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radicalen Blättern als Feind des Volkes
und der Freiheit denunciirt zu werden. Und
er war weder das eine noch das andere,
sondern stand fest auf dem Boden des
Gesetzes. Im Reichstage fand die erste An>
näherung zwischen S zaszki ew icz und
Franz Grafen S tad ion statt. Es war
in jener Sitzung, in welcher der polnische
Abgeordnete Karl Ritter von Hubicki
^Bd. IX, S. 377) den Minister beschul-
digte. sich unparlamentarischer Mittel bei
den Abstimmungen deS Abgeordneten
Hauses zu bedienen. Als eine in dieser
Angelegenheit aufgestellte Special'Com
mission den ganzen Vorgang untersuchen
sollte, wurde Szaszkiewicz von dem
Grafen zu seinem Arbeiter in dieselbe
gewählt. Von diesem Augenblicke — es
war am 6. September — nachdem er
bereits drei Monate früher die von den
Radicalen und Polen so gehaßten Ruthe»
nen „erfunden" hatte, datirt der nähere
Verkehr zwischen ihm und Stad ion ,
nachmaligem Minister des Innern. Als
stch dann im Reichstage auS den Mit-
gliedern der streng monarchisch'conserva-
tiven Fraction ein eigener Verein bildete,
dem unter Anderen Lasser, Helfert .
Ritter von Neu wa l l , Cajetan von
Mayer beitraten, warSzaSzkiewicz
von allen ruthenischen Abgeordneten der
Einzige, der demselben beigezogen wurde.
Nach den Vorfallen vom 6. Octobcr hielt
er fein Verbleiben in Wien für seine per»
fönliche Sicherheit bedenklich, er begab
sich daher am 40. d. M. nach Brunn,
um daselbst den Gang der Ereignisse
abzuwarten; als er aber sah. wie der
Reichstag fortwährend tagte und Be»
schluß um Beschluß faßte, kehrte er am
13. nach der Hauptstadt zurück, um die
übrigen ruthenischen Abgeordneten zur
Abreise zu bewegen, und fuhr am Brunn nach Olmütz, wo fich bereits das
kaiserliche Hoflager befand. Dort traf er
auch mit dem Grafen S tad ion wieder
zusammen. Als nun unter den in
Olmütz versammelten Staatsmännern
und Reicbstagsdeputirten Besprechungen
über die politischen Verhältnisse des
Kaiserstaates stattfanden. erhielt er
wohl auf Veranlassung seines GönnerS,
deS Grafen S t a d i o n , eines Tages
von dem nachmaligen Minister«Prasi»
denten Fürsten Felix Schwarzen»
berg die schriftliche Einladung zu einer
solchen Besprechung, und am Schlüsse
derselben stellte der Fürst, welcken er
damals zum ersten Male sah, ihm den
Antrag, in den Staatsdienst zu treten.
SzaSzkiewicz erklärte sich dazu be«
reit. Indessen wurde der Reichstag nach
Kremsier verlegt, auch er nahm seinen
Platz in demselben wieder ein und war
in der früheren Weise thätig. Am 17. De«
cember 4848 erfolgte seine Ernennung
zum wirklichen Ministerialrathe im Unter«
richtSnimisterium, in welchem nach Auf«
lösung des Reichstages im März 1849
er seinen Posten mit dem Vorbehalte
antrat, daß, wenn er dem für ihn ganz
neuen Wirkungskreise sich doch nicht
völlig gewachsen zeigen sollte, ihm auf
die Dauer von vier Jahren die Rückkehr
in seine kleine ruthenische Pfarre zu
Unrinow gesichert bleibe. Im Ministe»
rium siel ihm die Leitung deS Departe»
ments der Volksschulen und Gymnasien
n Galizien zu; neben den Arbeiten
seines unmittelbaren amtlichen Berufes
aber wirkte er bei der Conti ole der
ruthenischen Uebersetzung des Reichs»
gesetzblattes. dessen Gründer und längere
Zeit einziger Träger er war; bei der
Commission, welche der Iustizministcr
m Jahre 1849 zur Feststellung einer
18. auch mit mehreren derselben über ^ juridisch » politischen Terminologie in
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon