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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Szedler-Taasse, Band 42
Seite - 296 -
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Seite - 296 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Szedler-Taasse, Band 42

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Taaffe. Eduard 296 Taaffe, Eduard Man hat das Ministerium, welches sich eben diese Aufgabe gestellt, mit dem Namen eineS Coal i t ions-Ministe- riums bezeicknet. Nun eben dieses Üoalitions . Ministerium will eine Ver» söhnung und Vereinigung der verschie« denen nationalen Parteien herbeiführen, es will mit einem Worte die Nationali« täten Oesterreichs vereinigen. Bei diesem Streben aber will ich nicht eine natio« nale Mehrheit, ich will im Parlamente Oesterreicher, ich will eine öster. reichische Mehrheit haben. Denn Oesterreich besteht ja eben aus verschie- denen Nationalitäten, deren Rechte aber eben auch gewahrt werden muffen. Diese werden, wenn sie nebeneinander stehen, ihrer Rechte sich bewußt und im Genusse derselben sind, mit Freuden brüderlich sich die Hand reichen und zum Wohle des großen und ganzen Oesterreich wirken. Auch ich theile die Ansicht deS Vorredners. daß nicht regiert werden kann, wenn die Deutschen an die Wand gedrückt sind, aber auch die Slaven dürfen nicht an die Wand gedrückt melden, denn sie sind gleichberechtigte Factoren unseres Oesterreich und eben der Begriff der Nationalitaten, die in Oesterreich leben, die zusammen bilden den Oesterreicher, und wenn die Natio« nalitäten von den Nationalitäten gegen» seitig und diese von der Regierung an» erkannt werden, dann werden auch alle gzite Oesterreicher sein". Diese oftmals von großem Beifall begleitete Rede kann wohl als des Minister-Präfldenten Pro« gramm betrachtet werden, dessen strenge Aufrechthaltung und Verwirklichung bei jenen Nationen, welche sich bisher als nicht vollberechtigt oder in ihren histo» rischen Rechten bedrückt ansehen, in Folge ihres Stcebens, von dem Versäumten in Bälde so viel als thunlich zu errin. j gen, auf nicht geringe Schwierigkeiten stößt. Namentlich die deutsche Partei im Parlamente, die es in eigenthürn« licher Verkennung ihrer nächsten In« tereffen unterließ, sick die Führerschaft zu wahren, welche sie seit dem Austritt der Üechen aus dem ReichSrathe ohne Einsprache geübt, und sich im richtigen Bewußtsein ihres culturellen Ueber« gewichtS nun mit einem Mal in ihren vitalsten Interessen bedroht wähnt, na- mentlich sie verfolgt mit ArguSblicken jeden Schritt und Tritt des Ministers, und weil sie selbst, freilich durch eigene Schuld, in eine Minderheitsstellung ge« rathen, will sie in allen Handlungen des Ministeriums nur eine Unterdrückung deS Deutschthums in Oesterreich sehen und stellt AlleS, was zu Gunsten einer anderen Partei geschieht, als gegen das Deutsckthum gerichtet dar. Der Graf hatte sich alle Mühe gegeben, Manner auS den Reihen der deutsch liberalen Partei für sein Cabinet zu gewinnen und durck eine Coalition der Parteien eine parlamentarische Mehrheit zu schaf- fen, welche den praktischen und wirth« schaftlichen Fragen sich widmend, das Ministerium ohne Rücksicht auf die na» tionalen Gegensätze hätte unterstützen sollen. Alle seine Versuche aber scheiterten gerade an dem Widerstände der deutsch liberalen Partei, die jahrelang gewohnt, allein zu regiereu, nun, da gleichberech- tigte Factoren zugleich mit ihr anS Ruder gelangten, nicht mitthun wollte. Unter solchen Verhältnissen trat denn an das Ministerium. dem es auf die Festigung deS CardinalpunkteS ankam: al len Nat ionen im Kaiserstaate gerecht zu werden, die Nothwen- digkeit heran, sich die Mehrheit zu neh. mm. wo eS sie eben fand. Die gegen« wärtige, nicht aus der deutschen Partei
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Szedler-Taasse, Band 42
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Szedler-Taasse
Band
42
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1880
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
356
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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