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sichtsvoller Alliirter, welcher auch ver-
wandtschaftlichen Gefühlen Rechnung
trug. Er hatte daS Majoritatsvotum
verfaßt, es mit dem ganzen Einfluß
seiner gewandten Beredtsamkeit verthei«
digt und auch zum Siege gebracht. Zum
Lohne dafür erhielt er beim Erscheinen
des kaiserlichen Diploms vom 20. Oc»
tober wohl kein Portefeuille, aber einen
Ministerstuhl und die geheime Raths-
würde. Im Reichstage deS Jahres 4861
war der Graf nicht erschienen. Dagegen
finden wir ihn auf dem Landtage 1866
in der Magnatentafel, in welcher na>
mentlich seine Reden vom 16. und
18. April bemerkenswerth erscheinen,
weil er in Folge seiner früheren Stel»
lung im Ministerium Schmerl ing in
der Lage war, über die Entstehung des
Februar.Patenteg interessante authentische
Enthüllungen zu machen, zu deren Ver»
öffentlichung er die specielle Erlaubniß
Seiner Majestät des Kaisers hatte ein-
holen muffen. Auch im Jahre 4870, als
Preußen gegen Frankreich zu Felde zog,
sahen wir den Grafen im Landtage, und
hielt er in demselben über die Neutra«
lität Oesterreich'UngarnS die beachtenS»
werthe Rede. welche in folgender Stelle
gipfelte: „Ich habe die schwärmerischen
deutschen Sympathien niemals getheilt;
die Frankfurter Gesandtschaft (1848.
Szalay) habe ich meinerseits nie ge>
billigt; trotzdem meine ich. wäre es eine
große und verhängnißvolle Täuschung,
zu glauben, daß eine solche Organisation
den Frieden Europas in Zukunft sichern
könnte, welche den berechtigten natio«
nalen Interessen und historischen Erin'
nerungen der im Herzen Europas woh»
nenden deutschen Nation nicht zu ent>
sprechen wüßte". Indem er ferner von
dem damaligen Kriege nicht erwartet,
daß durch die Konsequenzen desselben die Organisation Mittel.Europas den
Anforderungen des Friedens, der Ruhe
und Stetigkeit entsprechend entwickelt
werden könne, halt er es nicht für im
Interesse der Monarchie gelegen, an
diesem Kriege theilzunehmen. Dabei ver«
wahrt er sich gegen das laut gewordene
Axiom, die Politik der Neutralitat sei
die Politik der Schwache. Nachdem er
noch die Verhältnisse der Monarchie zu
den Nachbarmächten einer flüchtigen
Prüfung unterzogen hatte, schloß er:
„Es ist ein unglückliches Vorgehen, aus
Besorgmß, Ungeduld, der Combination
fernliegender möglicher Kämpfe sich in
unmittelbare Kämpfe zu stürzen und
gewissermaßen das Beispiel eines Mm-
schen nachzuahmen, der, um möglicher
Gefahr in seinem Hause zu entgehen,
kein besseres Mittel weiß. als durchS
Fenster zu springen". Graf Anton ist
auch als Publicist thätig. Im Jahre
1831 trat er mit der Sckrift auf: „Pa-
litische Fragen der Oegrnllart' besprachen ulln
Antun Hrnten SzHrIen" (Wien 1831.
Iasper, Hügel und Manz. gr. 8<>.,
130 S.). Allgemeinere Theilnahme aber
erweckten seine „Acht GssayL" (Wien
1879, C. Gerold, 8«.. 270 S.), welche
er ursprünglich in ungarischer Sprache
herausgab, dann in deutscher Ueber»
setzung erscheinen ließ. Diese Essays find
theils politischen, theils literarischen Cha-
rakters, obwohl er auch in jenen letzterer
Art immer ein politisches Moment in die
Darstellung hineinzuweben versteht. Er
behandelt in ihnen unter Anderen den
^eisernen Herzog", unter welchem Namen
Wel l ing ton in England fortlebt, den
Historiker T ac i tu s. die Dichter S h a-
kespeare und Dante, in Ersterem
den Zusammenhang schildernd zwischen
dem Poeten und der großen Epoche
seines Vaterlandes, in Letzterem den po>
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Band 41
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Susil-Szeder
- Band
- 41
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 340
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon