Seite - 143 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Susil-Szeder, Band 41
Bild der Seite - 143 -
Text der Seite - 143 -
) Ladislaus 143 y) Ladislaus
geschehen habe, gipfelte die Thätigkeit
dieses ersten nach der Niederwerfung der
Revolution einberufenen Landtages. Es
war eine reine Formfrage, aber von
weittragenderWichtigkeit, und die damals
in der Magnatenhalle und im Stände»
saale gehaltenen Reden bieten einen
vollständigen Cursus ungarischer Ge>
schichte und ungarischen Staatsrechtes.
Es platzten die Meinungen nicht selten
aufeinander, und es beschlich Einen ein
wohlthuendes Gefühl, wenn man nach
langen leidenschaftlichen Reden für den
Beschluß den historisch, staatsmanni-
schen Vortrag Szalay'S hörte, der für
die Adresse sprach und stimmte. Wir
können hier nicht einzelne Fragmente
auS diesem Prachtstücke staatsmännischer
Rhetorik mittheilen, sondern nur auf die
deutsche Uebersetzung verweisen, welche
in dem ersten Bande, Seite 133—160.
des Werkes ,Der ungarische Reichstag
1861" (Pest 1861, Ofterlamm) enthalten
ist. I n diesem für Ungarn denkwürdigen
Jahre wurde Szalay zum ersten Se-
cretär an der ungarischen Akademie der
Wissenschaften gewählt, und die 1863
und 1864 in derselben von ihm erstatte»
ten Berichte werden nicht nur zu dem
Besten, was die akademischen Schriften
aufweisen, sondern speciell zu seinen vor«
züglichsten Arbeiten gezahlt. Die letzte
Rede. welche dieser Gelehrte in der
Akademie gehalten, erörterte seinen Lieb-
lingsgedanken: daß Ungarn die euro-
patsche Cultur in ihrer ganzen Fülle und
Größe in sich aufnehmen muffe. Es war
sein Schwanengesang. Er sprach seitdem
öffentlich nicht wieder. Von früher Ju-
gend war er kranklich, und sein Zustand
besserte sich mit den Jahren nicht, sondern
nahm seit 1860 einen so bedenklichen
Charakter an. daß ihn behufs einer
Radicalcur die Aerzte im Sommer 1864 auf Reisen schickten. Es war zu spät
oder überhaupt vergebens, denn sein
Uebel, Anwachsen des Gehirns, war
unheilbar. Auf dem Rückwege aus dem
Wildbade erreichte er noch Salzburg,
daselbst erlag er feinem furchtbaren, mit
heroischer Standhaftigkeit getragenen
Leiden im Alter von 61 Jahren. Ein
Weh, ein wahres tiefgefühltes Weh ging
durch das ganze Land bei der Nachricht
seines Todes. Die Besten der Nation
eilten von allen Seiten aus der größten
Entfernung nach der Hauptstadt, wohin
die Leiche des Verblichenen gebracht
wurde. Die Zeitungen aller Farben er.
schienen mit Trauerrand. BeileidSadres«
sen von Nah und Fern trafen ein, und
der ehemalige Präsident der deutschen
National. Versammlung zu Frankfurt
am Main im Jahre 1848 schrieb an
Szalay's Witwe Worte innigster Theil«
nähme über den Hingang des Gelehrten,
der, als er diese letzte Badereise ange-
treten, ihn in Wien besucht und dabei die
Absicht ausgesprochen hatte, auf seiner
Heimkehr den Besuch zu wiederholen.
Er hat ihn nicht wiederholen können.
Es erübrigt uns nur noch, eine Ueber«
ficht der wissenschaftlichen Thätigkeit
Szalay's zu geben. Außer den im
Laufe dieser Skizze bereits erwähnten
Werken erschienen von ihm: „Ahsml'F",
I—III , d. i. Themis. Verständigungen
im Gebiete de« Recbtes und der Land»
wirthschaft, drei Hefte (Pcsth 1837 bis
1839); — „3/a>eä^n?/ i H«Niso?-
^ s " , d. i. Alexander Ma jthenyl's
Andenken (Ofen 1336); — „
") d.i. Von dem Strafverfahren,
mit besonderer Rücksicht auf die Schwur«
gerichte (Pesth 1841); — „6iäi«s/6>-
Faü s6 62onokoü zSni/V6") d. i. Buch der
Staatsmänner und Redner (Pesih 1846
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon