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AasMewicz 200
allen österreichisch «slavischen Sprachen
eingesetzt hatte; 1330 im Ministerium
des Innern bei der Berathung der gali«
zischen Grundentlastungs. Verordnung:
1831 bei der ruthenischen Nebersetzung
der Gemeindeordnung für Lemberg;
1852 bei der Herstellung und HerauS«
gäbe der rathenischen juridisch'politiscben
Terminologie, sowie bei der Bearbeitung
der sämmtlichen ruthenischen in wieder«
holten Auflagen erschienenen Schul-
bücher. deren einige er zum größten
Theile selbst verfaßt hat. Zu öfteren
Ätalen wurden ihm für diese vielseitige
und ersprießliche Verwendung auSzeich-
nende Decrete der Rcgieung zutheil.
Auch versah er seit Februar 1838 die
Functionen eines Obervorstehers des
griechisch-katholischen Central«Seminars
in Wien und mußte bei der lückenhaften
Bestellung des Leitungspersonals nicht
selten die Stelle deS RcctorS selbst ver«
treten. Nach der im Jahre 1863 einge«
tretenenAuflösung deS k. k. Ministeriums
für Cultus und Unterricht erhielt er die
ruthenische Dompropstei in Przemysl,
und seine feierliche Installation fand am
18. August d. I . statt. Durch diese Er«
Hebung wurde er zu gleicher Zeit Mit»
glied des bischöflichen Konsistoriums.
1866 übernahm er die Direction deS
Diöcesan-PriesterhauseS und fungirte auch
als Präses des bischöflichen Ehrengerich.
teS. Als 1869 die Institution der Pro«
synodal« Examinatoren ins Leben trat,
erfolgte seine Ernennung zum stetigen
Mitgliede derselben und dann zum Ob»
manne der jeweiligen Prüfungs > Corn»
mission. Nach Errichtung der Bezirks»
rathe wurde er wiederholt in jenen des
Przemysler Bezirkes gewählt. 1867 be«
rief ihn der Landbezirk Cieszanäw. dann
1871 jener von Przemysl in den Land«
tag. Durch die ganze sechsjährige Ses- sion desselben nahm er als Obmann des
Clubs der ruthenischen Abgeordneten
in hervorragender Weise an den Ver»
Handlungen Theil und verfocht mit Ande-
ren die Rechte und Interessen seiner Na»
tionalität. I n der Sitzung vom 2. Oc«
tober 1871 warf er bei Beginn der Be«
rathung über den von Klaczko verfaß«
ten Adreßentwurf, in welchem derselbe die
polnischen Abgeordneten Gott bitten laßt,
daß er geruh e (!!!) , den Polen
in seinem und seiner Partei Namen offen
den Fehdehandscbuh vor die Füße. „Ich
sehe", rief er aus. „vor allem die Noth»
wendigkeit nicht ein. daß wir eine Adresse
beschließen. Ein kaiserliches Rescript ge«
langte nicht an den galizischen Landtag
herab, folglich wünscht Seine Majestät
von uns keine Adresse. Unsere inneren
Verhältnisse aber sind entweder solcher
Natur, daß ihnen der Landtag selbst
Genüge zu leisten vermag, weshalb eS
überflüssig wäre, derselben in einer Adresse
zu erwähnen, oder sie betreffen dieruthe«
nische Nation, der I h r hartnäckig
die G e w ä h r u n g n a t i o n a l e r
Rechte verweigert , die I h r als
Heloten bet rachte t und m i t
steter Bedrückung peinigt und
demüthigt. Dieser letzteren inneren
Verhältnisse in einer Adresse zu erwäh«
nen, das wäre allerdings am Platze...
Wir geben uns übrigens keiner Tau-
schung hin und glauben kaum, daß ein
Ausgleich je zu Stande kommen werde;
Ihr werdet Euch mit uns schwerlich „aus«
gleichen" wollen. Wir hegen Treue gegen
den Thron und sind für empfangene
Wohlthaten dankbar, jedoch sehen wir uns
gegenwartig nicht veranlaßt, diesen Ge<
fühlen in einer Adresse Ausdruck zu geben,
dennwir sind nicht erst jetzt tre u.
Die Regierung versprach die Wiederher«
stellung des inneren Friedens. Nicht mit
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon