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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Susil-Szeder, Band 41
Seite - 164 -
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Seite - 164 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Susil-Szeder, Band 41

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) Johann 164 3änt<5) Stephan „Des Bucbes Selbst« und Rückschau" ^S. I—XLIV^. In diesen zunächst im Hinblick auf jüdische Verhältnisse geschrie benen Aufsätzen ist — namentlich in pä dagogischen Fragen — vieles enthalten, was an und für sich als auf das Wesen der Erziehung im Allgemeinen Bezug nehmend beachtenswerth erscheint. Neue Freie Presse. l8?3. Nr. 3l24. Abdbl. Noch nennen wir von Trägern, dieses Namens: l. Johann Szänt6 lgeb. zu Szentes in Ungarn ^820). Ein Schneider seines Zeichens, der wegen seiner Schicksale und seiner Wan» derungen durch die Welt erwähnenswerth ist. Uin 1844 sollte er zum Soldaten recrutirt werden, aber sich todtschießen zu lassen, dazu hatte der Ritter von der Nadel schier nicht das rechte Herz. und so nahm er, rasch ent» schlössen, seinen Weg nach Siebenbürgen und von da über die Gebirge durch dichte Wälder nach der Walachei. Da er hier wenig zu schneidern fand. wanderte er weiter in die Türkei, wo es ihm aber nicht besser erging, da ihm die aus den Ofsicieren und anderen Koryphäen der polnischen Emigration recru. tirten Schneider so starte Concurrenz mach. ten. daß er nahe daran war, zu verhungern. Auf die Elle gestützt, kehrte er dem undank» baren 3ande den Rücken und spazierte weiter. So kam er, ohne zu wissen wie, eines Tages nach Bagdad, dieser durch das Märchenbuch „Tausend und eine Nacht" zu Weltruhm gelangten Stadt, wo es ihm an Arbeit nicht fehlen sollte. Und als gar ein englisches Schiff, das Muskatnüsse als Fracht führte, im Hafen einlief und Anker warf. erhielt er vollauf zu thun. da es galt, alle Schäden der durch eine lange Reise hart mitgenom- menen Matrosengarderode auszubessern. Und er bewährte sich in seiner Kunst so Meister« haft, daß ihm der Capitan freie Ueberfahrt nach Indien anbot, welche er ohne Zögern auch annahm. So ließ er sich von den Wellen des arabischen Meeres wiegen, drückte den Rücken des indischen Oceans und flog über den bengalischen Meerbusen nach Cal< cutta. wo er festen Fuß zu fassen gedachte, weil ihn ein gütiges Geschick wieder mit Arbeit segnete. Dies geschah im Jahre l848. Da hörte er. daß die Revolution in Ungarn auSgebrochen sei. Nun wollte er heim. kehren, und er begab sich ohne viel Feder. lesen zu Schiff, umsegelte Afrika und gelangte durch das mittelländische Meer nach Con» stantinopel, wo er vor allem durch die Nach- richt von der Capitulation Görgey's bei Vilägos erschreckt wurde. Als Deserteur unter den veränderten Verhältnissen heimzu» kehren, schien ihm doch nicht recht geheuer, und so machte er sich denn wieder auf die Beine, ging zurück nach Indien, streifte dann über China, Tibet und Turkestan nach Teheran, wo seine Begegnung mit dem berühmten Reisenden Vambsry stattfand, der uns der Erste über den weitgereisten ungarischen Schneider ausführlicheren Bericht erstattet. Während seines zwanzigjährigen Wander, lebens in Asien hatte Szänt<5 die Kennt» niß seiner Muttersprache eingebüßt, und als er Vambsry einen Brief an seine Ver. wandten in Ungarn einhändigte, stellte eS sich heraus, daß Niemand im Stande war. die Schrift zu entziffern, indem das eine Wort chinesisch, das andere indisch, das dritte tibetanisch und so fort der ganze Brief in allen möglichen Sprachen geschrieben war und nur die Endsilben ungarisch laute, ten. Vamböry erzählt nun manchen komi» schen Zug dieseS ungarischen Schneiderleins. Als er ihn beim Abschied fragte, ob er denn nicht heimkehren möchte, erhielt er von ihm zur Antwort: „Jetzt kann ich nimmer gehen, wer kennt,nnch noch zu Hause und wen kenne ich? Für mich ist in meiner Heimat Alles fremd, und ich würde mir daselbst auch als Fremder vorkommen; nur daS Gefühl blieb in mir ungarisch. Nedc ich doch schon die Sprache meines Vaterlandes schmählich; es ist besser, ich bleibe hier. Wenn Sie fort sind. dann gehe ich auch, denn hier würde mir in steter Erinnerung an die Begegnung mir meinem LandSmann das Herz vor Sehnsucht nach meiner Heimat weh» thun. Ich werde also hinüberspazieren nach China". Damit schließen Na mböry'S Mit» theilungen über seinen die Welt mit Nadel und Scheere durchwandernden Vandsmann. Wie weit übrigens solche wandernde Ge< sellen in der Welt herumkommen, darüber gibt uns die ergötzlichsten Aufschlüsse Moriz Busch in seinem Buche „Die gute alte Zeit" (Leipzig l878, Grunow, so.) Bd. I. S. 5i. im I I I . Capitel: „Bruder Strau» binger". sA gramer Ze i tung , 1864, Nr. 29? und 298. im Feuilleton: „Ein viel gewanderter ungarischer Schneidergeselle. Aus den Abenteuern Vambäry's".^— 2. Stephan
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Susil-Szeder, Band 41
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Susil-Szeder
Band
41
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1880
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
340
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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