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i) Stephan 262 i) Stephan
treiben. Aber nicht Kossuth allein, der
magyarisirte Slovak. auch Männer auS
Sz6chenyi's eigener Kaste stellten sich
ihm feindselig entgegen. I n der Sitzung
vom 3. October 1844 griffen zwei Mag
naten, die Grafen Karl Zay und Joseph
PHlf fy, den edlen Reformator in un«
würdigster Weise an, Ersterer sogar ver>
achtlich auf daS goldene Vließ anspielend,
daS Szöchenyi's würdiger Vater,
Graf Franz, mit Ehren getragen, wie
er es mit Ehren empfangen. Auf diese
schonungslosen Angriffe erwiderte Szö<
chenyi von seinem Platze und schmet.
terte die Angreifer in gemefsener Weise,
aber mit der ganzen Wucht seiner Redner
gäbe nieder. Doch kaum hatte er aus»
gesprochen, da, so meldet daS Protokoll
deS Oberhauses, stürzte er ohnmächtig zu>
sammen. und da die Theilnahme und der
Schrecken allgemein war, wurde die Be«
rathung auf längere Zeit unterbrochen;
und erst als über das Befinden des Gra»
fen beruhigende Nachrichten anlangten,
beschwichtigte
sich der allgemeine Schrecken
und ward die Sitzung fortgesetzt. Wir
haben bisher etwaS weit ausgeholt, um
ein möglichst klares Bild der politischen
Situation zu geben, in welche ein Mann
wie Szechenyi mitten hineingestellt
war. Nun können wir unS im Folgenden
gedrängter fassen, denn die Bedeutung
eineö so großen, hochfinnigen und gewal.
tigen Mannes, dem ähnliche in Jahr«
Hunderten nur meteorartig, nur verein»
zelt auftauchen, laßt sich nicht in Bänden,
geschweige im Artikel eines Lexikons, ge-
bührend würdigen. Prophetischen BlickeS
hatte Graf Stephan sein eigenes
und seines Volkes Schicksal voraus«
gesehen, sein eigenes, als er im Schmerze
über die Gefahren, in welche er im Geist
sein Vaterland durch Agitatoren hinein»
gerissen sah, auSrief, daß: .gibt die Ge« schichte ihm Recht, es ihm unmöglich
sein würde, über den Schmerz, daß er
richtig im Geiste geschaut, nicht wähn«
sinnig zu werden", und an Kofsuth
richtete er in einer seiner Broschüren die
Apostrophe: „Sie haben gleich Fernando
Cortez hinter sich die Schiffe in Brand
gesteckt und können sie nicht mehr retten.
Sie haben wie ein aufgeregter Karten-
spieler das „^2. daraus" gesprochen
und find nun gezwungen, im Falle Sie
nicht verlieren und abtreten wollen, Ihre
Haut, ja Ihre Seele aufs Spiel zu
setzen". Und er hat beide aufs Spiel
gefetzt und mit ihnen das Loos seines
verblendeten Volkes, seines beklagenS«
werthen Vaterlandes. Durch daS Ge>
baren der Opposition isolirte sich Sz6«
chenyi's Stellung mit jedem Jahre
mehr, aber sein Antagonismus gegen
Kossuth und dessen Partei verschärfte
sich auch mit jedem Jahre, und keine
Gelegenheit ließ der Graf vorübergehen,
wo er nicht ihr Vorgehen in rückfichtS»
loser, leider wenig erfolgreicher Weise
geißelte. Es schien, als wäre die Nation,
die in den Jahren nach 1790 allmälig
die Sehkraft verloren hatte und nach
Sz 6 chenyi's Auftreten im Jahre 1325
wieder geschärften Blickes zu schauen
begann, mit einem Male geblendet von
dem vielen Lichte, daS man über sie
ergoß. Und wenn Szöch enyi noch so
klar und eindringlich eine verkehrte
Maßregel der Opposition darstellte,
diese erhielt dennoch den Sieg. So ge-
schah es, als Kossuth die Vukovär.
Fiumaner Eisenbahn befürwortete, welche
Szächenyi mit schlagenden Einwänden
wohl energisch, aber vergeblich be>
kämpfte. Der Graf machte geltend, daß
diese Bahn gar nicht den universellen
Interessen entspreche, da sie nicht ein
einziges ungarisches Dorf berühre; daß
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon