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Stwerteczky 247 Stwertec^ky
auf bleibende Erinnerung erworben. Das
'von Dr. Ad. Schmidt begonnene und
von Professor W. L. Wa rh ane k been»
dete Werk „Das Kaiserthum Oesterreich.
Geographisch, statistisch und topogra»
phisch, mit alphabetischem Ortslexikon"
(Wien 1837, 3. Z. Zamarski, 8<>.) be-
richtet Seite 849 bei dem Orte Nädas
ausdrücklich, daß dort „seit 483? am
Pfingstmontage ein Rosen fest
gefeiert werde" . Die Geschichte
dieses Rosenfestes ist folgende: „Pfarrer
Stwerteczky hatte in Journalen von
„Rosen festen" gelesen, welche hie und
da in der Schweiz und in Frankreich zur
Belebung der Sittlichkeit des auf dem
Lande lebenden weiblichen Geschlecktes,
das in seinen dienstlichen Verhältnissen
der Verführung überhaupt leichter aus»
gesetzt ist, eingeführt sind und mit großem
Erfolge seitIahrzehnden, ja seit manchem
Jahrhundert bestehen. Eine ahnliche
Stiftung in seiner Pfarrei zu begründen,
reifte bald in ihm zum Entschlüsse, lind
so widmete er auS eigenen Mitteln ein I
Capital von 2000 fl.. von dessen Inter-
essen der Preis bestritten werden sollte,
den bei der jährlichen Nosenfeier die des-
selben für würdig befundene Jungfrau
empfangt. Damit unsere Leser den Geist
der Stiftung und die Absichten des edlen
Priesters kennen lernen, lassen wir die
Bestimmungen, welche derselbe bezüglich
dieses Rosenfestes getroffen hat. hiermit
folgen: „DaS in die Candidatur aufzu-
nehmende Madchen muß den ganzen
klonen Katechismus Wort für Wort ans-
wendig wissen-. — die Kindespfllcht in
jeder Hinsicht gegen die Eltern treu er-
füllt lind auch sonst gea/n Jedermann
tad^los sich betragen haben; sie darf
ohne^ wichtige Ursache die Christenlehre
nie versäumen; — darf bei einer Tan;.
Unterhaltung nicht langer verweilen, als bis das Ave Maria gelautet wird; —
ihr Liebhaber darf im Sommer bis neun
Uhr. im Wmter aber bis acht Uhr im
Beisein inrer Eltern sittsam bei ihr ver-
weilen', — die Candidatin soll nicht
unter 17. nicht über 23 Jahre alt jein.
Jedes Mädchen, das die vorangegebenen
Bedingungen genau erfüllt, kann in die
Candidatur kommen. Hat es einen der
Punkte vcrletzt und ist der Pfarrer davon
in Kenntniß geseht worden, so wird sie
von der Classe der Tugendhaften über»
Haupt ausgeschlossen und kann sich gar
nicht um den Preis und den Rosenkranz
bewerben. Das Fest findet alle Jahre
am Pfingstmontag statt". Die Wirkung
dieser Stiftung war eine wahrhaft groß.
artige. Während siä) im Jahre der Stis-
tung. 4837, nur drei Mädchen um den
Preis bewarben, wurden im folgenden
siebzehn, im nächstfolgenden zwanzig
würdig befunden, unter die Candidatinen
aufgenommen zu werden. Diese zwanzig
zogen das 3oos. Es wurden nämlich
siebzehn leere und drei mit dem Worte
„Rosenjungfrau" bezeichnete Loose in
eine Urne gelegt, aus welcher die Mad-
chen zogen. Jene drei, welche als Rosen-
jungfrauen hervorgingen, bewarben sich
nun um den eigentlichen Preis und er«
langten ihn durch Wahl, da die übrigen
siebzehn die. Würdigste erkoren. Was nun
den heutigen Stand dieser Stiftung be-
triffl, welche namentlich für unsere Alpen-
lander, wo eS zum guten Tone zu gehören
scheint, mit einem, auch mit mehreren
vor der Ehe geborenen Kindern zum
Traualtar zu treten, sehr wünschens-
werth wäre, so hat Herausgeber dieses
Lexikons auf eine an den jetzigen Pfarrer
zu Nä.das, Seinc Hochwürden Herrn
Paul von HaluS, gerichtete Aufrage
von demselben folgende Aufklärung er-
erhalten: Es werden zuerst zwei Jahre
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Streeruwitz-Suszncki, Band 40
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Streeruwitz-Suszncki
- Band
- 40
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 394
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon