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) Ladislaus Ladislaus
kleinsten unter den königlichen Freistädten,
zum Abgeordneten. Zu jener Zeit schrieb
ein deutscher Publicift. der die Ungarn
nicht eben mit Glacö-Handschuhen anzu«
fassen liebte, über Sza lay : „Es ist
ein ausgezeichneter und wissenschaftlich
gebildeter Rechtsgelehrter, au nivsau
mit den neuesten Forschungen der aus
ländischen Rechtswissenschaften, ein thä
tiger. aufgeklarter Kopf und tiefer
Denker, der seinen Platz neben T h i-
beaudeau, P o r t a l i s , Trouchet,
Röderer, Berryer , Regnaul t de
Sa int Jean d'Angely. Treil»
hard und Cambacörös einnehmen
darf". Am 1. Juli 1844 trat Sza-
lay die Redaction deS ^?65ti Air-
1a,p" an, welche bis dahin Kossuth
geführt hatte. ^Gs gibtwenig Menschen",
fährt der obige Publicift in Szalay's
Charakteristik fort, „die so geeignet find.
an der Spitze eines berühmten Journals
zu stehen, wie er. Wenn man die wissen»
schaftlichen Kenntnisse Kossuth's und
Szalay's auf die Wage legen möchte,
um sie zu messen, so würde die Schale
des Letzteren tiefer schweben. Er hat
durch eigenes Anschauen die Institutionen
des Auslandes in ihrer wirkenden Kraft
gesehen, er hat die größten Manner des
Auslandes persönlich kennen gelernt, und
sein großes Talent hat mit psychologi»
schem Scharfblick die Erfahrung ge«
schöpft, daß zumeist in Ungarn die Politik
ein Feld war — und leider heute noch
ist — das man bis jetzt mittels eines
Luftballons durchlief, daß es Zeit, den
Fuß zur Erde zu setzen." Die Redaction
eines Blattes zu führen, an welchem der
damals vergötterte Kossuth thätig ge»
wesen. war eine schwierige Aufgabe, und
sein Biograph Falk schreibt, einen Aus«
spruch Lessing's variirend, darüber:
„Szalay kämpfte wie die alten Juden mit der einen Hand gegen die Philister
und baute mit der anderen den Tempel
der socialen und politischen Reform".
Dabei ward ihm sein Geschäft nicht leicht
gemacht, denn er hatte mit einer Fluch
von Angriffen und Verdächtigungen zu
kämpfen. Er dagegen verletzte niemals
die Gesetze des journalistischen guten
Tones. Die in unseren Tagen verloren
gegangene Tugend, Princip und Person-
lichkeit zu sondern, besaß er in höchstem
Grade. Seine schriftlichen Urtheile über
seine politischen Gegner Grafen Aurel.
Dessewffy und Grafen Stephan Szö»
chenyi zeigen, wie er den publicistischen
Anstand zu wahren wußte. Nur ein Jahr,
1844—1843, blieb er als Redacteur des
„kssti llirlap" rhätig, die nächsten zwei
Jahre widmete er ausschließlich litera-
rischer Thätigkeit, und noch war er mit
dem „Buche der Staatsmänner und
Redner" beschäftigt, als die Bewegung
des Jahres 1848 über Oesterreich herein»
bracd. Daß eS kommen werde, kommen
müsse, hat er an vielen Stellen seiner im
Vormärz erschienenen wissenschaftlichen
Arbeiten vorhergesagt. Nun aber, als eS
da war, wurde ihm mit einem Male
bange und seine Stimmung, sein innerster
Gedanke sprachen sich in einer Aeußerung
zu einem Freunde auS, als die Ereignisse
den Gegenstand ihrer Unterredung bil«
deten. „Ich weiß nicht", ruft er aus.
„warum ich immer an den Ring deS
PolykrateS denken muß', aber noch nie
ist einem Volke von der Vorsehung
etwas geschenkt worden, und um
alles das zu verdienen, was uns jetzt
mit einem Male in den Schooß fiel,
ha t tenwi r dochnochnicht genug
gearbe i te t " . Den Ereignissen
konnte er nicht Halt gebieten, und auch
ihn zogen sie mit sich fort, und seine bis»
herigen wissenschaftlichen Arbeiten wirkren
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon