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Czernelica in Oftgalizien in die Seel-
sorge. Schon um diese Zeit. da er noch
gar nicht den prononcirt ruthenischen
Standpunkt einnahm, auf dem er sich
später mit großer Entschiedenheit be»
hauptete und sozusagen Führer seines
von den Polen bedrückten Stammes
wurde, begannen die Umtriebe gegen
ihn. Bei Gelegenheit einer canonischen
Visitation des Metropoliten Michael
Lewicki ^Bd. XV, S. 40^> trat der
Grundherr und Kirchenpatron von Czer>
nelica, Napoleon Rac iborsk i klagbar
Hegen Szaszkiewicz auf und ver-
langte die Entfernung desselben von
der Pfarre. Die Ursache dieses sonst
durch nichts begründeten Vorgehens lag
darin, daß der junge Pfarrverweser den
Machinationen Rac ibo rsk i 'S und
dessen gleichgesinnter Genossen nicht Vor«
schub leisten wollte. Als nämlich mit
dem Erloschen der polnischen Erhebung
vom Jahre 1831 das Corps des Gene.
lals Dwern ick i beim Ueberschreiten
der galizischen Grenze entwaffnet wurde,
verbreitete sich im Lande eine Unzahl
fremder unruhiger Elemente, die auf den
verschiedenen im Umkreise von Czcrnelica
gelegenen Gutshöfen der polnischen
Edelleute Unterkunft und Verpflegung
fanden und daselbst ihre weiteren nicht
immer legalen Pläne schmiedeten. Unser
Szaszkiew iecz, den die polnische
Propaganda zu ihren patriotischen Ban-
keten heranziehen wollte, hielt sich von
denselben zurück. Als aber die Polizei
gegen die sich immer steigernden offen»
kundigen Umtriebe einzuschreiten geno»
thigt war, wurde er als vermeintlicher
Urheber dieser Maßregeln von der Pro»
paganda angefeindet, ja sogar mit dem
Tode bedroht. Bei der erwähnten cano»
Nischen Visitation mußte nun, da der
Kirchenpatron auf Entfernung seines Pfarrers drang, die Sache untersucht
werden. Kaum aber hatte die Pfarr»
gemeinde von dem Schritte R a c i»
borsk i 's Kenntniß erhalten, als sich
aus eigenem Antriebe fünfzig der vor«
nehmsten Mitglieder derselben zum Me«
tropoliten begaben, vor diesem alle gegen
ihren Seelsorger erhobenen Anklagen
als Verleumdungen aufdeckten und um
dessen Belassung einstimmig baten. Und
so verblieb Szaszkiewicz denn auch
in der That auf seinem Posten. Da sich
aber die Polen in ihrer Feindseligkeit
gegen ihn bis zur Bedrohung seines
Lebens verstiegen, bat er selbst um Ver»
sehung auf eine andere Stelle. I n Folge
dessen kam er Ende Februar 1833 als
Pfarrverweser nach Uhrinow bei Stani»
stawow, wo er schon im folgenden Jahre
wirklicher Pfarrer wurde. I n feinem
neuen Amte benutzte er jede Gelegenheit,
um seiner Anhänglichkeit an die gesetz.
liche Regierung Ausdruck zu geben. Zu»
nächst that er dies bei dem feierlichen
Trauergottesdienfte, welcher aus Anlaß
des Ablebens des Kaisers Franz im
März 1835 stattfand. I n Gegenwart
der versammelten ruthenischen Geistlich«
keit des Decanates Stanistawow und
der landesfürstlichen Behörden hielt er
in d eutsch er Sprache die Gedenkrede,
welche dann sowohl im Originaltexte als
in polnischer Uebersehung auf Kosten deS
KreiSamtes gedruckt und unentgeltlich
vertheilt wurde. Und damit war der
polnischen Partei wenig Freude gesche-
hen. I m Uebrigen lag Sz aSzkiewicz
den Pflichten seines geistlichen Amtes ob
und suchte durch zweckmäßige Einrich-
tungen der in sehr verwahrlostem Zu»
stände übernommenen Pfarre aufzu»
helfen, waS ihm auch allmälig gelang.
Dadurch steigerte sich sein Ansehen in der
Umgebung und selbst in polnischen Kreisen
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon