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SMnkomcs, Ludwig (Vater) 236 SMnkomcS) Ludwig (Vater)
1200 Mann in Waffen stehen, in Wirk
. lichkeit aber waren deren nur 200 vor-
Handen. Nicht weniger mangelhaft stand
eSmitdenVercheidigungsmitteln. Nichts
destoweniger wurde die am 23. April
t849 von den Rebellen eingeschlossene
Festung bis zu ihrem am 9. August er
folgten Entsatze auf das tapferste ge>
halten. Die Belagerung und die Helden
müthige Vertheidigung Temesvärs ist
nicht nur epochemachend in der Geschichte
der ungarischen Rebellion, sonoern'in der
Kriegsgeschichte überhaupt. Am 10. Oc<
tober 1848 gab die Garnison von Te
mesvä.r die Erklärung ab, treu zum
Kaiser als ihrem rechtmäßigen Herrn zu
stehen, und sie hielt ihr Wort bis zum
Schlüsse der 107tägigen Belagerung,
wahrend deren sie in mehr Schlacht«
tagen, als oft in, einem ganzen Feldzuge
stattfinden, die schwersten Kämpfe mit
einem überlegenen und mit Allem reich
lich versehenen Gegner durchzumachen
hatte. Die Besatzung war durch die
unaufhörlichen Gefechte, wie durch Epi>
demie lange schon bis zur Hälfte auf.
gerieben, die Stadt zu einem Trümmer«
Haufen zusammengeschossen, der Rest der
Leute, welcher sich noch in der Festung
befand, ohne Kleidung und durch die
Strapazen völlig entkräftet. Und daß
ungeachtet dieser Verhältnisse die Festung
sich in so bewunderungswürdiger Weise
hielt, war daS Werk des Obersten
Sztankovi c s. Der Festungscomman«
dant Freiherr von Rukowina hatte
ihm die persönliche Leitung der Verthei»
digung übertragen. Da bald nach dem
Beginne dsr Belagerung der Comman»
dant der Garnisonsartillerie Major
von Scherb erkrankte und später der
Genie-3ocaldirector Major von Simo»
novi cs durch eine Bombe tödtlich ver«
wundet wurde, .so waren endlich alle Zweige der Vertheidigung in den Hän-
den des Obersien SztankovicS ver-
einigl. Davon spricht das ihm verliehene
Diplom des Maria Theresien'Ordens:
„Ihm, der die Verfügungen jeder Art
geleitet, unermüdet be! Tag und Nacht
das Beispiel von seltener Bravour und
Ausdauer gegeben, ihm gebührt nach
dem allgemeinen Zeugniß der größte
Theil deS Verdienstes, die geringe Ver-
theidigungskraft, die zu Gebote stand,
zweckmäßig verwendet zu haben, so daß
die Festung bis zur Ankunft deS Entsatz-
Heeres gehalten werden konnte, wodurch
die günstigen Erfolge unserer Waffen
wesentlich gefördert werden konnten".
In Würdigung dieses unvergleichlichen
Verhaltens verlieh der Kaiser dem
Obersten mit allerhöchster Entschließung
vom 27. März 1830 den Orden der
eisernen Krone zweiter Classe, welcher
Auszeichnung mit Capitelbeschluß vom
26. März 1830 in der 137. Promotion
das Ritterkreuz des Maria Theresien»
Ordens folgte. Bald rückteStankovicS
auch zum Generalmajor auf. Im Jahre
1831 mit einer militärischen Commission
nach St. Petersburg entsendet, kehrte
er von da mit dem St. Stanislaus-
Orden erster Classe geschmückt zurück.
1852 commandirte er die Reservebri»
gade an der böhmisch.sächsischen Grenze,
1833 wurde er Brigadier in Wien, wo
der König von Preußen zur Zeit feines
Besuches am kaiserlichen Hofe ihn mit
dem rothen Adler«Orden auszeichnete.
Zu Beginn deS Jahres 1838 ging
Sztankovics, mittlerweile zum Feld»
marfchall.Lieutenant erhoben, als Trup.
peN'Divisionar nach Mailand. Beim
AuSbruch deS Feldzuges 1839 erfolgte
seine Ernennung zum General» Adju»
tanten der italienischen Armee, deren
Oberst.Commandirender Benedek war.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Szedler-Taasse, Band 42
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Szedler-Taasse
- Band
- 42
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 356
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon