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Anton 169 , Emerich
(geb. !802), ein Sohn des ^"^''en I o se p h
aus dessen zweiter Ehe mit Johanna
Gräfin Gat t er bürg. Gleich vielen ande,
ren ungarischen Magnaten hatte sich auch
Graf Anton an der Bewegung der Jahre
4848 und 1849 betheiligt, und zwar in so
ostensibler Weise, daß nach Niederwerfung
des Aufstanoes seine Haftnahme beschlossen
wurde. Diese aber erfolgte so auffällig, daß
sie allgemeines Aufsehen erregte und den
Journalen jener Tage Stoss genug zu Er<
örterungen bot. Graf Anton befand sich als
Gast an der Tafel des Fürsten Windisch.
8ratz in Ofen. Während des Mahles wurde
er plötzlich aus dem Speisesaale beschieden,
vor welchem ihn die seiner wartende Escorte
in Empfang nahm. Kaum hatte Fürst Win»
dischgrätz dieses Attentat auf das Gast«
recht erfahren, als er den Major H orv a t o»
vic. welcher die Verhaftung vorgenommen,
zu sich rufen ließ und ihn mit den Worten
anfuhr.- „Wie können Sie sich unterstehen,
Jemand zu arretiren. der bei mir speist?
Konnten Sie nicht warten?" Horoatov ic
erwiderte: „Da ich nicht die Ehre hatte, an
dem Diner Eurer Durchlaucht zu partici«
pireu, so war mir sein Alibi unbekannt".
Nach einigen Tagen n>2b der Graf das
Ehrenwort, alle Beziehungen zur Kossuth'»
schen Partei abzubrechen, und demzufolge
fand auch seine Vnthaftung statt. Er hat
sein Ehrenwort gebalten. Seiner schriftlich
abgegebenen Verpflichtung, sich auS dem
Bereiche von Budapesth nicht zu entfernen,
wurde er erst durch den Wechsel der Ereig»
nisse enthoben. AlS nämlich Welden an
Stelle des Fürsten Win dischg ratz das
Commando übernommen hatte, mußten die
Städte Ofen und Uesth vor den wieder ein»
rückenden Insurgenten geräumt werden. Da
bat der Graf, der hiedurch unausweichlich
in eine schiefe Stellung gerathen wäre, um
die Erlaubniß, sich aus Ofen«Pesth zu ent.
fernen; er erhielt sie und ging nach Gratz.
Graf An ton hat sich im Jahre 1326 mit
Auguste Gräfin Aeglemch vermalt, und sind
aus dieser Ehe eine Tochter. El isabeth,
und ein Sohn, Geysa, vorbanden. Dieser
Letztere (geb. 17. September 1828). vormals
Obergespan des Szalader Üomitates. ist
(seit 10. August l8«l) mit Mar ia Gräfin
Györy von Naduäny (qeb. 7. August
1840) verheiratet, und stammt aus dieser
Ehe ein Sohn LadislauS (geb. 16. Mai
1864). Gräfin El isabeth (geb. 21. März 5827) ist seit 3. Februar 1832 mit Eugen
Grafen Voß (geb. 2?. Juni 1827), Ecbherrn
der Lehensgüter Schor so w und C a r l 6>
Hof. k. k. Kämmerer und Rittmeister a. D.,
verehelicht. Graf Anton aber ist zur Zeit
k. k. wirkl. geh. Rath, Stellvertreter des Oberst»
Stallmeisters im Königreiche Ungarn. Mit.
sslied der Magnatentafel des ungarischen
Reichstages und seit 1867 mit dem Hum»
mandeurkreuze deS Leopoldordens ausge<
zeichnet. Im April 138U wurde er zum
ungarischen obersten Thürsteher ernannt.
— 2. Vela (geb. im März 1829). ein
Sohn des Grafen A l e x a n d e r aus
dessen, The mit Fanni Gräfin Apponyi .
Das „Genealogische Taschenbuch der gräf-
lichen Häuser" gibt im XI.VI. Jahrgange
(1873). Seite 843, an, daß Graf Bela am
20. August 1870 gestorben sei. Das Wiener
„Fremdenblatt" 1871, Nr. 46, berichtet aber
von einer Reise nach Aegypten, welche der
Graf im genannten Jahre ausgeführt haben
soll, und erzählt: „ In Cairo wurde er von
dem K'oedive mit ungewöhnlicher Pracht und
Zuvorkommenheit empfangen und nachdem
er seine Absicht, die Nilkatarakte zu besuchen,
kund gegeben, stellte ihm der Khedioe ein
mit allem Comfort ausgerüstetes Schiff zur
Verfügung und ließ an die Beamten den
Auftrag ergehen, daß für des Grafen und
seiner Begleiter Empfang überall in ange»
messener Weise Sorge getragen werde". In
der Familie Szapäry hat es bisher nur
einen, und zwar den obigen Grafen Bela
gegeben. Wie dessen 1870 erfolgter Tod und
18?l unternommene Orientreise zu verein»
baren, ist mir unerfindlich. Gras Be la
hat sich am 28. April 1857 mit Gabriele
von Atzel vermalt und stammen aus dieser
Ehe zwei Söhne, S 6 n d o r (geb. im
März <823). Peter P a u l (gcb. 1860).
und eine Tochter, Gräsin Helene So>
phie (geb. 1839). — 3. Gmerich (geb.
am 27. Juni 1838. ermordet am 12. Fe
bruar 1878). Graf Emerich. ein Bruder
des gegenwärtigen ungarischen Ministers des
Innern Grafen Ju l ius , war Rittmeister
in einem Honvso-Huszareii'Regilnenie. Am
Morgen des genannten Tages wurde er zu
Iiiszoersny todt im Bette gefunden. In seiner
Escadron diente nämlich ein Lieutenant,
Namens T6th. ein roher, ungeschlachter,
dem Trunke ergebener Geselle, welcher sich
fast immer in einem dienstlich unstatthaften
Zustande beim Exerciren einfand. Wiederholt
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon