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i, Stephan« 272 i) Stephan
Verdienstorden und später noch den sardini'
schen Mauricius- und Lazarusorden. 1849
wurde der Graf zu Hessen»Homburg<Hufzaren
übersetzt. I n diesem Regimente blieb er bis
1826, in welchem Jahre er, der zweite im
Range zum Major, den Kriegsdienst quittirte
und auf Reisen ging. später seinem Vater«
lande in einer Weise dienend, die sein An-
denken unvergänglich macht. sO e sterre ich i<
. scher Soldaten freund (Wien^o.) 1333.
Nr. 8t: „Erinnerung an den 18. October
18l3". — Mi l i t ä r .Ze i tung . Heraus,
gegeben von Hir tenfeld (Wien. gr. 40.)
1860, Nr. 32, S. 254. — Thürheim
(Andreas Graf). Die Reit«»Regtmenter der
t. k. österreichischen Armee (Wien 1862, F. B.
Geitlerf gr. 8<>.) Bd. H: ^Die Huszaren"
S. 124; Bd. I I I : ^Die Uhlanen". S. 36.
— Der selbe, Gedenkblätter aus der Kriege,
gefchichte der k. k. österreichiscipungarischen
Armee (Teschen 1879 u. f.. Prochaska. Ler,<80.)
Bd. I I , S 175.)
I I I . Des Grafen ZIschenyi Aufenthalt in der
Privat-Irrenanstalt des Dsctar Vörgen und
des Grasen Selbstmord. Nickt bald hat ein
Ereigniß so großes Aufsehen nicht nur unter
der Wiener Bevölke'NMg, sondern überhaupt
in der Monarchie hervorgebracht, wie der
plötzliche Selbstmord < des Grafen Sz6<
chenyi. Man hat dem Dr. Gör gen Fahr«
lässigkeit in der Beaufsichtigung eines seiner
Obsorge anvertrauten Irren vorgeworfen.
Man hat nun einerseits behauptet, der
Graf fei gar nicht irre gewesen, sondern
habe sich in einem Anfalle von Misanthropie
über die Geschicke seines Vaterlandes nach
der Katastrophe der Jahre 1848 und 1849
nach Döbling gleichsam in ein freigewähltes
Cril, oder lichtiger gesagt Asyl. zurückgezogen.
DiefeS, bestehend in einer gewissen Entfernung
oder eigentlich Isolirung von den Ereignissen
in seinem Vaierlande. die ihn als begeister»
ten Patrioten und als einen der Haupthebel
der Bewegung, welche einen so unglücklichen
Ausgang nahm, tief aufregen und immer
wieder aufs neue erbittern muhten, war
geeignet, ihn, was getragen werden mußte,
leichter ertragen zu lassen. Und in der That,
diese Ansicht hat viel für sich, wenngleich
andere Umstände ihre Glaubwürdigkeit beeim
trächtigen. Andererseits hat man die Vehaup«
tung aufgestellt, der Graf sei nach Döbling
gebracht worden, damit man sich in einfach«
ster Weise seiner entledige und ihm keinen, Hochverrathsproceß machen müsse.
Für diese Ansicht spricht aber gar kein Um-
stand und wird dieselbe, wie auch jene.
nach welcher der Graf gar nicht irre ge.
wesen sei, in einem Schreibendes Assistenten
der Privat'Irrenanstalt an den damals auS
Gesundheitsrücksichten in Baden weilenden
Oi-. Görgen ausdrücklich durch die Worte
widerlegt: „daß der Graf häufig tobsüchtige
Anfälle habe". Was endlich seinen Selbst»
mord anbelangt, so hat man gar die Scene
aus »Don Carlos" zu Hilfe genommen
und behauptet, der Graf sei auf Befehl der
österreichischen Regierung durch das Fenster
erschossen worden!!.' Am 7. September 1843
wurde Szs chenyi als Irrer nach Döb»
ling abgeliefert, am 14. Jänner 1849 ord«
nete die Landesregierung eine Curatel über
den ^irrsinnigen" Grafen an, zwölf Jahre
später, am 8. April 1860 erschießt sich der«
selbe, also in einer Zeit, in welcher sich die
Verhältnisse seines Vaterlandes im denkbar
glücklichsten Umschwünge befanden, und da
soll er auf Befehl der Regierung erschossen
worden sein!! Es gibt nichts so Unsinniges,
was politische Dummseherei nicht für mög»
lich hielte. Der Graf war nicht irrsinnig,
wie dies im gewöhnlichen Sinne des Wortes
zu verstehen ist. Er war nur von tiefer
Schwermuth erfaßt und hatte trotz dieser
noch immer hellen Verstand genug, um
Ereignisse verstehen und mitfühlen zu können.
Wenige Tage vor seinem Selbstmord, am
28. März l860 hatte er seinen Freund Sa.
muel Freiherrn von Iosika in Pesth durch
den Tod verloren. Dadurch gewaltig erschüt»
tert, konnte er nicht mehr zur Ruhe kommen,
und er verschaffte sie sich in einem durch den
Schmerz über den Verlust seines Freundes
erhöhten Anfalle seiner Schwermuth auf ge«
waltsame Weise. Diese Lösung des Räthsels
ist nicht unwahrscheinlich. Aber damals in
der Erregung der Gemüther machte sich die
öffentliche Meinung in der Presse Luft, und
es entspann sich über die Zeit des Aufent-
haltes des Grafen in Dödling bis zu seinem
Ende, über dessen Ursachen und viele andere
wichtige und unwichtige Momente theils eine
Polemik in den Journalen, theils über die
Darstellung der Verhältnisse eine ganze
Literatur, welche wir hier mit Vermeidung
alles Ueberflüssigen mittheilen, indem wir
ihr, da sie einen besonderen Abschnitt im
Leben des Grafen bildet, eine eigene Ueber-
schrift geben. Die ungarischen Artikel darüber
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon