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immer mehr. AuS dieser gedeihlichen
Thätigkeit wurde er durch die März«
ereigniffe des Jahres 1848 aufgeschreckt.
Als am 20. März die Kunde von den
Ereignissen in Wien über Lemberg nach
Stanistawow gelangte, rief sie eine
unbeschreibliche Aufregung unter den
polnischen Patrioten hervor. Bald war
Stanistawow der Hauptschauplatz der
politischen Nmtriebe der sogenannten
polnischen Partei, welche durch daS
Gebaren der damaligen Nationalgarde
einen immer weniger harmlosen Cha«
rakter annahmen. Das ruthenische Land«
volk sah diesem Treiben mit verbissenem
Unmuthe zu, und als es demselben hie
und da Luft machen wollte, und Aus«
brüche der Leidenschaft wie im Jahre
l846 zu besorgen waren, beschwichtigte
Szaszkiewicz die Aufgeregten und
bewahrte die Gegend vor Gräueln, die
um so weniger ausgeblieben wären, als
nun auch die frei gewordene Presse alleS
that. die Gemüther aufzustacheln und den
Parteihader zu fördern. Als daS von
Julian Alexander Kamii iSki >M. X,
S. 421^ herausgegebene Flugblatt „Oo
to 8is stata ^'6 I^o-nis?") d. i. Was
ist denn in Lemberg geschehen?, die Er-
eignisse in polnisch-revolutionärem Sinne
darlegte, da gab unser Pfarrer Ant»
wort darauf in einer Gegenschrift vom
29. März 1848. Der Terrorismus der
polnischen Partei vereitelte die Druck,
legung, dagegen konnte die Handschrift«
liche Verbreitung nicht hintertrieben
werden, und durch diese ging den ruthe»
Nischen Geistlichen erst ein Licht über die
Lage der Dinge auf. Der Gegensatz von
ruthenisch (gesetzlich) und polnisch (revo-
lutionär), bisher noch nicht klar ausge«
sprochen, begann sich allmälig deutlicher
zu gestalten. Als am 9. Mai eine Ver«
sammlung nach Stanistawow einberufen ^ wurde, um auf Geheiß der alsbald so
verhängnißvoll wirkenden Lemberger
naroäo^a (Nationalrath) eine
od^oäo^H (d. i. Kreisrath) zu
constituiren, die ganz nach den Wei»
sungen der ersteren agitiren und wühlen
sollte, erhielt auch Szaszkiewicz eine
Einladung, welcher er aber nicht Folg.e
leistete. Ungeachtet dessen ward er in
der Versammlung, die bald darauf
stattfand, zum Mitgliede des leitenden
ComitH'S deS Kreisrathes gewählt und
zur Annahme dieser Stelle durch eine
eigens an ihn abgesendete Deputation,
welche aus einem ruthenischen. einem
lateinischen Geistlichen und zwei Edel»
leuten bestand, zu bewegen gesucht. Sich
Bedenkzeit erbittend, blieb er mit seiner
Entscheidung in der Schwebe, doch schon
am nächsten Tage, nachdem er die Situa«
tion überblickt und scharf geprüft hatte,
schickte er an das Comit6 seinen Absage«
brief. Dieses aber hatte bereits des in
der dortigen Gegend einflußreichen Na«
menS deS Gewählten sich aus eigener
Machtvollkommenheit bedient, um für
die polnischen Parteizwecke zu wirken.
Als er davon Kenntniß erhielt, ließ er
eine diesen Vorgang entschieden ableh»
nende und seinen loyalen Standpunkt
wahrende Erklärung vom 12. Mai 1848
drucken, öffentlich in der Stadt Stani«
stawow anschlagen und dann nach allen
Seiten versenden. Mit dieser damals
einzig in ihrer Art in Galizien dastehen«
den Antwort erklärte er der polnischen
Rebellion, die sich latent entwickelte, den
Krieg, trat der Ruthene offen in ent«
schiedene Opposition gegen die Polen.
Indessen faßte die Kaäa. od^oäo-^a
immer festeren Fuß, die Behörden hatten,
wie eS schien, den Kopf verloren, denn
am 9. Mai erließ jene ganz offen ein
Manifest, worin sie sich als legitime
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon