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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Susil-Szeder, Band 41
Seite - 260 -
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Seite - 260 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Susil-Szeder, Band 41

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i) Stephan 260 S)ächenyi, Stephan die Ergebnisse seiner Beobachtungen und Studien in einer besonderen Schrift nieder und brachte sein Project vor den Landtag. Aber nicht bloS um eine kolos« sale Brücke handelte eS sich dabei, son« dein um eine verfassungsmäßige Reform, frage, nämlich die der al lgemeinen Besteuerung, ein in Ungarn bis dahin noch nicht dagewesener Fall. Denn ohne Ausnahme sollte Jeder, der die Brücke passiren wollte, verpflichtet sein. den Zoll dafür zu entrichten. DieS gab im Reichstage lange und heftige De batten, bis der Sieg errungen und somit das Princip der gleichen Tragung der öffentlichen Lasten ausgesprochen und angenommen war. Bei diesem Ausgange der Sache erklärte ein alter Gerichtstafel, beisitzer (I3.dl2.dil6) in Thränen: „Nun ist der Tod der schönen ungarischen Frei- heit eingetreten, und ich will diese unglück- selige Brücke nie beschielten". Dagegen erblickte in dem bedeutungsvollen Er« gebniß ein Biograph Szächenyi's sogar die Rettung der Nation und besonders des ungarischen Adels, welchem der Graf für ewige Zeiten den Dank und die Sympathie des ganzen Volkes erwarb, ja den er sogar vor dem Schicksale des polnischen Adels bewahrte. Inzwischen blieb er auch liteiarisch nicht unthätig, sondern arbeitete fleißig an seinem dritten epochemachenden Werke, welches 1833 unter dem einfachen Titel „Stadium" im Drucke erschien, und worin er mit seinem schon oft bewiesenen politischen Scharfblicke die Aufgaben des neuen Reichstages zergliedert und die Wege weist, welche der Staat einzuschlagen habe. um das Volk in seiner Gesammt- heit. ohne Unterschied der Stände, einer gedeihlichen Wohlfahrt entgegenzuführen. Wahrend er so ununterbrochen beschäf- tigt war, seinen reformatorischen Ideen theils durch Flugschriften, theils durch Iournalartikel im Lande Eingang zu verschaffen, geschah es denn auch, daß er manche seiner in früheren Jahren im Feuereifer des Reformirens auSgespro- chenen Ansichten einigermaßen modisicirte und dadurch seinen offenen und heim« licken Gegnern im Vorwurfe der Incon« sequenz eine Handhabe zu erbitterten Angriffen darbot. Insbesondere als er die bereits oben anlaßlich des Pesth« Ofener Kettenbrückenbaues erwähnten Ideen einer allgemeinen Besteuerung entwickelte, beschwor er einen ungeahnten Sturm über sich herauf, in welchem er auch von vielen seiner bisherigen An» Hänger verlassen wurde. So fest hatte sich das Unrecht von Jahrhunderten in die Herzen der Privilegirten eingenistet, daß sie eS für Hochverrath hielten, als eS Einer wagte, ihnen offen ins Gesicht zu sagen, daß, was sie als ein von Gott ihnen eingeräumtes Vorrecht ansahen, nichts weiter sei als Betrug, Diebftahl am Eigenthum, an den Rechten des ihnen gleichstehenden Nebenmenschen. Der heftigste Gegner erwuchs dem Grafen in K ossut h, dem es ja nie um das Glück seines VolkeS, sondern nur um den Kranz der höchsten Volksthüm» lichkeit zu thun war, mochte derselbe auch statt aus Edelweiß auS trüben Blüten geflochten sein. I n seinem Blatte egti NriHp« griff der Agitator Sz6- chenyi's kühne Politik mit allen Waffen seiner glanzenden Dialektik an und hatte die Genugthuung, alle Gedankenlosen mit seinen alles ernsten Inhaltes ent- behrenden Phrasen zu blenden. Aber dieS erwog damals die Menge, die lange noch nicht auf der Stufe stand, um selbst zu urtheilen und die Worte zu wägen, nicht im mindesten. Sie folgte dem Agi« tator und mißtraute dem Aristokraten.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Susil-Szeder, Band 41
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Susil-Szeder
Band
41
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1880
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
340
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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