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i) Stephan 263 ) Stephan
sie ferner nicht vom Centralpunkte des
Landes, von Pesth-Ofen ausgehe, sondern
nur zu dem Zwecke projectirt worden zu
sein scheine, die Südslaven mit ein
ander und mit dem Meere eng zu ver>
binden und die schnelle Zusammenziehung
der Grenzregimenter zu ermöglichen.
Und er hatte richtig vorausgesehen und
behielt Recht. Die Ereignisse des Jahres
4848 haben eg bewiesen. Aber trotz aller
Vorstellungen und Einwendungen, so
sachlich, so überzeugend sie waren, er
zielte er keinen Erfolg. Kossuth und
seine Partei blieben in dieser Frage
Sieger. Im Jahre 1846 wurde der Graf
Präsident der Communicationsabthei
lung bei der Statthalterei. Nun war
ihm wohl ein ansehnlicher Wirkungskreis
geboten, aber dagegen fehlte es auch
nicht an Beschwerlichkeiten, wie sie ge>
rade dieses Amt begreiflicher Weise mit
sich bringt. Zudem war er vor einen
leeren Tisch gestellt, eS galt, alles erst
schaffen, denn es fehlte geradezu alles.
Aber seine Energie erlahmte nicht, alle
Hindernisse auö dem Wege raumend,
ging er entschlossen an seine lohnende
Aufgabe, denn hier konnte er dem Lande
ein Wohlthäter werden, "und er würde
es sicher auch geworden sein, wenn nicht
die Ereignisse seinen Absichten voraus«
geeilt waren. Zunächst arbeitete er seinen
TheißregulirungSplan aus, durch welchen
nicht weniger denn hundertfünfzig
Quadratmeilen, ein Areal, größer als
manches deutsche Fürstenland, dem
Vaterlande gewonnen wurden. Jetzt
schien eö wieder, als wären dem Volke
mit einem Male die Schuppen von den
Augen gefallen, denn als er die Theiß-
gegenden bereiste, gewann er in über-
raschender Schnelligkeir die alte Popu-
laritat. Während in Pesth die Parteien
ungehalten waren, oder gar ihn verdach« tigten, wurde in der großen Ebene Un»
garns der Edle überall mit Jubel und
lauter Begeisterung empfangen. I n
seiner Stellung in der Communications»
abtheilung der Statthalterei war ihm
auch Gelegenheit geboten, seine Ideen,
und in diesen war er nicht nur uner-
schöpflich, sondern auch der Mann, das,
was er in Antrag brachte, auszuführen,
in großartigen Umrissen zu fassen, und es
entstand damals sein so interessanter
an über die Organisation des Com.
municationSwesens in Ungarn, der auck
kurz vor Ausbruch der Revolution die
Presse verließ. Nach diesem Plane sollte
die Eisenbahn mittels vier Hauptlinien,
der Pefth. Wiener, Pesth .Fiumaner,
Pefih<Arader und Pesth.Kaschauer, das
Land in vier beinahe gleiche Theile
schneiden und so dieBafiS des gesammten
IandeSverkehrS bilden. Kur; vorher
aber hatte er noch, durch die Aufsatze
Kossu th ' s im „Nsti lap«, d. i.
Wochenblatt, veranlaßt, in seinen poli«
ischen „Programmfragmenten" die denk«
würdigen Worte gesprochen, die uns
,hn immer als den politischen Seher
eines Vaterlandes erscheinen lassen. .Der
Organismus deS Vaterlandes wird er«
chüttert werden, das Herz der einftuß.
wichsten Patrioten wird qualvoll bluten
>ei dem Gedanken, welch schöner Zu»
unft daS Vaterland ohne diese unbe«
onnene Umwälzung hatte entgegen«
zehen können, dann werden sie gezwun»
zen sein, zum äußersten Mittel zu greifen,
und allein im eifrigen Gebete Staats»
eisheit zu suchen und wieder zum Gott
er Ungarn zu stehen, daß er sich unserer
Unmündigkeit erbarmen und unS helfen
möge." Geradezu zerschmetternd aber
autet eine in seiner Schrift: .Programm"
egen Kofsuth gerichtete Prophe-
eiung, die sich ihrem ganzen Wortlaute
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon