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ni) Francisca i^ Francisca
60.000 fl., welche ihre drei Brüder ihr
jährlich in Folge des Testamentes ihres
seligen Vaters als Apanage zahlten,
vorbehalten hatte. Es darf hier nicht
unerwähnt bleiben, daß Francisca der
rationellen Bewirthschaftung ihrer aus»
gedehnten Güter die eindringlichste Sorg'
fält widmete und dabei keine Kosten
scheute. Die Zusammenlegung der Grund»
stücke und die Regulirung ihrer Liegen«
schaften nahm sie bereits vor Jahren
mit bedeutenden Opfern vor. Sie ließ
viele Tausend veredelte Obstbäume
pflanzen, die Berieselung der Wiesen be«
werkstelligen. eine Dreschmaschine und
für die Tuchmacher eine Spinnmaschine
anschaffen, wie auch eine Papiermühle
und eine großartige Brennerei errichten;
ferner ließ sie Garten anlegen, Alleen
pflanzen, Versuche mit der künstlichen
Forellenzucht anstellen und einen artest-
schen Brunnen bohren. Außerdem ver»
wendete fie große Summen auf Ver-
edlung der Schaf», Rinder» und Geflügel«
zucht. An dem von ihr gegründeten
Kloster ließ sie bis zu ihrem Tode bauen.
Unter Anderem versah sie es mit einem
ausgedehnten schönen Garten, mit Fel»
dem, Wiesen und Waldungen, mit einer
Schweizerei und allem sonst Nöthigen
und theilte eS in ein Kranken- und Sie«
chenhaus, in eine Lehr« und Erziehungs«
anstatt und in ein Waisenhaus ab. Im
Jahre 4836 wurde durch die Schwestern
mit 420 Zöglingen in zwei Classen eine
öffentliche, gut eingerichtete Mädchen»
schule eröffnet; bald darauf eine Schule
für weibliche Handarbeiten mit 20—30
Schülerinnen und eine Kleinkinderschule
mit 50—60 Kindern und ein Waisen-
erziehungshaus mit 20 Waisen. Das
Spital ist mit 30 Betten versehen, und
eS werden in demselben jährlich 2—300
Kranke aufgenommen. Bis 1861 belief sich die Zahl der in dieser Anstalt ver«
pflegten Kranken auf 2470. Eine befon«
dere Abtheilung des Spitals ist für
Augenkranke bestimmt, und der Insti.
tutsarzt, Dr. S t ö h r hat bisher
mehrere Hundert Augenkranke, die aus
Oesterreich, Steiermark und aus vielen
Comitaten Ungarns bei ihm Hilfe.,,
suchten, mit dem besten Erfolge overirt.
Alle wurden durch die Mildthätigkeit
Francisca's unentgeltlich gehegt und
gepflegt. Nach ihrem Eintritt in die Ver-
sammlung der Töchter der christlichen
Liebe ließ sie sich nie mehr anders als
nach ihrem Taufnamen ,>Schwester
Franc isca" nennen. Die Regel des
Hauses befolgte sie auf daS genaueste.
Sie stand ungeachtet ihres vorgerückten
Alters täglich um vier Uhr Morgens auf
und hielt pünktlich die sie treffende Nacht»
wache, bis die äußerste Schwäche sie
daran hinderte. Auf den klösterlichen
Gehorsam legte sie ein so großes Ge«
wicht, daß sie nie ohne Erlaubniß was
unternahm. Alle verlassenen Witwen,
alle armen Kranken, alle die in Be-
drängniß hilflos schmachteten, halten an
ihr eine Freundin, eine Trösterin, eine
liebevolle Mutter. F r a n c i s c a'S
Nächstenliebe ging so weit, daß sie oft die
von ihrem einfachen Mahle sich abge»
sparten Speisen den Kranken im Markt«
stecken brachte, die sie mit aufopfernder
Hingebung pflegte; sie besuchte auch alle
auswärtigen Kranken im Markte, sprach
ihnen Trost zu und bereitete die Ster«
benden auf ein seliges Ende vor. Alle im
Spitale und viele, die außer demselben
starben, ließ sie auf ihre Kosten beer»
digen. Ihre volle Hingebung an die
armen Kranken zeigte sie besonders bei
ansteckenden Krankheiten und rettete durch
ihren wahren Heldenmuth mehr als
Einem das Leben. Den Hausarmen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon