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Szschenyi, Stephan 271
lung Ungarns bis 1848. Aus dem Nachlasse
des Grafen Stephan Szschenyi (Pesth
1865, Egaenberger. gr. 8«. V I I I u. l68 S.).
«H-srii k i v.o uktd kQ«, d i. Die Werke
des Grafen Stephan Szschenyi in
zeitgemäßem Auszüge (Pesth 18?0. Heckenast,
gr. 8«.).
I I . Vras Szöchenyi als Soldat., Aus der Lebens,
stizze bereits erfuhren wir. daß Graf Szs<
chenyi in der kaiserlichen Armee mit Ruhm
gedient. Seine Waffenthaten sind in Kürze fol«
gende-. Am Abend des 17. October 1813, als
die verbündeten Armeen bei Leipzig standen,
war Fürst Schwarz enb erg in Ungewiß»
heit, ob er am folgenden Tage darauf rech»
nen könne, bei dem Angriffe, den er mit der
Hauptarmee für den 18. beschlossen hatte,
durch den Feldmarschall Blücher unter«
stützt zu werden, indem man in jenem Zeit»
punkte außer Verbindung mit dem schlesi»
schen Heere stand. Fürst Schwarzenberg
äußerte sich gegen seine Umgebung, daß es
höchst wünschenSwerth wäre, wenn sich Je«
mand fände, der dem Feldmarschall Blücher
die Aufforderung zum gleichzeitigen Angriff
überbringen möchte, ein gefährliches Unter,
nehmen, weil, um den Feldherrn noch zeitig
zu erreichen, es lein anderes Mittel gab, als
die französischen Vorposten, vielleicht die
Armee selbst zu passiren. Graf S t e p h a n
Szschenyi, damals zweiter Rittmeister bei
Meroeldt'Ublanen und Ordonnanz» Ofsicier
des Feldmarschalls, ein kühner Reiter, präch.
tig beritten, erbot sich, diesen Ritt zu machen
und unternahm ihn wirtlich. Glücklich pas-
firte er einige Male, sich auf sein guteS
Pferd verlassend, französische Truppen und
erreichte gegen zehn Uhr Abends den Feld.
marschall Blücher. Dieser, auf der Stelle
zwar bereit, der Aufforderung des Fürsten
zu folgen, zweifelte doch sehr an der Mit»
Wirkung Bernadotte'S, des Kronprinzen
von Schweden, wenn derselbe nicht bestimmt
dazu aufgefordert werde, und fragte Szs«
chenyi, ob er nicht auch einen Auftrag an
jenen habe. Der Graf verneinte dies, aber
schnell gefaßt, erbot er sich, unverzüglich zum
Kronprinzen zu eilen und ind«m er die Ver-
antwortung auf sich nahm, diesem eine
gleiche Aufforderung zu bringen, wie an
Blücher. Der Feldmarschall ließ ihm gleich
frische Pferde vorführen, und Szschenyi
eilte, dem Kronprinzen die Einladung deS <A6chenyi, Stephan
Fürsten Schwarzenberg auf den i8. Oc<
tober zu dringen. Die Erfolge dieses Tages
zeigten, daß Szscbenyi's Ritt nicht oer»
aebens war; er selbst macbte beim grauenden
Morgen des <8. den Weg durch die franzö-
sische Armee zurück und meldete noch vor
dem Beginne der Schlacht dem Feldmarschall
Fürsten Schwarzenberg das Resultat
seiner Sendung. Der Graf avancirte zum
ersten Rittmeister und erhielt den russischen
Wladimirorden vierter Classe. — Seine zweite
folgenreiche Wassenthat gehört dem Jahre
l8l3 an. Szs chenyi stand mit dem ä. Hu<
szaren.Regimente, zu jener Zeit Prinz Regent
von England, in Italien, wo er unter Feld«
marschall'Lieutenant Bianchi den Feldzug
gegen Mura t mitmachte. Am 1. Mai 1813,
dem ersten Schlachttage bei Tolentino. war
er mit der Oberst zweiten Escadron sammt
der ganzen Cavallerie» Batterie, dann zwei
Zügen der zweiten Majors ersten Escadron
unter Rittmeister von Souvent und zwei
Zügen der Oberst . ersten Escadron unter
Oberstlieutenant Graf Bat thyany auf dem
äußersten rechten Flügel der Armee, welchen
General-Major Graf Starhemberg com-
mandirte, aufgestellt. Dieser Flügel wurde
vom Feinde zuerst bedroht. Gegen die geringe
Anzahl Huszaren rückte auf der Ebene das
ganze feindliche Garde.Huszaren« Regiment
«n luasss nebst einem Infanterie«Regimente
vor. Links deckten zwei stasselförmig aufge»
stellte Ianciers« Schwadronen den Angriff.
Der feindliche Reiterkoloß wälzte sich. wäh-
rend unsere Geschütze Verderben in seine
Reihen sandten, immer näher und näher.
Die Kanonen stellten nun ihr Feuer ein
— Todtenstille herrschte in den Reihen der
Huszaren; in diesem Augenblicke läßt Ritt«
Meister Graf Szs chenyi zur Attake blasen.
Souvent in der Fronte. Graf Bat»
thyäny in der rechten Flanke thun das.
selbe. Mit Iubelgeschrei stürzen unsere Husza-
ren auf den Feind; der feindliche Anführer
Duca di Nomano sinkt von einem gewal-
tigen Streiche des vorausgeeilten Gemeinen
Sz i l ^gy i getroffen, todt vom Pferde.
Wenige Augenblicke später ist das ganze
prächtige Garde «Regiment Mu rat's ver-
nichtet. Dieser glänzende Erfolg war auf
unsere Truppen, welche in bedeutender Min»
derheit fochten, von großem moralischen Ein»
fluß und hob sichtlich den Muth derselben. Graf
Szs chenyi aber erhielt aus diesem Anlasse
den königlich sicilianischen St. Ferdinand-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon