeLka didlio-
tkska."/ — »H'svT/ a Fisns", d. i.
Lieder und Gesänge (Preßburg 1883,
Schmid), den Manen seines Bruders
gewidmet. Zugleich arbeitete er an einem
größeren geschichtlichen Werke, zu dessen
Vollendung er sich den Zeitraum von
fünfzehn Jahren gestellt hatte. Wenn er von dieser Arbeit, die ihn in letzter Zeit
sehr beschäftigte, abgespannt war. eilte
er zuweilen mit der Flinte hinaus in die
Berge, meistens ohne Etwas zu schießen.
Einen solchen improvisirten Iagdausftug
unternahm er auch an einem der letzten
Tage deS December 1833. wo er das
Unglück hatte, daß ihm bei einem Fall,
den er that, die ganze Schrotladung der
losgegangenen Flinte in den Unterleib
drang. Den Folgen dieser lebensgefahr»
lichen Verletzung erlag er unter den
schmerzlichsten Leiden nach einigen Tagen,
erst 4l Jahre alt. 8 tu.r war ein schöner
Mann, von hoher Gestalt, mit braun»
blondem Haar. In geistiger Hinsicht
Idealist, zeigte er stch in irdischen Dingen
unerfahren wie ein Kind. Verfasser dieses
Lexikons hat ihn persönlich gekannt.
Politisches Wirken lag diesem Manne
seiner Natur, überhaupt seinem ganzen
Bildungsgange nach abseit. 8tür trieb
Politik, nur wenn er mußte, wenn ihm
der Druck, der auf seinem Volke lastete,
selbst schon unerträglich wurde. Sein
ganzes Sinnen und Trachten war auf die
Hebung seines VolksftammeS gerichtet,
dessen Bedeutung und innere Kraft, die
überdies durch die numerisch stärkere ma»
gyarische Umgebung im vorhinein wenn
nicht gelähmt,so doch bedeutend geschwächt
war und ist. er leicht überschätzte. Deut«
schen Geist, deutsche Wissen»
schaft hielt er hoch. unähnlich hierin
manchen berühmten Slavisten, die sich,
den deutschen Einfluß auf das Slaven»
thum verneinend, der nun aber einmal
nicht wegzudecretiren ist, in Herabsetzung
des Germanenthums gefallen. Er war
ein Volksfteund im schönsten Sinne deS
Wortes, ein idealer Mensch, der. nur in
seinen Ideen glücklich, rein durchs Leben
gegangen ist. wie wenig Andere. Viel
verkannt, oft verfolgt, blieb er immer
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Streeruwitz-Suszncki, Band 40
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Streeruwitz-Suszncki
- Band
- 40
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 394
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon