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i) Franz 248 i) Franz
selben durch eine feierliche Gesandtschaft
in Neapel überreicht werden sollten. Zu
dieser Botschaft wählten die Stande
Ungarns den Grafen Franz Sz6-
ch eny i, welcher sich der Sendung auch
unterzog, die großen damit verbundenen
Kosten ganz aus Eigenem bestreitend.
Am königlichen Hofe zu Neapel fand er
die glänzendste Aufnahme und würde
bei dieser Gelegenheit mit dem Groß«
kreuze des IarruariuSordens ausgezeich«
net. Von Neapel aus besuchte er Rom,
Florenz und die bedeutenderen Städte
Italiens, und heimgekehrt, nahm er
dann wieder an den öffentlichen Ange«
legenheiten Theil, keinen Tag ohne Be»
thätigung seiner Vaterlandsliebe vor«
übergehen lassend. DieS bewies er zu-
meist im Jahre 1797, in welchem er,
ganz den Traditionen ungarischer Magna-
ten folgend, Geld. Mannschaft und
Lebensrnittel zur Abwehr des Feindes
und Unterhaltung der kaiserlichen Armee
in ausgiebigster Weife beistellte. 1798
ernannte ihn Kaiser Franz zum Ober-
gespan des Sümegher Comitates und
noch im nämlichen Jahre zum königlichen
Commiffär bei der Regulirung der Flüsse
Dräu und Mur, 1799 zum Beisitzer des
obersten Reichsgerichtes, der Septem»
viraltafel. am 6. October desselben
Jahres zum obersten Kämmerer des
Königreiches Ungarn mit Uebertragung
des Präsidiums bei der Septemvirtafel
in Verhinderungsfällen des obersten
Richterg ^uäex Ouriae). 1807 bestellte
ihn der Kaiser zum Administrator der
Obergespanswürde in der Eisenburger
Gespanschaft, und als sich der Monarch
am 6. Jänner 1808 zum dritten Male,
mi tMar iaLudov ica Beat r i rvon
Este, vermalte, verlieh ihm derselbe die
höchste Auszeichnung, die einem Magna-
ten zutheil werden kann. den Orden des ! goldenen Vließes. Im darauffolgenden
Jahre 1809 gab Graf Szschenyi
erneuerte Beweise seines Patriotismus
durch die großartigsten Spenden, denen
er dadurch die Krone aufsehte, daß er
seine drei Söhne Ludwig . Pau l und
S t e p h a n zur InsurrectionSarmee
sandte. Da nöthigte ihn im Jahre 1811
eine immer mehr zunehmende Augen«
schwäche, alle seine Aemter niederzulegen,
und er nahm nun seinen bleibenden Auf»
enthalt w Wien. Zwei Umstände noch
sind es vor Allem, welche dem Grafen
Szöchenyi eine untilgbare Erinnerung
in der Geschichte seines Vaterlandes, ja
jelbst in der weit allgemeineren der
Wissenschaften sichern: die Gründung
des ungarischen Nat ionalmuseums
und die Schenkung seiner B ib l io .
thek an sein Vaterland. Durch die
erstere That gab er den Anstoß dazu,
daß auch in anderen Provinzen des
Kaiserstaates ähnliche Instltute ins Leben
traten, so u. a. das Ioanneum zu Gratz,
das FranzenS'Museum zu Brunn, das
Museum in Prag. Die Zeit genau zu
bestimmen, in welcher die Gründung des
Nationalmuscums stattfand, ist kaum
möglich, doch möchte dieselbe in das
Jahr j?92 zu setzen sein. in welchem der
Graf beschloß, der Nation seine Biblio-
thek zu schenken. Was nun diese letztere
betrifft, so erhielt feine Nation damit
einen Schah, einzig in seiner Art. Der
Graf, von erster Jugend den Wissen«
schaften hold, hatte in der Heimat und
auf seinen Reisen durch aller Herren
Länder mit Mühe und Sachkenntniß
alles gesammelt, waS auf die Kenntniß
und Geschichte seines Vaterlandes nur
einigermaßen Bezug haben oder zu diesem
Zwecke benützt werden konnte. Aber
nicht blos Bücher zog er in den Bereich
dieses seines patriotischen Sammeleifers,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon