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nto, Stephan
Szänt<5, mehr bekannt unter dem Namen
Stephanus Arator , der lateinischen
Nebersetzung des ungarischen Szäntö , d. i.
Pssüger. 154l zu Raab geboren, trat er früh«
zeitig in den Orden der Gesellschaft Jesu,
kam als Alumnus in das deutsche Collegium
in Rom und wurde, nachdem ev mit zwanzig
Jahren die theologischen Studien beendet
hatte, im Lehramte verwendet, welches er
zunächst in Grah begann, wo er Philosophie
vortrug. Dann wirkte er als Pönitentiär
im Vatican zu Rom mit Wort und Schrift
für die Ausbreitung des katholischen Glau-
bens, deren Gegner er mit allen Waffen der
Dialektik, die er in meisterhafter Weise übte,
stets siegreich bekämpfte. So nahm er ein»
mal eine Disputation gegen vierzig Prädi.
canten an und widerlegte alle ihre Ein.
Wendungen; ein anderes Mal feiene er zu
WaraSdin in einer Versammlung von drei»
hundert Gegnern einen glänzenden Triumph
über dieselben. Viele führte er zur Mutter»
kirche zurück, und er ging dabei nichts lveni»
ger denn gewaltthätig gegen die Abtrünnigen
vor, sondern überzeugte sie durch sein Wort
und sein eigenes Beispiel. Auch den unga.
rischen Magnaten gegenüber bewahrte er
seinen unerschütterlichen Freimuth, er sagte
ihnen unumwunden die Wahrheit, rügte ihre
Uebelthaten und eroberte sich durch seine
furchtlose Ausübung des Predigeramtes ihre
Achtung und ihr Vertrauen. Als Stephan
Bnthory , damals König der Polen, von
seinen Widersachern am päpstlichen Hofe in
wenig günstiger Weise geschildert und sein
Thun vor dem Papste verdächtigt wurde,
trat Szänto gegen die Verleumder auf,
schilderte die Dinge, wie sie in Wahrheit
lagen, und rechtfertigte in glänzender Welse
den König vor dem Papste, die Feinde des
Ersteren zum Schweigen zwingend. Erstarb
siebenzigjährig zu Olmüh im Jahre 16l2.
Er hat mehreres in ungarischer Sprache
geschrieben, so eine Bibel deS alten Testa>
menteS, welche er unter Verglrickung des
hebräischen, griechischen und lateinischen
Tertes in seine Muttersprache übersetzte;
einen Katechismus nach dem Muster des
römischen, dessen einzelne Glaubenssätze er
durch viele Controversen beleuchtete; — in
der HandschrifteN'Sammlung der kaiserlichen
Hofbibliothek in Wien befindet sich von ihm
eine Widerlegung des Koran in drei Büchern,
mit einer Vorrede, datirt: Olmütz. 9. No.
vember l 6 l l ; dieses Manuscriptes gedenkt
163 S^apäri)) Julius
Schwandner in seiner Fortsetzung der von
H eyr enbach begonnenen »Itscsusio manu-
Lcriptolnui", im dritten Bande. Seite 322;
— im Graner erzbischöslichen Archw be-
wahrt man Szänto's Schrift über die
Ausbreitung des Keherthunis; — im Druck
erschien von ihm eine Schrift: „Ueber die
Ursachen der in Ungarn überhandnehmenden
Irrthümer" in ungarischer Sprache, nicht
aber. wie D a n i e l i k und F e r e n c z y
melden, der ungarische Katechismus und das
alte Testament. fAla^-ar irolc. S
s« Daniol i lc 5625et, d. i. Ungarische
Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschrei»
bungen. Von Jacob Ferenczy und Ios.
Daniel ik (Pesth 5856, Gustav Emich, 8«.)
I. Theil. S. 531. — Iöcher's Gelehrten.
Lexikon, Bd. IV, Sp. 974. — Ho7-anz,i
^/sa?.^^ Zlsmolia Nuu^Hi'oi'llru st pi-oviü-
ciaUum Loriptis oHitis Qotorum (Viaunaft
1775, Los^s, s".) lom. I, V» 70, unter
Arator.)
Szap^ry. Julius Graf (S taats -
mann, geb. in Ungarn am 4. No>
vember 1832). Ein Sohn des Grafen
Joseph aus deffen Ehe mit Anna
Baronin Orczy und nicht Orsay,
wie sie in E. M. Oettinger's „Klo-
S. 102 genannt wird. Kaum großjährig
(1836), wurde Graf Ju l ius bereits
als landwirthschaftlicher Organisator
rühmlich genannt; wenige Jahre später,
1s6i, erfolgte seine Wahl zum Depu.
tirten für Szolnok, aber schon beim
Eintritt des Provisoriums zog er sich
von den öffentlichen Geschäften zurück.
Nachdem er die nächsten Jahre in Zurück«
gezogenheit verlebt, betrat er 1863
wieder die politische Laufbahn. Er wurde
zunächst in die Siebensechziger.Commis.
sion des Reichstages gewählt, welche
die Präliminarien des Ausgleiches fest.
zustellen hatte. Nacheinander war er
dann Obergespan. Stellvertreler des
Heveser Comitates, königlicher Com»
miffär daselbst, Mmisterialrath im Mi-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon