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i) Stephan 28? r^ Stephall
gar eine blutige Fortsetzung von 1848. Der
ist kein Patriot, der das abwatH«G will.
Ungarn datirt nicht von 48i3. sondern vom
Jahre iooo. Wenn Ungarn Oesterreich zürn
Kampfe herausfordert, so wird letzteres dem
Auslande jedes Zugeständniß machen, alle
seine Kräfte sammeln und Ungarn in De.
partemems theilen, dann ist aber ünis üun-
ßarias." So schrieb der Graf sechs Tage
vor seinem Tode. Und doch gibt es Leute,
die es sich nicht nehmen lassen, den Grafen
für irrsinnig zu halten. Nun, dann ist mir
der Irrsinn des Grafen Sz6chenyi lieber
als die gesunde Vernunft der gewöhnlichen
Menschen. — Graf Szächenyi und die
Bezeichnung „Buda-Pesth". Der Gesetz.
artikel IV vom Jahre 1848 bestimmt Pesth
ausdrücklich zum Sitze des Landtages. Ebenso
bezeichnet aber auch der Artikel I I I d. I .
Vuda» Pestbals Sitz der ungarischen Regie,
rung. Diese Eigenthümlichkeit der verschie«
denen Benennung, einmal Pefth und ein«
mal Buda» Pesth. in den aufein anderfol.
genden Gesetzartikeln d. I . erregte die Auf.
merlsamteit des „?ssti Nai»1<5", der denn
nun. seinem kritischen Bedenken nachgebend,
den ursprünglichen Entwurf einsah und fand.
daß auch in der Stelle deS Artikels IV
Buda»Pest gestanden, und daß Stephan
Szschenyi als.Mitglied der Commission
es war. der auS diesem Binom das erste
Glied (Buda) weggestrichen. Als man den
Grafen später um den Grund dafür fragte,
gab er ausweichend zur Antwort: „Weil eö
sonst nie dazu lommen dürfte, daß man in
Pefth ein »nonumentales Repräfentantenhaus
baut". Mit dieser Antwort, die für den
'Augenblick galt. stellte man sich aber nicht
zufrieden, und Baron Kemäny ging del
Sache tiefer auf den Grund und legte den
ganzen Hintergedanken Szächenyi's klar
auseinander, Wir können dier nicht des
Näheren auf diesen nicht uninterrffanten Vor>
gang eingehen, der dalin gipfelt, daß Sz6'
chenyi es für bedenklich hielt, daß der Land»
tag in einer Festung (Buda»Pej!h ist eine
solche) tagen solle, was in Tagen des Frie»
dens von geringem Belange, während in
jenen einer revolutionären Volksbewegung
der gesetzgebende Korper innerhalb der Fe»
stunasmauern nicht frei sei. Die folgende
Quelle gibt eine ausführliche Darstellung
des S z 6 ch
e n y i'schen Gedankenganges.
s^Bohemia (Prag. 4'.) l7. Februar ls6l,
Nr. 42 S. 36?: ,Aus Pesth".) — Der Szscheuhi - Hügel. Der frühere so»"
nannte „Schwabenberg" in Pesth wurde
im Jahre <860 in „Sz6chenyi<Berg" um«
getauft. Die Pesther Jugend hat nun da.
selbst einen Steinhaufen zusammengetragen,
welcher sich bald zu einer ansehnlichen Höhe
erhob und der eigentliche Szschenvi<Hügel
ist. Neben demselben befindet sich eine Stein,
bank. auf deren Pesth zugekehrter Seite
eine ungarische Inschrift steht, welche über»
setzt folgendermaßen lautet: „Wanderer, den
der Wen herbeigeführt — zu diesem zusam»
mengetraaenen Steinhügel — wisse, des
„großen Ungarn" Namen — des herrlichsten
unter den herrlichen — des großen Sz6«
chenyi — trägt dieser Hügel — jetzt und
immerdar.. — Getauft hat ihn patriotische
Pietät —ehrend, segnend das hohe Verdienst"»
Auf der Rückseite steht: »s2sokoQ?l kbs?ß
ülöko, ^861, 8spt. 2*. Auf einem neben
dem Steinhaufen angebrachten Ruhesitze ist
Szschenyi's Pild. von einem Immortellen»
kränze eingefaßt, angebracht. Zur Bezeich'
nung dieses Ortes ließen Franz Graf Nil«
dasdy und Coloman Tha l i bei dem
Pesther Bildhauer Garay eine Gedenktafel
anfertigen, auf welcher der Tag der Nm»
taufe des Schwabenberges: »L-sokoii^i»
iialow. 1860, N k M 20« eingemeißelt ist.
Der Grund, auf welchem die Szschenyi'Bank
steht, war im Jahre !86l Eigenthum des
Herrn Gustav Emich. — Das Szschenhi»
Album. Im Jahre 4861 wurde die An»
legung eines Szschenyi.Albums geschlossen,
welches im ungarischen Nationalmuseum
aufbewahrt werden sollte. Bald nach erlas,
senem Aufrufe fanden sich 60 prorotollirte
Theilnehmer, deren Reihe der damalige
Nestor der ungarischen Akademie Andreas von
Fay eröffnete. Nun folgten prosaische Auf«
sähe. Gedichte, Seidenstickereien von Damen,
Duplicate der an die Gräsin Witwe gerich»
teten Condolenzoriefe. Auch Beiträge für den
Einband des Albums liefen alsbald ein, und
für die geschriebenen Beiträge lagen in der
Museumvibliothet eigene Bogen (Szöchenyi-
Papier) bereit. Von Zeit zu Zeit wurden Be,
richte über den Fortgang des Albums veröffent-
licht. — Metternich über Szschenyi. Als
Fürst Metternich Nachrich. erhielt, daß
Graf Stephan schwer leidend nach Ober«
Döbling zu vi>. Görgen gebracht worden,
sprach er die denkwürdigen Worte: „Dieser
Mann war aus jenem Holze geschnitzt, auS
welchem die Vorsehung die großen Staatt»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon