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Anton 294 ) Anton
niß dieser Partei ist. Albert H u g o
brachte dieses hochinteressante Document,
als dessen Verfasser eben Graf S
cSen damals bezeichnet wurde, in dem
von ihm redigirten „Pesther Morgen
blatt" 1830, Beilage zu Nr. 68; auch
ist eS in dem Werke von Eugen von
Fr iedenfels: „Joseph Bedeus von
Scharberg" (Wien 1377, gr. 3".) Band
I I , S. 433 aufgenommen. Wahrend der
Kriegskatastrophe in Ungarn hielt der
Graf sich außer Landes auf. I m Jahre
1830 unternahm er eine längere Neise
nach Frankreich und England. Als der
Monarch mit Patent vom 3. März 1860
die Verstärkung des Reichsrathes durch
außerordentliche Reichsrathe angeordnet
hatte, wurde nebst Johann Grafen
Barköczy. Georg von Ma j lH
Eugen T o p e r c z e r Bürgermeister
von Großwardein, Georg Grafen An
drässy, Anton KorizmicS Bischof
von B^cS. auch Anton Graf Sz6
csen zum zeitlichen Reichsrath für das
Königreich Ungarn ernannt. I n dieser
Stellung spielte er eine hervorragende
Rolle. Er sprach in allen wichtigen An-
gelegenheiten, welche in jener Ver<
sammlung zur Verhandlung gelangten;
so unter Anderem aus Anlaß der Be>
rathung der Grundbuchsordnung und
der Adminiftrativjustiz, über die Siel«
lung der Konfessionen, über Administra«
rivreformen, über die Presse und Zu«
laffung von Berichterstattern, in Sachen
der Iustizreformen, des Grundsteuer«
katasters, der Nationalbank, über daS
Eoncordat. die Protestanten in Ungarn,
über daS Deficit und schließlich als Be«
richterstatter deS MajoritätSantrageS.
natürlich für denselben. Zum Verstand'
niß der Sachlage, sowie zur Verniet-
düng von Wiederholungen sei auf die
Biographie des ehemaligen Bürger« meifterS von Trovpau Franz H e i n
Md. VI I I , S. 213^ verwiesen, welcher
gleichfalls Mitglied deS verstärkten
ReichSratheS war. Der Graf bewahrte
sich in den Debatten dieser für Oester«
reichs politische Gestaltung so einfluß»
reichen Versammlung als glänzender
Redner und bedeutendes Parlamentär!«
scheS Talent. I n allen Sätteln gerecht,
erwog er mit Ruhe und Sachkenntniß
jede zur Verhandlung kommende Frage
und war neben Clam « Mar t i nitz
einer der Haupthandelnden. Im par«
lamentarischen Leben Ungarns groß«
gezogen, als Diplomat mit den Verhält,
nissen nach innen und außen vertraut,
sprach er fest, besonnen, aber stets in er»
greifender und zündender, meist um so
wirksamerer Rede, als er auch immer
zur Sache sprach. Ein Publicist jener
Tage bezeichnete den Grafen treffend
als daS „parlamentarische Schwert der
Ungarn". Seine vielseitige Bildung,
die Kraft seiner Logik, das Fließende
seiner geistvollen Argumentationen, AlleS
befähigte ihn sozusagen zu der Führer«
stelle, die er in dieser außerordentlichen
Versammlung stillschweigend übernom«
men hatte. Er war eS, der in die damals
noch unklare ungarische Bewegung Licht
zu bringen suchte. Von ihm stammt das
geftügelte Wort: „Historisch «politische
Individualitat", mit welchem nachmals
in der parlamentarischen Arena, wie in
der Presse solcher Mißbrauch getrieben
wurde. Eines großen Anhangs sich er-
freuend, war ei stets schlagfertig, einen
Gegner zu bekämpfen und die Fehler
seiner Partei wieder durch kühne Wen»
düngen der Ideen gut zu machen. Er
ging nicht immer mit der Regierung,
sondern trat ihr, wenn ihm ihr Vor»
gehen mißfiel, mit aller Entschiedenheit
entgegen, doch war er wieder ihr rück»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon