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Taaffe Nicolaus 312 e. Nicolaus
zog er in den Türkenkcieg. wo er im
Truppencorps des Generals Gecken»
dorff eingetheilt, am 4. August bei
Widdin mit seinem Regiments die Avant»
garde bildete; im November aber mit
demselben als Arriöregarde bei Fort
St. Elisabeth den Marsch unserer Artil»
lerie und die Bagage gegen die Angriffe
der Türken deckte. 2lm 2. September
!738 kämpfte er in der Affaire bei
Pollesch und deckte dann mit seinem Re<
gimente den Rückzug des Corps, welches
Generalmajor C i c e r i commandirte.
Als sür den türkischen Feldzug 1739
neue Generale zu ernennen waren,
wurde auf Vorschlag des Hofkriegsraths'
Präsidenten Grafen Harrach Oberst
Taaffe im Februar diefes Jahres zum
Generalfeldwachtmeister befördert und
mit seiner Brigade bei der k. k. Haupt-
armee eingetheilt. <752 rückte er zum
Feldmarschall'Lieutenant vor. Als sol«
cher kämpfte er in der denkwürdigen
Schlacht bei Kolin am 48. Juni 4737,
in welcher König Friedrich I I . durch
Daun eine entscheidende Niederlage
erfuhr, zu welcher auch Mylord Taaffe
sein Theil beitrug. Es war nämlich die
schwere Cavallerie des reckten kaiserlichen
Flügels bei einem Angriff der Preußen
zerstreut worden. In diesem verhängniß.
vollen Augenblick schrie Lord Taaffe
mit dem ganzen Aufgebot seiner Stimme:
„Nur drauf los avancirt, ihr Herren, die
Bataille wird gewonnen, der Feind reti.
ritt sich!" und wiederholte diesen Zuruf
immer wieder, in Folge dessen die zer»
streuten schweren Reiter sich endlich sam-
melten und nun wirklich vorrückten. Es
ist diese Thatsache aus Originalurkunden
des kaiserlichen Militär.Cabinetsarchivs
erhoben. Als im Jahre 1763 in Schle« fien eine große Hungersnot!) ausbrach,
war NicolauS Taaffe der Erste, der
mit großen Nnkosten den Anbau der
Kartoffel, die, obgleich bereits 4373 nach
Europa gebracht, daselbst doch nur
schwer Verbreitung fand, in Schlesien
einführte, wodurch er diesem Lande ein
großer Wohlthäter wurde, da diese
Frucht bis zur Stunde das fast aus>
sckließlicke Nahrungsmittel dec ärmeren
schlesischen Bevölkerung bildet. Als sein
Vetter Theo bald. der vierte Earl
von Carlingford, im Jahre 4738,
ohne Nachkommen starb, erbte er
dessen ganzes Vermögen, welches aus
Gütern in Irland und Deutschland be>
stand. Es wurde ihm aber dieses große
Vermäcktniß durch Robert Sut ton,
der in weiblicher Linie mit dem Verftor«
denen verwandt und Protestant war. oe-
stritten, worüber sich verschiedene Pro>
cesse entspannen, welche mit einem Ver»
gleiche endigten, demzufolge er zwei
Dritttheile seines Erbes einbüßte. Mit
Nicolaus, dem ersten Reichs grasen
des Geschlechtes Taa ffe, hat sich das«
selbe ganz nach Oesterreich gewendet
und darin feinen bleibenden Wohnsitz
genommen. Er vermalte sich im Jahre
4729 mit Mar ianne, der Tochter des
Johann Philipp Grafen Spindler ,
welche er nach vierzigjähriger Ehe 4796
duich den Tod verlor. Aus diefer The hatte
er zwei Söhne, den Grafen Johann
^S. 303, Nr. 8), der in der Mute seiner
Jahre vor dem Vater dahinstarb, und
den Grafen Franz^S.304, Nr. 3), der
den Abend seines Lebens mit astronomi»
schen Studien verbrachte.
Porträt. Unterschrift: „I^orö. NiokolHs
?2kU««. Lithographie ohne Angabe des
Zeichners und Lithographen (8«).
Ende des zweiundoierzigsten Vandes.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Szedler-Taasse, Band 42
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Szedler-Taasse
- Band
- 42
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1880
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 356
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon