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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Susil-Szeder, Band 41
Seite - 236 -
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Seite - 236 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Susil-Szeder, Band 41

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, Dionys 236 y^ Dionys brand, und ein Neffe des Grafen Steph an. Neber seine Vergangenheit bis zu der Zeit des denkwürdigen 1861er Landtages, in welchem er als Abgeord neter von Eisenstadt- erschien, liegen keine Nachrichten vor. Auf jenem Land< tage aber sprach er in der Sitzung vom 27. Mai als erster Redner in eindring licher Weise gleich seinem Vetter Bö la für die Adresse. Aus seiner Rede. die durch ihren ruhigen Ton gegen die von leidenschaftlichem Pathos getragene des Grafen Eduard Käro l y i . der die Adresse verwerfend, entschieden für den Beschluß sich erklärte, in wohlthuender Weise abstach, sind ein paar Stellen be« merkenSwerth. welche die ganze Politik deS Grafen kennzeichnen. Die Frage von der praktischen Seite betrachtend, meint er treffend, daß Ungarn, wenn es die Zukunft mit der Vergangenheit verbinden wolle, oder auf den gesetzlichen Pfad zu treten und das Verfassungsleben wieder aufzunehmen wünsche, dieS ohne einen gekrönten König nicht erreichen werde. „Daß wir aber früher oder später wahr scheinlicher das Ziel erreichen, wenn wir mit dem Regenten nicht in Beziehung treten, verstehe ich mit meiner beschei denen Dorflogik so wenig, als wenn Jemand seinen gebrochenen Arm geheilt wünschte, aber nicht zuließe, daß der Arzt die beiden Enden des Beines näher zu einander bringe". Und nach dieser un. abweislichen Logik kommt nun der Graf zu dem Schlüsse: Se. Majestät Franz I o sep h wird entweder gekrönter unga- rischer König oder nicht. Wird er es, werden wir es nie bereuen, mit der ge- ziemenden Ehrfurcht gegen ihn unS be. tragen zu haben; wird er es nicht, dann werden wir nicht bedauern, Alles gethan zu haben, was möglich war, und die Welt wird überall eher die Ursache deS schlechten Erfolges finden, als bei uns". Anläßlich dieser Rede des Grafen fand sich ein Publicift zu folgenden Bemerkun. gen veranlaßt: ,Des Grafen Dionys Kaltblütigkeit verrath Sz 6 cheny i'scheS Diplomatenblut. I n der Politik sucht er positive Grundlagen; nicht Principien, sondern Thatsachen sind es, worauf er Gewicht legt. Und nicht mit Unrecht; denn nur dem Geschichtsforscher, und auch da sicherlich nur dem einer viel spä- teren Zeitepoche angehörigen, ist es ge« geben, daS bewegende Princip, die Theorie der geschehenen Dinge zu er« gründen, die bewegenden Hebel der Gegenwart sind thatsächliche Verhält- nisse. Nach seiner mit Leichtigkeit und eleganter Einfachheit gehaltenen Rede zu urtheilen, ist der Graf ein nüchterner Mann, der sich allenfalls in eine ver» führerische Schönheit verlieben kann, sie aber gewiß nicht zum Weibe nimmt. I r hält große Stücke auf die Franzosen, will aber nicht, daß wir in ihre Fuß- stapfen treten; denn nicht jede Nation ist so groß und in einer so glücklichen Lage, um von so gewaltigen Krisen sick so leicht zu erholen, wie die französische. Sagt doch schon ein grober Poet deS Alterthums: quoä ÜQ6t ^ov i . . . Aber er ist nickt nur von nüchterner Besonnen» heit, fondern scheint auch gründliche Kenntnisse zu besitzen, und eben deshalb möchten wir ihm eine kleine Dosis Am- bition wünschen, denn ob es auch wahr, daß der Ehrgeiz manche leichte Waare auf die Oberfläche treibt und unbedeu» tende Menschen eine Rolle spielen läßt. o ist es doch ebenso wahr, daß, wo dies Ingrediens fehll, selbst das schönste Talent brach liegen bleibt. Mit dieser Bemerkung wollen wir nicht anzüglich sein, ftmdern aufmuntern, denn der edle Graf ist noch in dem glücklichen Alter,
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Susil-Szeder, Band 41
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Susil-Szeder
Band
41
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1880
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
340
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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