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Maria 293 , Anton
goldenen Vließ geschmückt und zum Palatin
von Ungarn erhoben. Mar ia aber war
durch diese Würde ihres Gatten zur höchsten
Stellung, die sie erreichen konnte, gelangt.
Bald mischte sie sich wieder in die politischen
Angelegenheiten ihres Gemals, knüpfte hinter
seinem Rücken ein Liebesverhältnis an und
hielt heimlich zu den Verschwörern. Da starb
1668 Wesselsnyi , und nun hatte Mar ia
freie Hand. Nicht mehr heimlich, sondern
offen unterstützte sie die Nebellion, konnte
eS aber nicht verhindern, daß sie kaiserliche
Besatzung in das Schloß Muräny aufnehmen
mußte. So wurden dort die Schriften jener
Männer gefunden (Frangipan, Z r iny i ,
Taltenbach, Nadasdy), welche nach
vergeblichen Vorstellungen gegen die Unter»
drückung der evangelischen Lehre und die
heillose Wirthschaft der Jesuiten und Wenzel
Euseb Lobkowitz's sich endlich dahin
geeinigt hatten, Gewalt mit Gewalt zu ver«
treiben. Die Sache endete freilich anders.
Nicht sie vertrieben die Gewalt, sondern sie
erlagen ihr durch das Henkerbeil. Die spätere
Geschichte Marias vonSzschy, nach Ueber«
gäbe der Burg Muräny. wurde erst in
neuerer Zeit genauer Forschung unterzogen,
und Cmerich H ajn i k behandelte dieselbe in
einer Monographie, welche Ladislaus Sza»
lay in der Sitzung der ungarischen Akade.
mie der Wissenschaften vom 30. November
5563 vorlas. Hajnik stützte sich bei dieser
Arbeit, in welcher er vornehmlich die letzten
Lebensjahre Ma r i as , uon 1670 ab, behan-
delt, auf deren eigenhändige Briefe. Auch
widerlegt er darin die bis dahin herrschende
Ansicht, daß Mar ia Sz6chy in Wien ge»
storben sei. indem er nachweist, daß sie
167!>, zwölf Jahre nach dem Tode ihres
Gatten, bei ihrem Verwandten P e t e r
Szschy zu Güns das Zeitliche gesegnet
hat. Mar ia Szschy war seither der poeti-
sche Stoss verschiedener ungarischer Dichter,
so behandelte bereits Stephan Gyöngyäsi
die „Venus von Muräny", wie er treffend
Mar ia Szschy nennt, in einem epischen
Gedichte; in neuerer Zeit Johann Arany
in seiner „Belagerung von Muräny", Alex.
Petöf i in seiner „Maria SzscSy", und
Karl S zäsz. Das Büchlein .Maria Szscsy"
(Wien l>s?9). Manz. 12".). Nr. 3 von Oben.
t raut 's »Jugend' Bibliothek für Knaben
von 10—i5 Jahren", erzählt in halb wahrer,
halb poetischer Einkleidung die Geschichte
dieser ungarischen Amazone. ^Ungarische Illustrirte Zeitung (Pesth, 4o.) n.Iahr.
gang (1872). Nr. 58.- ,Ein ungarisches
Frauenbild aus der Kucuczenzeit". — Ku«
binyi F. und Vahot I.. Uas^rorL-äx
keoskbsn, d. i. Ungarn in Bildern (Pefth,
4o.) Bd. I I I , S. 81.)
Szecsen von Tenterin, Anton Graf
( S t a a t s m a n n , geb. 47. October
1819). Der Sproß einer ursprünglich
croatischen Familie. Sein Vater Ni c o»
laus war Oborsthofmeifter bei der Erz»
Herzogin Sophie, die Mutter Fr an«
ciSca eine geborene Gräsin Fo rg äch.
Wir begegnen dem Grafen bereits im
ungarischen Landtage 1843/44, in
welchem er zur conservativen Partei ge«
hörte. Bald darauf trat er in Dienste bei
der ungarischen Hofkanzlei, aus der er
zum Administrator des Poseganer Comi«
tateS berufen wurde. Nachdem Baron
Joseph I e l a s i 6 . der nachmalige
Croatenführer, zum Ban von Croatien
ernannt worden war', trat der Graf
von seinem Amte zurück und hielt sich
die nächstfolgende Zeit von allen öffent»
lichen Geschäften fern. Gleich anderen
seiner Landsleute näherte er sich im
Spätsommer 1848 wieder dem Hofe,
an dem er wohl nicht als Parteiorgan
angesehen, aber doch über einzelne Fra»
gen und Schritte ins Vertrauen gezogen
wurde. So ist unter Anderem der Ent»
rvurf zu dem Schönbrunner Manifeste
vom 22. September 1843, das. ohne
den Bestand der neuen ungarischen Ge-
sehe in Frage zu stellen, nur der AuS-
beutung derselben im Geiste der Revo«
lution und des Separatismus mit
ernster Entschiedenheit in den Weg trat,
aus der Feder SzöcSen'S geflossen.
Später sinden wir den Grafen unter den
Unterzeichnern deS Memorandums der
ungarischen Alt-Conservativen. welches
sozusagen das politische Glaubensbekennt«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon