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Julius ^ Julius
nistermm des Innern und Staatssecretar
im Ministerium der Communicationen.
Seine Berufung auf den letzteren Posten
im August 4870 erregte im Lande einiges
Befremden. „Der Graf", hieß es. „nun
Nachfolger H o llan'S. war früher könig
licher Eommifsär in einem renitenten
Comitat, dann Minifterialrath im Mi
niftenurn des Innern und auch Vertreter
der Regierung, als das Oberhaus in einer
denkwürdigen Sitzung über den Muni
eipalgesetz - Entwurf hinweggaloppirte,
aber daß er von der Technik, daß er vom
Communicationswesen etwas verstehe,
hat er noch niemals bewiesen. Daß Mi
nister keine Fachmänner sind, dies kommt
in constitutionellm Staaten vor, aber
daß auch die eigentlichen Leiter des
Ressorts, die Unterstaatssecretäre, vom
Gegenstande nichts verstehen, ist schon
seltener und dürfte in keinem Lande so
häufig vorkommen, wie in Ungarn. Es
scheint, daß man hier die beste Meinung
von den Fähigkeiten der Menschen hat;
die Regierung halt jedes ihrer Mitglieder
für ein Universalgenie; warum soll der
tadellose Cavalier, der feine Weltmann,
der königliche Commiffär und noncha
lante hohe Beamte im Ministerium des
Innern, Gra fSzapäry , nicht einmal
zur Abwechslung Staatssecretär des
Communications«Ministeriums werden
können?" So sprach die öffentliche Mei.
nung, als Graf Szapäry seinen neuen
Posten antrat, und sie verzeichnete mit
wahren Worten den Eindruck, den die
damaligen Verhältnisse des politischen
Lebens auf jeden Unbefangenen machten.
Thatsächlich blieb der Graf nur kurze
Zeit in diesem Amte, denn schon im Mai
1874 legte er dasselbe nieder. Am
3. März 1873 trat er in das Cabinet
als Minister des Innern, als solcher der
vierte seit 1867, dem Jahre des beginnenden Ausgleiches; Bäla Baron
Wenckheim, Paul R a i n e r und
Wilhelm T6th waren seine Vorgänger.
I n dieser Stelle kam ihm seine admini-
strative Kenntniß, da er schon im Mini-
sterium des Innern gedient hatte, trefflich
zu Statten. Er waltete seines Amtes mit
viel Umsicht und Energie. Sein Haupt-
augenmerk war auf die Trennung der
Administration von der Politik gerichtet,
weil er darin den richtigen Weg erkannte,
manchen Uebelständen des alten Sy-
stemes abzuhelfen, die bedenklichsten des-
selben ganz zu beseitigen. Als im De«
cember 1878 die Reconstruction des Ca-
binets Tisza stattfand, übernahm er in
demselben die Stelle des Finanzmini,
sters. Damals schrieb der gut unter,
richtete Berichterstatter V der „Allge-
meinen Zeitung": „Finanzminister wird
Graf Ju l i us Szapäry; er war be-
reits einmal Minister des Innern und
versah diesen Posten, da er genügende
Kenntnisse in der Administration und
auch viel Thatkraft besitzt, recht gut. Die
öffentliche Meinung hätte eS gut auf-
genommen, wenn er wieder das Porte-
feuille des Innern erhalten haben würde,
oder allenfalls jenes deS Handels, wie
er es selbst gewünscht, da er auch schon
untcr Andrässy im Handelsministe-
rium gewesen. Wider Willen mußte er
jedoch, wie es scheint, daS Finanzmini»
sterium übernehmen, obwohl er nicht
einmal jene Kenntnisse deS ungarischen
Finanzwesens besitzt, welche sein Vor»
ganger Sz6 l l , als derselbe das Finanz-
Ministerium übernommen, besessen hat.
Graf Szapä.ry ist übrigens eine gern
gesehene sympathische Persönlichkeit,
gegen die eben nur das einzuwenden ist:
daß sie für den Posten, den sie einzu»
nehmen berufen wird, wenig theoretische
Kenntnisse und keine Erfahrung mit-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon